Mar­ken­wer­bung an der frei­en Auto­werk­statt

Ein Auto­mo­bil­her­stel­ler kann es einer mar­ken­un­ab­hän­gi­gen Repa­ra­tur­werk­statt auf­grund sei­nes Mar­ken­rechts unter­sa­gen, mit der Bild­mar­ke des Her­stel­lers für die ange­bo­te­nen Repa­ra­tur- und War­tungs­ar­bei­ten zu wer­ben. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem von VW ange­streng­tem Rechts­streit gegen eine ATU, eine mar­ken­un­ab­hän­gi­ge Werk­statt-Ket­te:

Mar­ken­wer­bung an der frei­en Auto­werk­statt

Die Klä­ge­rin, die Volks­wa­gen AG, ist Inha­be­rin der für Kraft­fahr­zeu­ge und deren War­tung ein­ge­tra­ge­nen Bild­mar­ke, die das VW-Zei­chen in einem Kreis wie­der­gibt. Sie wen­det sich dage­gen, dass die Beklag­ten, ATU Auto-Tei­le-Unger Han­dels GmbH & Co. KG, die meh­re­re hun­dert mar­ken­un­ab­hän­gi­ge Repa­ra­tur­werk­stät­ten betreibt, in der Wer­bung für die Inspek­ti­on von VW-Fahr­zeu­gen die Bild­mar­ke der Klä­ge­rin ver­wen­det.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Unter­las­sungs­kla­ge befass­te Land­ge­richt Ham­burg [1] wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg [2] haben der beklag­ten ATU die Ver­wen­dung der Bild­mar­ke ver­bo­ten. Und auch die Revi­si­on von ATU blieb jetzt vor dem Bun­des­ge­richts­hof ohne Erfolg, der Bun­des­ge­richts­hof bejah­te eine Ver­let­zung der ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke der Klä­ge­rin:

Die Beklag­te hat mit der in ihrer Wer­bung für Inspek­ti­ons­ar­bei­ten an VW-Fahr­zeu­gen ange­führ­ten Bild­mar­ke der Klä­ge­rin ein mit der Kla­ge­mar­ke iden­ti­sches Zei­chen für iden­ti­sche Dienst­leis­tun­gen (War­tung von Fahr­zeu­gen) ver­wen­det. Dadurch hat die Beklag­te die Wer­be­funk­ti­on der Kla­ge­mar­ke beein­träch­tigt. Mit der Ver­wen­dung des bekann­ten Bild­zei­chens der Klä­ge­rin ist ein Image­trans­fer ver­bun­den, der die Kla­ge­mar­ke schwächt.

Das Mar­ken­recht sieht aller­dings vor, dass der Mar­ken­in­ha­ber einem Drit­ten die Ver­wen­dung der Mar­ke als not­wen­di­gen Hin­weis auf den Gegen­stand der Dienst­leis­tun­gen des Drit­ten nicht ver­bie­ten kann, solan­ge die Benut­zung nicht gegen die anstän­di­gen Gepflo­gen­hei­ten in Gewer­be und Han­del ver­stößt. Im Streit­fall sind die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Schutz­rechts­schran­ke indes­sen nicht erfüllt, weil die Beklag­te zur Beschrei­bung des Gegen­stands der von ihr ange­bo­te­nen Dienst­leis­tun­gen ohne wei­te­res auf die Wort­zei­chen „VW“ oder „Volks­wa­gen“ zurück­grei­fen kann und nicht auf die Ver­wen­dung des Bild­zei­chens ange­wie­sen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. April 2011 – I ZR 33/​10

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 21.02.2008 – 315 O 768/​07[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 16.12.2009 – 5 U 47/​08[]