Mar­ken­recht – und die Goog­le-Anzei­gen mit Links auf Pro­duk­te von Dritt­an­bie­tern

Ein Mar­ken­in­ha­ber kann sich der Ver­wen­dung sei­ner Mar­ke in einer Anzei­ge nach einer Goog­le-Suche wider­set­zen, wenn die Anzei­ge auf­grund der kon­kre­ten Gestal­tung irre­füh­rend ist und Kun­din­nen und Kun­den durch die auf die­se Wei­se aus­ge­beu­te­te Wer­be­wir­kung der Mar­ke (auch) zum Ange­bot von Fremd­pro­duk­ten gelei­tet wer­den.

Mar­ken­recht – und die Goog­le-Anzei­gen mit Links auf Pro­duk­te von Dritt­an­bie­tern

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof auf die Kla­ge einer Her­stel­le­rin was­ser­dich­ter Taschen und Trans­port­be­häl­ter, die sie unter der Bezeich­nung Ort­lieb ver­mark­tet. Sie ist Inha­be­rin einer aus­schließ­li­chen Lizenz an der deut­schen Wort­mar­ke "ORTLIEB", die u.a. Schutz für Taschen für Sport und Frei­zeit bean­sprucht. Die Beklag­ten sind Gesell­schaf­ten des Ama­zon-Kon­zerns. Die Beklag­te zu 1 ist für den tech­ni­schen Betrieb der Inter­net­sei­te www.amazon.de ver­ant­wort­lich. Die Beklag­te zu 2 ist Ver­käu­fe­rin auf die­ser Inter­net­sei­te und tritt unter dem Ver­käu­fer­na­men "Ama­zon" auf.

Die Her­stel­le­rin wen­det sich dage­gen, dass bei Ein­ga­be der Such­be­grif­fe "Ort­lieb Fahr­rad­ta­sche", "Ort­lieb Gepäck­ta­sche" und "Ort­lieb Out­let" in die Goog­le-Such­funk­ti­on von den Beklag­ten gebuch­te Anzei­gen erschie­nen, die die Wör­ter "Ort­lieb Fahr­rad­ta­sche", "Ort­lieb Fahr­rad­ta­sche Zube­hör", "Len­ker­ta­sche Fahr­rad Ort­lieb" und "Ort­lieb Gepäck­ta­schen" ent­hiel­ten und mit Ange­bots­lis­ten auf www.amazon.de ver­linkt waren, die neben Ort­lieb-Pro­duk­ten auch Pro­duk­te ande­rer Her­stel­ler zeig­ten. Die Her­stel­le­rin bie­tet ihre Pro­duk­te nicht über die Platt­form "amazon.de" an. Sie sieht in den mit gemisch­ten Ange­bots­lis­ten ver­link­ten Anzei­gen eine Ver­let­zung des Rechts an der Mar­ke "ORTLIEB" und nimmt die Beklag­ten auf Unter­las­sung und Erstat­tung vor­ge­richt­li­cher Kos­ten in Anspruch.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Mün­chen I hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der bei­den Ama­zon-Gesell­schaf­ten ist vor dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen über­wie­gend erfolg­los geblie­ben 2. Das Ober­lan­des­ge­richt hat ange­nom­men, der Her­stel­le­rin ste­he gegen die Beklag­ten gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 5 Mar­kenG ein Unter­las­sungs­an­spruch zu. Die Beklag­te zu 1 habe das Zei­chen "ORTLIEB" benutzt. Die her­kunfts­hin­wei­sen­de Funk­ti­on der Mar­ke wer­de durch die Prä­sen­ta­ti­on von Pro­duk­ten ande­rer Her­stel­ler als "Tref­fer" zu den erwar­te­ten Ange­bo­ten von Ort­lieb-Pro­duk­ten beein­träch­tigt. Erschöp­fung gemäß § 24 Abs. 1 Mar­kenG sei nur ein­ge­tre­ten, soweit die Anzei­gen sich auf Ort­lieb-Pro­duk­te bezö­gen. Die Beklag­te zu 2 haf­te gemäß § 14 Abs. 7 Mar­kenG für die von der Beklag­ten zu 1 began­ge­ne Mar­ken­rechts­ver­let­zung.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt die Revi­si­on der bei­den Ama­zon-Gesell­schaf­ten zurück­ge­wie­sen; das Ober­lan­des­ge­richt habe im Ergeb­nis mit Recht ange­nom­men, dass die Her­stel­le­rin den Beklag­ten die Ver­wen­dung der Mar­ke "ORTLIEB" in den bean­stan­de­ten Anzei­gen unter­sa­gen kann, weil die kon­kre­te Nut­zung irre­füh­rend ist:

