Magne­ti­sche Was­ser­be­hand­lung

Es ist irre­füh­rend, wenn der Anbie­ter eines Pro­dukts mit behaup­te­ten Wir­kun­gen für Gesund­heit oder Umwelt – hier: Gerät zur magne­ti­schen Was­ser­be­hand­lung – nicht dar­auf hin­weist, dass die Wir­kun­gen wis­sen­schaft­lich nicht erwie­sen oder in der Wis­sen­schaft sehr umstrit­ten sind. Einer Beweis­auf­nah­me zur umstrit­te­nen Wir­kung bedarf es des­halb im Rechts­streit um die Unter­las­sung der Wer­bung ohne einen sol­chen Hin­weis nicht.

Magne­ti­sche Was­ser­be­hand­lung

Die­se Wer­bung ist eine unlau­te­re geschäft­li­che Hand­lung nach §§ 3, 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 UWG, weil sie irre­füh­rend ist.

Die behaup­te­ten phy­si­ka­li­schen Wir­kun­gen einer magne­ti­schen Behand­lung von Was­ser, also ins­be­son­de­re die Ver­hin­de­rung oder Ver­min­de­rung von Kalkan­sät­zen durch Ver­än­de­rung der Kris­tall­struk­tur bei vie­len wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen konn­ten nicht nach­ge­wie­sen oder gar wider­legt wer­den, eine Viel­zahl von Stu­di­en haben kei­nen ent­spre­chen­den Nach­weis dafür gebracht. Auch der Ver­trei­ber die­ser Magne­te hat im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren die­sen Vor­trag nicht nur nicht bestrit­ten, son­dern hat selbst vor­ge­tra­gen, dass die Wir­kun­gen von Magne­tis­mus auf die Was­ser­här­te oder Ver­kal­kung umstrit­ten sind und kon­tro­vers dis­ku­tiert wer­den.

Wer sich in einer Wer­bung auf eine fach­lich umstrit­te­ne Behaup­tung stützt, ohne dabei die Gegen­an­sicht zu erwäh­nen, hat die Ver­ant­wor­tung für die objek­ti­ve Rich­tig­keit der Anga­ben über­nom­men. Er muss sie dann im Streit­fall – abwei­chend von der Grund­re­gel, dass der Klä­ger die Beweis­last für die Irre­füh­rung trägt – bewei­sen [1]. Die­se zunächst für allem für Wer­be­an­ga­ben auf dem Gebiet des Gesund­heits­we­sens ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten auch bei ande­ren fach­lich umstrit­te­nen Behaup­tun­gen [2]. Das muss jeden­falls dann gel­ten, wenn es wie hier um Pro­duk­te geht, die von Gesund­heits­re­le­vanz sind – hier die Behand­lung von Was­ser – und wenn außer­dem mit dem Hin­weis in der Wer­bung auf die Ein­spa­rung von Ener­gie und Wasch­mit­teln auch die Behaup­tung beson­de­rer Umwelt­freund­lich­keit des Pro­dukts ver­bun­den ist.

Trägt der Klä­ger das Feh­len einer wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­ge sub­stan­ti­iert vor oder ist dies wie hier sogar unstrei­tig, so hat der Wer­ben­de den Beweis der wis­sen­schaft­li­chen Absi­che­rung zu füh­ren. Dabei geht es nicht dar­um, einen Beweis erst im Lau­fe des wett­be­werbs­recht­li­chen Rechts­streits etwa durch eine vom Gericht zu ver­an­las­sen­de sach­ver­stän­di­ge Begut­ach­tung zu erbrin­gen, son­dern die Irre­füh­rung liegt bereits dar­in, dass in der streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­bung nicht über den feh­len­den wis­sen­schaft­li­chen Nach­weis oder den wis­sen­schaft­li­chen Streit – also den Umstand, dass die Wir­kungs­be­haup­tung nur mög­li­cher­wei­se rich­tig ist – infor­miert wor­den ist [3]. Inso­fern liegt die Irre­füh­rung auch im Unter­las­sen (§ 5 a Abs. 1 und 2 UWG) einer Auf­klä­rung über den feh­len­den oder umstrit­te­nen Wir­kungs­nach­weis [4].

