Meh­re­re Wider­sprü­che gegen eine Mar­ken­ein­tra­gung

Ist Wider­spruch gegen eine Mar­ken­ein­tra­gung aus meh­re­ren Zei­chen erho­ben, jedoch nur eine Wider­spruchs­ge­bühr inner­halb der Wider­spruchs­frist ein­ge­zahlt wor­den, so kann der Wider­spre­chen­de nach Ablauf der Wider­spruchs­frist noch klar­stel­len, auf wel­chen Wider­spruch sich die Gebüh­ren­zah­lung bezieht.

Meh­re­re Wider­sprü­che gegen eine Mar­ken­ein­tra­gung

Die Rechts­wirk­sam­keit des Wider­spruchs ist eine Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung, die in jedem Ver­fah­rens­sta­di­um von Amts wegen zu prü­fen ist 1. Nach § 65 Abs. 1 Nr. 4 Mar­kenG in Ver­bin­dung mit § 30 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenV muss der Wider­spruch Anga­ben ent­hal­ten, die es ermög­li­chen, die Iden­ti­tät der ange­grif­fe­nen Mar­ke, des Wider­spruchs­zei­chens sowie des Wider­spre­chen­den fest­zu­stel­len. Die Bestim­mung des § 29 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenV sieht vor, dass für jede Mar­ke oder geschäft­li­che Bezeich­nung, auf­grund derer gegen die Ein­tra­gung einer Mar­ke Wider­spruch erho­ben wird, ein geson­der­ter Wider­spruch erfor­der­lich ist; meh­re­re Wider­sprü­che kön­nen in einem Wider­spruchs­schrift­satz zusam­men­ge­fasst wer­den (§ 29 Abs. 1 Satz 2 Mar­kenV). Nach § 2 Pat­KostG in Ver­bin­dung mit Anla­ge zu § 2 Pat­KostG Nr. 331 600 ist für jeden Wider­spruch eine Wider­spruchs­ge­bühr in Höhe von 120 € zu ent­rich­ten. Wird die Wider­spruchs­ge­bühr nicht, nicht voll­stän­dig oder nicht recht­zei­tig gezahlt, so gilt der Wider­spruch als nicht vor­ge­nom­men (§ 6 Abs. 1 und 2 Pat­KostG in Ver­bin­dung mit § 64a Mar­kenG). Ist bei Wider­spruchs­er­he­bung aus meh­re­ren Zei­chen nur eine Wider­spruchs­ge­bühr frist­ge­recht ein­ge­zahlt wor­den, so kann der Wider­spre­chen­de nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nach Ablauf der Frist zur Gebüh­ren­ein­zah­lung klar­stel­len, für wel­chen Wider­spruch die Gebüh­ren­ein­zah­lung bestimmt ist 2.

Die­se for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen sind im Streit­fall erfüllt. Die Wider­spruchs­mar­ke ist bereits im Wider­spruch benannt wor­den. Auf Nach­fra­ge des Deut­schen Patentund Mar­ken­amts hat die Wider­spre­chen­de wei­ter erklärt, dass die Zah­lung der Wider­spruchs­ge­bühr sich auf den Wider­spruch aus der Mar­ke DE 30 2009 044 186 bezo­gen hat. Der Umstand, dass die­se Klar­stel­lung nach Ablauf der Wider­spruchs­frist erfolgt ist, steht der Wirk­sam­keit des Wider­spruchs nicht ent­ge­gen.

Dabei bestehen kei­ne durch­grei­fen­den Beden­ken dage­gen, an der Recht­spre­chung zur Zuläs­sig­keit der nach­träg­li­chen Zah­lungs­be­stim­mung fest­zu­hal­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Beschluss vom 30.11.1973 3 aus­ge­führt, dass nach den Bestim­mun­gen über die Form des Wider­spruchs im Waren­zei­chen­ein­tra­gungs­ver­fah­ren (WZWids­prBest) vom 03.06.1954 4 in der Fas­sung der Ände­rung durch die Ver­ord­nung vom 20.04.1967 5 bei der Gebüh­ren­ein­zah­lung neben der Anga­be des Akten­zei­chens und des Namens des Anmel­ders des ange­grif­fe­nen Zei­chens als Ver­wen­dungs­zweck ledig­lich die Anga­be "Wider­spruchs­ge­bühr" habe erfol­gen müs­sen. Die Anga­be des Wider­spruchs­zei­chens sei dage­gen bei der Gebüh­ren­ein­zah­lung nicht ver­langt wor­den, obwohl in § 1 die­ser Bestim­mun­gen der Fall einer Wider­spruchs­er­he­bung aus meh­re­ren Zei­chen des­sel­ben Inha­bers gese­hen wor­den sei. Dann aber erschei­ne es ange­mes­sen, bei nach­träg­li­cher Bestim­mung die Zah­lung der Wider­spruchs­ge­bühr nicht als nach § 5 Abs. 5 Satz 2 WZG – der Vor­läu­fer­be­stim­mung des heu­ti­gen § 6 Abs. 2 Pat­KostG – unwirk­sam anzu­se­hen 2.

