Mar­ken­rechts­ver­let­zung durch die Fir­ma einer GmbH

Der Geschäfts­füh­rer einer GmbH haf­tet regel­mä­ßig für eine Mar­ken­ver­let­zung auch per­sön­lich, die in der Ver­wen­dung der Fir­ma der juris­ti­schen Per­son liegt.

Mar­ken­rechts­ver­let­zung durch die Fir­ma einer GmbH

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­ge­richts­hofs wird eine Mar­ke nicht im Sin­ne von Art. 5 Abs. 1 Mar­ken­RL „für Waren oder Dienst­leis­tun­gen“ benutzt, wenn das ange­grif­fe­ne Zei­chen aus­schließ­lich als Unter­neh­mens­be­zeich­nung – also aus­schließ­lich fir­men­mä­ßig – ver­wen­det wird 1. Die Benut­zung eines Unter­neh­mens­kenn­zei­chens ist aller­dings zugleich eine mar­ken­mä­ßi­ge Benut­zung, wenn die Her­kunfts­funk­ti­on der Kla­ge­mar­ke beein­träch­tigt wird oder beein­träch­tigt wer­den kann. Das ist der Fall, wenn die Ver­wen­dung des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens – etwa durch sei­ne Anbrin­gung auf den Waren oder durch sei­ne Ver­wen­dung in der Wer­bung für die Waren oder Dienst­leis­tun­gen bei­spiels­wei­se in Kata­lo­gen oder im Rah­men eines Inter­net­auf­tritts – den Ver­kehr zu der Annah­me ver­an­lasst, dass eine Ver­bin­dung zwi­schen dem ange­grif­fe­nen Unter­neh­mens­kenn­zei­chen und den Waren oder Dienst­leis­tun­gen besteht, die der Drit­te ver­treibt 2.

Für eine mög­li­che Kenn­zei­chen­ver­let­zung haf­tet neben der GmbH auch der Geschäfts­füh­rer der GmbH als deren Geschäfts­füh­rer, wenn er Kennt­nis von den Kenn­zei­chen­ver­let­zun­gen hat­te und sie nicht ver­hin­dert hat 3. Dies gilt auch im Hin­blick auf die Unter­las­sungs­pflicht bezo­gen auf die kon­kre­te Ver­let­zungs­form. Auch wenn der Geschäfts­füh­rer die Fir­mie­rung nicht selbst ändern kann, trifft ihn – unter­stellt es liegt eine Kenn­zei­chen­ver­let­zung vor – die Pflicht, die rechts­ver­let­zen­de Benut­zung der bean­stan­de­ten Bezeich­nung zu unter­las­sen. Soweit dies erfor­der­lich ist, hat er auf eine Ände­rung der Fir­mie­rung durch Ände­rung des Gesell­schafts­ver­trags hin­zu­wir­ken (§ 3 Abs. 1 Nr. 1, § 53 Abs. 1 GmbHG).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. April 2012 – I ZR 86/​10

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 21.11.2002 – C‑23/​01, Slg. 2002, I‑10913 = GRUR 2003, 143 Rn. 27 ff. – Robeco/​Robelco; Urteil vom 16.11.2004 – C245/​02, Slg. 2004, I‑10989 = GRUR 2005, 153 Rn. 64 – Anheu­ser-Busch I; Urteil vom 11.09.2007 – C‑17/​06, Slg. 2007, I‑7041 = GRUR 2007, 971 Rn. 21 – Céli­ne; BGH, Urteil vom 13.09.2007 – I ZR 33/​05, GRUR 2008, 254 Rn. 22 = WRP 2008, 236 – THE HOME STORE; BGH, GRUR 2011, 1140 Rn. 17 – Schaum­stoff Lüb­ke[]
  2. vgl. EuGH, GRUR 2007, 971 Rn. 16 und 23 – Céli­ne; BGH, Urteil vom 18.12.2008 – I ZR 200/​06, GRUR 2009, 772 Rn. 48 = WRP 2009, 971 – Augs­bur­ger Pup­pen­kis­te; Urteil vom 14.05.2009 – I ZR 231/​06, GRUR 2009, 1055 Rn. 59 = WRP 2009, 1533 – airdsl; BGH, GRUR 2011, 1140 Rn. 17 – Schaum­stoff Lüb­ke[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 26.09.1985 – I ZR 86/​83, GRUR 1986, 248, 250 f. – Sport­ho­sen; Urteil vom 22.04.2009 – I ZR 216/​06, GRUR 2009, 845 Rn. 47 = WRP 2009, 1001 – Inter­net­Vi­deo­re­cor­der; BGH, GRUR 2011, 1043 Rn. 70 – TÜV II[]