Mar­ken­ver­let­zun­gen – und die Pri­vat­ver­käu­fe auf eBay

Den Tat­be­stand einer Mar­ken­ver­let­zung gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG und Art. 9 Abs. 1 Satz 2 Buchst. a GMV erfül­len nur sol­che Hand­lun­gen, die ohne Zustim­mung des Inha­bers der Mar­ke im geschäft­li­chen Ver­kehr vor­ge­nom­men wer­den. Von einem Han­deln im geschäft­li­chen Ver­kehr ist nicht schon dann aus­zu­ge­hen, wenn eine Ware, etwa über das Inter­net, einer Viel­zahl von Per­so­nen zum Kauf ange­bo­ten wird, mag dies auch mit dem Ziel gesche­hen, einen mög­lichst hohen Ver­kaufs­preis zu erzie­len 1. Da auch bei einem Ange­bot im pri­va­ten Bereich regel­mä­ßig ein mög­lichst hoher Ver­kaufs­preis erzielt wer­den soll, wür­den alle Fall­ge­stal­tun­gen dem Bereich des Han­delns im geschäft­li­chen Ver­kehr zuge­ord­net, in denen ein Pri­va­ter einen ein­zel­nen Gegen­stand einer unbe­stimm­ten Anzahl von Per­so­nen zum Kauf anbie­tet. Dies wür­de zu einer ufer­lo­sen Aus­deh­nung des Han­delns im geschäft­li­chen Ver­kehr füh­ren und typi­scher­wei­se dem pri­va­ten Bereich zuzu­ord­nen­de Ver­hal­tens­wei­sen umfas­sen. Eine Benut­zung im geschäft­li­chen Ver­kehr liegt vor, wenn die Benut­zung im Zusam­men­hang mit einer auf einen wirt­schaft­li­chen Vor­teil gerich­te­ten kom­mer­zi­el­len Tätig­keit und nicht im pri­va­ten Bereich erfolgt 2. Der Ver­kauf von dem Pri­vat­be­reich zuzu­rech­nen­den Erzeug­nis­sen fin­det dage­gen grund­sätz­lich nicht im geschäft­li­chen Ver­kehr statt 3.

Mar­ken­ver­let­zun­gen – und die Pri­vat­ver­käu­fe auf eBay

Aller­dings bie­ten auch Pri­vat­ver­käu­fer auf der Inter­net­platt­form "eBay" unter den Kla­ge­mar­ken Kin­der­hoch­stüh­le an, bei denen es sich nicht um Ori­gi­nal-Tripp-Trapp-Stüh­le der Klä­ge­rin han­delt. Der von der Klä­ge­rin ver­folg­te, weit gefass­te Kla­ge­an­trag zu a hat jedoch gene­rell zum Ziel, es der Beklag­ten zu unter­sa­gen, dass auf ihrer Inter­net­platt­form unter den Kla­ge­mar­ken Kin­der­hoch­stüh­le ange­bo­ten wer­den, bei denen es sich nicht um den Ori­gi­nal-Tripp-Trapp-Stuhl der Klä­ge­rin han­delt. Der Kla­ge­an­trag erfasst damit auch sol­che Ver­hal­tens­wei­sen, die kei­ne Mar­ken­rechts­ver­let­zung dar­stel­len. Ein sol­cher zu weit gefass­ter Unter­las­sungs­an­trag ist unbe­grün­det 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Febru­ar 2015 – I ZR 240/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 19.04.2007 – I ZR 35/​04, BGHZ 172, 119 Rn. 23 Inter­net-Ver­stei­ge­rung II; Urteil vom 30.04.2008 – I ZR 73/​05, GRUR 2008, 702 Rn. 41 = WRP 2008, 1104 Inter­net-Ver­stei­ge­rung III[]
  2. BGH, GRUR 2008, 702 Rn. 43 Inter­net-Ver­stei­ge­rung III; BGH, Urteil vom 13.12 2012 – I ZR 217/​10, GRUR 2013, 290 Rn. 16 = WRP 2013, 505 MOST-Pra­li­nen[]
  3. BGH, Urteil vom 22.04.1993 – I ZR 75/​91, GRUR 1993, 761, 762 = WRP 1993, 619 Mak­ler-Pri­vat­an­ge­bot[]
  4. BGH, Urteil vom 29.03.2007 – I ZR 164/​04, GRUR 2007, 987 Rn. 22 = WRP 2007, 1341 – Ände­rung der Vor­ein­stel­lung I[]