An die­sen Grund­sät­zen hat sich auch auf der Grund­la­ge der jetzt gül­ti­gen Bestim­mun­gen nichts geän­dert. Schon nach § 3 Nr. 3 und 4 WZWids­prBest war sei­ner­zeit die Nen­nung der Rol­len­num­mer des Wider­spruchs­zei­chens sowie die Bei­fü­gung des Worts, aus dem das Wider­spruchs­zei­chen bestand, oder sei­ner bild­li­chen Dar­stel­lung erfor­der­lich. Es muss­te also das Wider­spruchs­zei­chen eben­so wie jetzt nach § 30 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenV – in der Wider­spruchs­schrift iden­ti­fi­ziert wer­den. Dass die Anga­ben nach § 30 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenV inner­halb der Wider­spruchs­frist zu erfol­gen haben und nicht mehr nach­ge­holt wer­den kön­nen 6, besagt über die Zuläs­sig­keit einer Nach­ho­lung der Zah­lungs­be­stim­mung nichts. Eben­so­we­nig wie sei­ner­zeit in § 4 WZWids­prBest bestehen nach dem gegen­wär­tig gel­ten­den Recht Vor­schrif­ten, die bei der Gebüh­ren­zah­lung zwin­gend die Anga­be des Wider­spruchs­kenn­zei­chens – etwa durch Anga­be der Regis­ter­num­mer – vor­se­hen.

Es ist nicht anzu­neh­men, die­se Pra­xis füh­re zu Gerech­tig­keits­de­zi­fi­zi­ten, weil die Gefahr ber­steht, dass in nen­nens­wer­tem Umfang Wider­spre­chen­de in mani­pu­la­ti­ver oder miss­bräuch­li­cher Wei­se nach­träg­lich eine Bestim­mung vor­neh­men, um auf der Grund­la­ge zwi­schen­zeit­lich gewon­ne­ner Erkennt­nis­se die Erfolgs­aus­sich­ten des Wider­spruchs­ver­fah­rens zu stei­gern 7.

Auch lässt sich mit der Rege­lung des § 25 Nr. 21 Mar­kenV in Ver­bin­dung mit § 45 Mar­kenG eine Unzu­läs­sig­keit der nach­träg­li­chen Zah­lungs­be­stim­mung nicht begrün­den. Nach § 25 Nr. 21 Mar­kenV ist im Regis­ter ein Ein­trag vor­zu­neh­men, wenn bis zum Ablauf der Wider­spruchs­frist kein Wider­spruch erho­ben wor­den ist. Die Rechts­be­schwer­de meint zwar, bei feh­len­der Klar­heit über die Zah­lungs­be­stim­mung lie­ge kein wirk­sa­mer Wider­spruch vor, so dass eine sol­che Ein­tra­gung vor­zu­neh­men sei, die im Fal­le einer nach­träg­li­chen Zah­lungs­be­stim­mung nicht mehr kor­ri­giert wer­den kön­ne, da es sich nicht um eine offen­sicht­li­che Unrich­tig­keit im Sin­ne des § 45 Mar­kenG han­de­le. Das trifft nicht zu. Die zunächst unter­blie­be­ne Zah­lungs­be­stim­mung führt nicht zur Unwirk­sam­keit des Wider­spruchs. Der Wider­spre­chen­de kann die erfor­der­li­che Bestim­mung, für wel­chen Wider­spruch die Gebühr ein­ge­zahlt ist, noch nach­ho­len 8. Die Regis­ter­ein­tra­gung nach § 25 Nr. 21 Mar­kenV ist nicht vor­zu­neh­men.

Der Zweck der Rege­lung des § 64a Mar­kenG in Ver­bin­dung mit § 6 Abs. 2 Pat­KostG, das Deut­sche Patentund Mar­ken­amt vor will­kür­lich erho­be­nen Wider­sprü­chen zu schüt­zen, erfor­dert die Anwen­dung der dar­in vor­ge­se­he­nen Unwirk­sam­keits­fol­ge bei nach­träg­li­cher Zah­lungs­be­stim­mung nicht 9, weil eine Wider­spruchs­ge­bühr gezahlt ist und die erfor­der­li­che Bestim­mung ohne wei­te­res nach­ge­holt wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – I ZB 56/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 02.03.1973 – I ZB 11/​72, GRUR 1973, 605 – Angi­net­ten; Beschluss vom 30.11.1973 – I ZB 14/​72, GRUR 1974, 279 – ERBA; Fezer, Mar­ken­recht, 4. Aufl., § 42 Mar­kenG Rn. 28[]
  2. BGH, GRUR 1974, 279 – ERBA[][]
  3. GRUR 1974, 279 ERBA[]
  4. BlP­MZ 1953, 237[]
  5. BlP­MZ 1967, 201[]
  6. Kir­schneck in Ströbele/​Hacker, Mar­ken­ge­setz, 11. Aufl., § 42 Rn. 43; v. Gamm in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 3. Aufl., § 42 Mar­kenG Rn. 16[]
  7. aA Bös­ling, GRUR 2012, 570, 574 f.[]
  8. BGH, GRUR 1974, 279 f. ERBA[]
  9. vgl. BGH, GRUR 1974, 279, 280 – ERBA[]