Luft­recht­li­che Plan­fest­stel­lung für den Nacht­flug­be­trieb

Grund­vor­aus­set­zung für die Aner­ken­nung eines Nacht­flug­be­darfs ist die Dar­le­gung einer Nach­fra­ge nach Nacht­flug­ver­kehr. Die Bedie­nung der Nach­fra­ge muss zudem von den Pla­nungs­zie­len, die die Anle­gung oder den Aus­bau des Flug­ha­fens gerecht­fer­tigt haben, umfasst sein.

Luft­recht­li­che Plan­fest­stel­lung für den Nacht­flug­be­trieb

Die Dar­le­gung einer Nach­fra­ge allein genügt für die Zulas­sung von Nacht­flug­be­trieb nicht. Die Ver­kehrs­in­ter­es­sen sind nur dann geeig­net, sich im Wege der Abwä­gung gegen die Lärm­schutz­in­ter­es­sen der Anwoh­ner durch­zu­set­zen, wenn es aus­ge­hend von den Gege­ben­hei­ten des Luft­ver­kehrs­mark­tes betrieb­li­che oder struk­tu­rel­le Grün­de dafür gibt, den Ver­kehr gera­de in den Nacht­rand­stun­den abzu­wi­ckeln.

Die Ver­kehrs­funk­ti­on des Flug­ha­fens und sei­ne Stel­lung im Luft­ver­kehrs­netz bestim­men die Erwar­tun­gen, die berech­tig­ter­wei­se an das Ver­kehrs­an­ge­bot zu stel­len sind, ins­be­son­de­re an die Zahl und die Diver­si­tät der Desti­na­tio­nen, die Fre­quenz der Ver­bin­dun­gen und die Erreich­bar­keit des Flug­ha­fens in den frü­hen Mor­gen- und spä­ten Abend­stun­den. Die­se Erwar­tun­gen sind ent­schei­dend dafür, ob das Ver­kehrs­an­ge­bot ohne die in Rede ste­hen­den Nacht­flug­ver­bin­dun­gen noch als „befrie­di­gend“ 1 ange­se­hen wer­den kann.

Inwie­weit die Aus­gangs­da­ten und die Ver­ar­bei­tungs­schrit­te einer Ver­kehrs­pro­gno­se doku­men­tiert wer­den müs­sen, um deren Ver­wert­bar­keit über­prü­fen zu kön­nen, ist eine Fra­ge der Beweis­wür­di­gung, die sich nicht all­ge­mein­gül­tig beant­wor­ten lässt.

Eine umfas­sen­de Prü­fung der Ver­la­ge­rungs­mög­lich­kei­ten von Flü­gen inner­halb der Nacht und von der Nacht in den Tag kann eine Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de nicht vor­neh­men. Sie kann den Flug­ge­sell­schaf­ten ledig­lich einen Rah­men für ihre Umlauf­pla­nun­gen set­zen.

Die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de muss nicht alle rea­lis­ti­scher­wei­se in Betracht kom­men­den Flug­rou­ten auf die zu erwar­ten­den Lärm­beein­träch­ti­gun­gen unter­su­chen; sie kann sich auf die Betrach­tung bestimm­ter Flug­rou­ten beschrän­ken. Die Flug­rou­ten gehö­ren zu den pro­gnos­ti­schen Annah­men, die der Lär­mer­mitt­lung zugrun­de zu legen sind.

Die Flug­rou­ten­pro­gno­se muss die Moda­li­tä­ten des Flug­be­triebs soweit abbil­den, wie dies für die jewei­li­ge im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zu tref­fen­de Ent­schei­dung erfor­der­lich ist. Für die Rege­lung des Flug­be­triebs muss sie nicht so genau sein wie für die Fest­le­gung der Schutz- und Ent­schä­di­gungs­ge­bie­te.

Der Flug­be­trieb wird gere­gelt für einen Flug­ha­fen an einem bestimm­ten Stand­ort mit einer bestimm­ten Sied­lungs­struk­tur in sei­ner Umge­bung. Die Rege­lung soll grund­sätz­lich auch dann Bestand haben kön­nen, wenn ande­re An- und Abflug­ver­fah­ren fest­ge­legt wer­den als im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ange­nom­men.

Die Pro­gno­se der An- und Abflug­ver­fah­ren muss in aller Regel mit dem Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung (BAF) oder der Deut­schen Flug­si­che­rung GmbH (DFS) abge­stimmt sein.

Hat die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de die fach­pla­nungs­recht­li­che Zumut­bar­keits­schwel­le feh­ler­frei bestimmt, genügt es für die Abwä­gung grund­sätz­lich, die Lärm­schutz­be­lan­ge aus­ge­hend von die­ser Schwel­le zu gewich­ten: Sie sind umso gewich­ti­ger, je näher die Lärm­be­las­tun­gen an die fach­pla­nungs­recht­li­che Zumut­bar­keits­schwel­le her­an­rei­chen, ihr Gewicht ist umso gerin­ger, je wei­ter sie hin­ter die­ser Schwel­le zurück­blei­ben.

§ 29b Abs. 1 Satz 2 LuftVG gilt für die gesam­te Nacht, also auch für die Nacht­rand­stun­den. Auch die ers­te Nacht­stun­de von 22:00 bis 23:00 Uhr ist schutz­wür­dig; sie darf nicht als blo­ße Ver­län­ge­rung des Tag­flug­be­triebs ange­se­hen wer­den.

Bei der Prü­fung, ob die Rege­lung des Flug­be­triebs dem beson­de­ren Gewicht der Nacht­ru­he hin­rei­chend Rech­nung trägt, dür­fen die Nacht­rand­stun­den nicht iso­liert betrach­tet wer­den. Ent­schei­dend ist, ob das Lärm­schutz­kon­zept bei einer Betrach­tung der Gesamt­nacht aus­rei­chend Rück­sicht auf die Nacht­ru­he der Bevöl­ke­rung nimmt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 13. Okto­ber 2011 – 4 A 4000.09 und 4 A 4001.10

  1. BVerwG, Urteil vom 16.03.2006 – 4 A 1075.04, BVerw­GE 125, 116 Rn. 288[]