Unter die­sen Umstän­den kommt eine Beweis­erhe­bung durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nicht in Betracht. Wie der Klä­ger umfang­reich und unbe­strit­ten vor­ge­tra­gen hat, gibt es eine Viel­zahl von Unter­su­chun­gen, auch in Form von Gerichts­gut­ach­ten, die bele­gen, dass der Nach­weis der Wirk­sam­keit einer in wel­cher Gestalt auch immer unter­nom­me­nen magne­ti­schen Was­ser­be­hand­lung nicht geführt wer­den kann, die durch­grei­fen­de Zwei­fel an der Wirk­sam­keit äußern oder die die­se gar ver­nei­nen. Dem­ge­gen­über haben der Beklag­te und sei­ne Streit­hel­fe­rin­nen nicht dar­tun kön­nen, dass es nach wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­ri­en erstell­te Stu­di­en gibt, die bele­gen, dass eine magne­ti­sche Was­ser­be­hand­lung gene­rell Kalk­ab­la­ge­run­gen ver­min­dern kann. Es kommt auch nicht auf den Ein­wand an, dass die­se Stu­di­en nicht das von ihnen ange­bo­te­ne Gerät unter­sucht haben. Denn es ist schon nicht behaup­tet, dass es sol­che Stu­di­en spe­zi­ell zum streit­ge­gen­ständ­li­chen Gerät gibt; zudem ist das vor­ge­leg­te Gerichts­gut­ach­ten, das einen „Wirk­sam­keits­fak­tor von Null“ beschei­nigt, eben­falls zu einem Gerät erstellt wor­den, das um Lei­tungs­roh­re mon­tiert wird, um dort ein Magnet­feld zu erzeu­gen [5]. Der Beklag­te ver­weist ledig­lich dar­auf, dass er die streit­ge­gen­ständ­li­chen Behaup­tun­gen letzt­lich von der Her­stel­le­rin des Geräts über­nom­men habe. Damit wird der feh­len­de wis­sen­schaft­li­che Nach­weis eben­so wenig ersetzt wie durch den beklag­ten­seits behaup­te­ten Umstand, dass es bis­lang kei­ne Kun­den­re­kla­ma­tio­nen gebe. Außer­dem ist auch nicht fest­stell­bar, war­um Rekla­ma­tio­nen aus­ge­blie­ben ist, denn ob eine Ver­kal­kung von Was­ser­roh­ren oder was­ser­füh­ren­den Gerä­ten und Ein­rich­tun­gen auf­tritt, hängt von einer Viel­zahl von Fak­to­ren, nicht nur, aber durch­aus auch von der Was­ser­qua­li­tät ab.

Somit erwei­sen sich nicht nur die Aus­sa­gen, die die unmit­tel­ba­re Wir­kung einer Ver­hin­de­rung und Besei­ti­gung von Kalk­ab­la­ge­run­gen zum Gegen­stand haben, als irre­füh­rend, son­dern auch die wei­te­ren Aus­sa­gen, die als wei­te­re Fol­ge die­ser Wir­kung die Ein­spa­rung von Ener­gie, Weich­spü­lern, Wasch- und Spül­mit­tel­zu­sät­zen und damit auch von Kos­ten her­vor­he­ben.

Land­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 17. Febru­ar 2012 – 31 O 47/​11 KfH

  1. BGH GRUR 1991, 848 – Rheu­ma­lind II[]
  2. OLG Dres­den, Urteil vom 10.05.2011 – 14 U 94/​11; OLG Naum­burg, Urteil vom 29.05.2009 – 10 U 56/​08[]
  3. vgl. OLG Dres­den a.a.O.; OLG Naum­burg a.a.O.; OLG Ham­burg, GRUR-RR 2004, 88; LG Mün­chen, Urteil vom 11.02.2010 – 4 HK O 19942/​08; LG Cott­bus, Urteil vom 23.02.201 – 11 O 48/​09; LG Aschaf­fen­burg, Urteil vom 20.05.2010 – 1 HK O 64/​09; LG Bie­le­feld, Urteil vom 09.11.2007 – 11 O 19/​07; LG Bie­le­feld, Urteil vom 28.04.2009 – 15 O 221/​08; LG Stutt­gart, Urteil vom 09.07.2010 – 31 O 175/​09 KfH; Born­kamm in Köhler/​Bornkamm, a.a.O. § 5 Rn. 3.26 und 4.183[]
  4. vgl. Pei­fer in Fezer, UWG, 2. Aufl., § 5 Rn. 484; LG Bie­le­feld a.a.O.[]
  5. vgl. auch LG Mün­chen I, Urteil vom 31.07.2008 – 4 HK O 23600/​04, das auf­grund die­ses Gut­ach­tens ergan­gen ist[]