Grund­sätz­lich steht aller­dings der Umstand, dass ein Händ­ler neben Pro­duk­ten des Mar­ken­her­stel­lers auch Kon­kur­renz­pro­duk­te anbie­tet, einer Ver­wen­dung der Mar­ke in der Wer­bung für die­ses Pro­dukt­sor­ti­ment nicht ent­ge­gen, sofern die berech­tig­ten Inter­es­sen des Mar­ken­in­ha­bers gewahrt blei­ben. Wird eine Mar­ke in Anzei­gen nach einer Goog­le-Suche auf­grund der kon­kre­ten Gestal­tung der Anzei­ge aber irre­füh­rend ver­wen­det, so dass Kun­den durch die auf die­se Wei­se aus­ge­beu­te­te Wer­be­wir­kung der Mar­ke (auch) zum Ange­bot von Fremd­pro­duk­ten gelei­tet wer­den, kann sich der Mar­ken­in­ha­ber die­ser Ver­wen­dung der Mar­ke wider­set­zen.

So lag der Fall in dem vom Bun­des­ge­richts­hof jetzt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren: Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts, die revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den waren, erwar­tet der Ver­kehr, dass ihm beim Ankli­cken der streit­ge­gen­ständ­li­chen Anzei­gen Ange­bo­te der dort bewor­be­nen Pro­duk­te – unter ande­rem Fahr­rad­ta­schen, Len­ker­ta­schen und Gepäck­ta­schen – von Ort­lieb gezeigt wer­den. Die Gestal­tung der Anzei­gen gibt dem Ver­kehr kei­ner­lei Ver­an­las­sung anzu­neh­men, ihm wer­de eine Ange­bots­über­sicht prä­sen­tiert, in der ohne geson­der­te Kennt­lich­ma­chung neben Ort­lieb-Pro­duk­ten gleich­ran­gig Ange­bo­te ande­rer Her­stel­ler ent­hal­ten sind. Die ver­kürz­ten Adres­sen der Inter­net­sei­ten unter dem Text der Anzei­gen – z.B. www.amazon.de/ortlieb+fahrradtasche – sug­ge­riert viel­mehr, dass die­ser Link zu einer Zusam­men­stel­lung von Ange­bo­ten auf der Web­sei­te www.amazon.de führt, die die genann­ten Kri­te­ri­en erfül­len, mit­hin (allein) zu Pro­duk­ten der Mar­ke Ort­lieb. Da Kun­din­nen und Kun­den nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts mit spe­zi­fisch zur Anzei­ge pas­sen­den Ange­bo­ten rech­nen, tat­säch­lich aber zu Ange­bots­lis­ten geführt wer­den, die auch Fremd­pro­duk­te ent­hal­ten, wird die Kla­ge­mar­ke in den strei­ti­gen Anzei­gen irre­füh­rend ver­wen­det. Die­ser Ver­wen­dung der Mar­ke kann sich die Her­stel­le­rin wider­set­zen.

Die Beklag­te zu 2 haf­tet gemäß § 14 Abs. 7 Mar­kenG für die von der Beklag­ten zu 1 began­ge­ne Mar­ken­rechts­ver­let­zung, soweit sie auf den mit den irre­füh­ren­den Anzei­gen ver­link­ten Inter­net­sei­ten selbst Fremd­pro­duk­te anbie­tet.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Juli 2019 – I ZR 29/​18

  1. LG Mün­chen I, Urteil vom 12.01.2017 – 17 HK O 22589/​15[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 11.01.2018 – 29 U 486/​17, GRUR-RR 2018, 151[]