Lot­to-Wer­bung – Spiel mit

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die bestehen­den Wer­be­be­schrän­kun­gen für Lot­te­ri­en näher kon­kre­ti­siert. Hier­nach ist es Lot­to­ge­sell­schaf­ten es nicht gene­rell ver­bo­ten, hohe Gewin­ne bei Jack­pot­aus­spie­lun­gen anzu­kün­di­gen.

Lot­to-Wer­bung – Spiel mit

Hin­ter­grund war eine Wer­be­kam­pa­gne der Staat­li­chen Lot­te­rie­ver­wal­tung in Bay­ern: Der beklag­te Frei­staat Bay­ern ver­an­stal­tet in Bay­ern u. a. die Lot­te­rie LOTTO – 6 aus 49. Die Klä­ge­rin, die Glücks­spiel­an­ge­bo­te ver­mit­telt, hält es für eine nach dem Glücks­spiel­staats­ver­trag (GlüStV) unzu­läs­si­ge Wer­bung, dass der Beklag­te Jack­pot­aus­spie­lun­gen mit einem Wert von mehr als 10 Mio. € ankün­digt. Außer­dem wen­det sich die Klä­ge­rin dage­gen, dass der Beklag­te ein Kun­den­ma­ga­zin mit dem Titel "Spiel mit" ver­brei­tet.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Mün­chen I hat die Unter­las­sungs­kla­ge abge­wie­sen 1. Das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen hat die­se Ent­schei­dung bestä­tigt, soweit sich die Klä­ge­rin all­ge­mein gegen die Ankün­di­gung von Jack­pot­aus­spie­lun­gen über 10 Mio. € und den Titel des Kun­den­ma­ga­zins "Spiel mit" wen­det 2. Aller­dings hat das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen dem beklag­ten Frei­staat Bay­ern ver­bo­ten, für Jack­pot­aus­spie­lun­gen in der Wei­se zu wer­ben, dass Höchst­ge­win­ne von 26 oder 29 Mio. € her­vor­ge­ho­ben unter Abbil­dung jubeln­der Men­schen ange­kün­digt wer­den.

Der Bun­des­ge­richts­hof urteil­te nun, dass nicht jede Ankün­di­gung einer Jack­pot­aus­spie­lung mit einem mög­li­chen Höchst­ge­winn über 10 Mio. € unzu­läs­sig ist. Nach § 5 Abs. 1 GlüStV hat sich Wer­bung für öffent­li­ches Glücks­spiel "zur Ver­mei­dung eines Auf­for­de­rungs­cha­rak­ters bei Wah­rung des Ziels, lega­le Glücks­spiel­mög­lich­kei­ten anzu­bie­ten, auf eine Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung über die Mög­lich­keit zum Glücks­spiel zu beschrän­ken". Da es sich bei der Jack­pot­lot­te­rie um ein lega­les Glücks­spiel han­delt, ist danach die sach­li­che Infor­ma­ti­on über Art und Höhe der aus­ge­lob­ten Prei­se erlaubt. Zudem muss die Infor­ma­ti­on über den Höchst­ge­winn nach den Richt­li­ni­en im Anhang des Glücks­spiel­staats­ver­trags mit einer Auf­klä­rung über die Wahr­schein­lich­keit von Gewinn und Ver­lust ver­bun­den wer­den. Dadurch wird die Anlock­wir­kung des Höchst­ge­winns begrenzt.

Eine Fra­ge des Ein­zel­falls ist es, ob sich die kon­kre­te Gestal­tung der Ankün­di­gung einer Jack­pot­aus­spie­lung in den zuläs­si­gen Gren­zen hält. Inso­weit hat­te das Ober­lan­des­ge­richt zu Recht die kon­kre­te Wer­bung des Beklag­ten ver­bo­ten, in der Höchst­ge­win­ne von 26 oder 29 Mio. € im Schrift­bild her­vor­ge­ho­ben, ver­bun­den mit der Abbil­dung jubeln­der Men­schen ange­kün­digt wer­den.

Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs ist dage­gen der von dem Beklag­ten für sein Kun­den­ma­ga­zin ver­wen­de­te Titel unzu­läs­sig, der Impe­ra­tiv "Spiel mit" ent­hal­te eine Auf­for­de­rung zur Spiel­teil­nah­me.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – I ZR 149/​08 – "Spiel mit"

  1. LG Mün­chen I, Urteil vom 29.03.2007 – 4 HK O 18116/​06[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 31.07.2008 – 29 U 3580/​07, OLGR Mün­chen 2009, 19[]