Bös­gläu­bi­ge Mar­ken­an­mel­dung

Den aus einer Mar­ke her­ge­lei­te­ten Ansprü­chen kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs im Wege der Ein­re­de ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass auf Sei­ten des Mar­ken­in­ha­bers Umstän­de vor­lie­gen, die die Gel­tend­ma­chung des mar­ken­recht­li­chen Schut­zes als eine wett­be­werbs­wid­ri­ge Behin­de­rung im Sin­ne von §§ 3, 4 Nr. 10 UWG erschei­nen las­sen [1]. Das ist der Fall, wenn die Kla­ge­mar­ke bös­gläu­big im Sin­ne von § 8 Abs. 2 Nr. 10 Mar­kenG ange­mel­det wor­den ist.

Bös­gläu­bi­ge Mar­ken­an­mel­dung

Der Begriff der Bös­gläu­big­keit ist umfas­send unter Berück­sich­ti­gung aller im Ein­zel­fall erheb­li­chen Fak­to­ren zu beur­tei­len. Maß­geb­lich ist die Absicht des Anmel­ders zum Zeit­punkt der Anmel­dung, die anhand der objek­ti­ven Umstän­de zu bestim­men ist [2].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine Mar­ken­an­mel­dung bös­gläu­big im Sin­ne von § 8 Abs. 2 Nr. 10 Mar­kenG, wenn der Anmel­der das ange­mel­de­te Zei­chen nicht als Mar­ke, das heißt als Her­kunfts­hin­weis, benut­zen, son­dern die for­ma­le Rechts­stel­lung als Inha­ber eines Kenn­zei­chen­rechts ledig­lich zum Zwe­cke der rechts­miss­bräuch­li­chen oder sit­ten­wid­ri­gen Behin­de­rung Drit­ter ein­set­zen will [3].

Aller­dings kann für die Beur­tei­lung der Bös­gläu­big­keit des Mar­ken­in­ha­bers des­sen Inter­es­se zu berück­sich­ti­gen sein, einen wei­ter­rei­chen­den recht­li­chen Schutz sei­nes Zei­chens sicher­zu­stel­len, wenn es sich dabei im Zeit­punkt der Anmel­dung um ein bekann­tes Zei­chen han­delt [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2015 – I ZR 105/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.02.2005 – I ZR 45/​03, GRUR 2005, 414, 417 = WRP 2005, 610 – Rus­si­sches Schaum­ge­bäck; Urteil vom 26.06.2008 – I ZR 190/​05, GRUR 2008, 917 Rn.19 = WRP 2008, 1319 EROS[]
  2. vgl. zu Art. 51 Abs. 1 Buchst. b GMV aF: EuGH, Urteil vom 11.06.2009 – C‑529/​07, Slg. 2009, I‑4893 = GRUR 2009, 763 Rn. 37 ff., 53 Lindt & Sprüngli/​Franz Haus­wirth; zu Art. 4 Abs. 4 Buchst. g Mar­kenRL: EuGH, Urteil vom 27.06.2013 – C‑320/​12, GRUR 2013, 919 Rn. 36 f. = WRP 2013, 1166 Malay­sia Dai­ry Indus­tries; BGH, Beschluss vom 02.04.2009 – I ZB 8/​06, GRUR 2009, 780 Rn. 18 = WRP 2009, 820 – Iva­dal[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, GRUR 2009, 780 Rn. 11 und 19 – Iva­dal, mwN[]
  4. vgl. EuGH, GRUR 2009, 763 Rn. 51 f. – Lindt & Sprüngli/​Franz Haus­wirth[]