Mein eige­ner Schorn­stein­fe­ger

Haus­ei­gen­tü­mer sol­len sich in Zukunft ihren Schorn­stein­fe­ger weit­ge­hend selbst aus­su­chen kön­nen. Dar­auf zielt ein Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens ab, den der Bun­des­tag über­mor­gen in ers­ter Lesung bera­ten wird. Der Ent­wurf geht auf Vor­ga­ben der EU-Kom­mis­si­on zurück, die wegen des bis­he­ri­gen Schorn­stein­fe­ger­ge­set­zes ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die Bun­des­re­pu­blik eröff­net hat­te.

Mein eige­ner Schorn­stein­fe­ger

Bean­stan­det hat­te Brüs­sel dar­in vor allem, dass die Aus­übung des Hand­werks auf nur einen Schorn­stein­fe­ger­meis­ter pro Bezirk beschränkt ist und die­ser außer­halb sei­nes Kehr­be­zirks nicht tätig wer­den darf. Künf­tig sol­len nun alle Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten, die kei­ne Kon­trol­len beinhal­ten, im Wett­be­werb ange­bo­ten wer­den. Zur Rei­ni­gung und Über­prü­fung sind danach nur Betrie­be berech­tigt, die mit dem Schorn­stein­fe­ger­hand­werk in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­gen sind oder Dienst­leis­tun­gen in die­sem Hand­werk aus­füh­ren dür­fen. Wer in Deutsch­land als Schorn­stein­fe­ger tätig wer­den will, soll in ein Regis­ter ein­ge­tra­gen wer­den, das beim Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le geführt wird.

Die bis­he­ri­gen Kehr­be­zir­ke will die Regie­rung bei­be­hal­ten. Aus Grün­den der Betriebs- und Brand­si­cher­heit sowie des Umwelt- und Kli­ma­schut­zes müs­se wei­ter­hin kon­trol­liert wer­den, ob die Eigen­tü­mer ihre Pflich­ten erfüllt haben, heißt es. Die Bezir­ke sol­len über ein “objek­ti­ves, trans­pa­ren­tes und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­es Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren” jeweils befris­tet für sie­ben Jah­re an einen Bezirks­be­voll­mäch­tig­ten ver­ge­ben wer­den. Über die Ver­ga­be ent­schei­det die zustän­di­ge Behör­de. EU-Wett­be­wer­ber, die an der Aus­schrei­bung von Bezir­ken teil­neh­men, erhal­ten Chan­cen­gleich­heit, heißt es. Das Ver­bot von Neben­tä­tig­kei­ten will die Regie­rung auf­he­ben, sodass die Schorn­stein­fe­ger auch Tätig­kei­ten anbie­ten kön­nen, die nicht zu ihrem klas­si­schen Auf­ga­ben­be­reich gehö­ren, etwa die Ener­gie­be­ra­tung.

Als Über­gangs­re­ge­lung ist vor­ge­se­hen, dass bereits bestell­te Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter bis Ende 2014 in die­sem Bezirk blei­ben, ohne an einer Aus­schrei­bung teil­neh­men zu müs­sen. Die grenz­über­schrei­ten­de Dienst­leis­tungs­frei­heit soll dage­gen sofort ein­ge­führt wer­den. Im Übri­gen blei­be der Tätig­keits­be­reich des Bezirks­chorn­stein­fe­ger­meis­ters nach altem Recht bis Ende 2012 erhal­ten. Danach wer­de aus dem Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter ein für zwei Jah­re bestell­ter Bezirks­be­voll­mäch­tig­ter. Bezir­ke, die ab 2010 frei wer­den, sol­len nach dem neu­en Recht aus­ge­schrie­ben und für sie­ben Jah­re ver­ge­ben wer­den.

Der Bun­des­rat hat in sei­ner Stel­lung­nah­me 19 Ände­rungs­vor­schlä­ge und Prüf­bit­ten vor­ge­bracht. Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zu Las­ten ande­rer Hand­wer­ke müss­ten in der Über­gangs­zeit so gering wie mög­lich gehal­ten wer­den, betont die Län­der­kam­mer. Sie bit­tet die Regie­rung, die Aus­wir­kun­gen des Geset­zes auf ande­re Hand­wer­ke in die­ser Zeit zu über­prü­fen. Auf die Bezeich­nung “Bezirks­be­voll­mäch­tig­ter” sol­le ver­zich­tet wer­den, weil die Umbe­nen­nung unnö­ti­ge Büro­kra­tie­kos­ten ver­ur­sa­che.

Die Bun­des­re­gie­rung erklärt sich in ihrer Gegen­äu­ße­rung dazu bereit, die Aus­wir­kun­gen des Geset­zes wäh­rend der Über­gangs­zeit auf ande­re Hand­wer­ke zu über­prü­fen. Sie will jedoch an den unter­schied­li­chen Begrif­fen Bezirks­schorn­stein­fe­ger und Bezirks­be­voll­mäch­tig­ter fest­hal­ten, weil es sonst in der Über­gangs­zeit von 2010 bis 2012 Ver­wechs­lun­gen geben könn­te. Die Kun­den soll­ten unpro­ble­ma­tisch erken­nen kön­nen, ob jemand Meis­ter nach altem Recht ist oder ob bereits das neue Recht ange­wen­det wird, heißt es zur Begrün­dung. Den übri­gen Vor­schlä­gen des Bun­des­ra­tes stimmt die Regie­rung nur zum Teil zu.