Min­dest­ho­no­rar­un­ter­schrei­tung bei Online-Aus­schrei­bung von Archi­tek­ten­leis­tun­gen

Die berufs­recht­li­chen Bestim­mun­gen über Min­dest­prei­se sind Vor­schrif­ten, denen eine auf die Lau­ter­keit des Wett­be­werbs bezo­ge­ne Schutz­funk­ti­on zukommt. Bei der­ar­ti­gen Min­dest­preis­vor­schrif­ten han­delt es sich daher um Markt­ver­hal­tens­re­geln im Sin­ne des § 4 Nr.11 UWG; ihre Ver­let­zung ist wett­be­werbs­wid­rig 1. Gera­de die hier in Rede ste­hen­de Vor­schrift des § 4 HOAI aF, nach der die Min­dest­sät­ze der HOAI durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung (nur) in Aus­nah­me­fäl­len unter­schrit­ten wer­den dür­fen, weist eine wett­be­werbs­be­zo­ge­ne Schutz­funk­ti­on auf. Sie soll einen rui­nö­sen Preis­wett­be­werb zwi­schen Archi­tek­ten und Inge­nieu­ren ver­hin­dern und glei­che recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die auf dem frag­li­chen Markt täti­gen Wett­be­wer­ber schaf­fen 2. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 26. Sep­tem­ber 2005 3. Denn dort war es ledig­lich um den Fall gegan­gen, dass die Min­dest­ho­no­rar­gren­zen der HOAI (ledig­lich) durch die Ver­gü­tung in Gestalt einer Auf­wands­ent­schä­di­gung unter­schrit­ten wor­den waren, die für die Archi­tek­ten­leis­tun­gen im Rah­men eines Archi­tek­ten­wett­be­werbs gezahlt wor­den war, so dass nicht die Gefahr eines rui­nö­sen Preis­wett­be­werbs zwi­schen Archi­tek­ten bestand. Hier hin­ge­gen han­delt es sich gera­de um ein Ange­bot im Preis­kampf.

Min­dest­ho­no­rar­un­ter­schrei­tung bei Online-Aus­schrei­bung von Archi­tek­ten­leis­tun­gen

In dem hier vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall hat­te der beklag­te Archi­tekt auf die streit­ge­gen­ständ­li­che Aus­schrei­bung auf der Inter­net­sei­te my-hammer.de ein Gebot zu einem Hono­rar abge­ge­ben, das (min­des­tens) um etwa ein Drit­tel unter dem Min­dest­satz liegt, der nach der durch­schnitt­li­chen Hono­rar­zo­ne III der HOAI vor­ge­schrie­ben ist. Gegen die Unter­las­sungs­kla­ge ver­tei­dig­te er sich damit, dass die von den Bau­her­ren in der streit­ge­gen­ständ­li­chen Aus­schrei­bung vor­ge­ge­be­ne Bau­sum­me sich nicht bewahr­hei­tet haben wür­de, son­dern unter­schrit­ten wor­den wäre, wes­halb auch die Gebo­te für die Durch­füh­rung der Archi­tek­ten­leis­tun­gen nied­ri­ger hät­ten aus­fal­len dür­fen; ohne eine – unstrei­tig nicht durch­ge­führ­te – fun­dier­te Kos­ten­schät­zung kön­ne es kei­ne Unter­schrei­tung der Min­dest­sät­ze der HOAI geben.

Die­ses Argu­ment ver­moch­te das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt aller­dings nicht zu über­zeu­gen, denn die Vor­ga­be der streit­ge­gen­ständ­li­chen Aus­schrei­bung war gera­de, dass von einer der­ar­ti­gen Bau­sum­me aus­zu­ge­hen sei, so dass es den Teil­neh­mern ver­wehrt war, ihre Gebo­te auf der Grund­la­ge einer ande­ren Bau­sum­me abzu­ge­ben, zumal die­se für die Beklag­te auf­grund der all­ge­mein gehal­te­nen Anga­ben in der Aus­schrei­bung tat­säch­lich auch gar nicht ver­läss­lich ein­zu­schät­zen war. Das Gebot der Beklag­ten erfolg­te zudem ohne jeg­li­chen Hin­weis auf die­se (behaup­te­te) eigen­mäch­ti­ge Ver­än­de­rung der Para­me­ter, so dass es für die Bau­her­ren wie auch die Mit­bie­ter den Anschein haben muss­te, dass die Beklag­te bei ihrem Gebot von der vor­ge­ge­be­nen Bau­sum­me aus­ge­gan­gen sei. Genau die Ver­hin­de­rung eines der­ar­ti­gen „Unter­bie­tungs­wett­be­werbs“ ist einer der Zwe­cke der Vor­schrif­ten der HOAI.

Auch der Hin­weis auf die unstrei­ti­ge Tat­sa­chen, dass ande­re Bie­ter im Rah­men der streit­ge­gen­ständ­li­chen Aus­schrei­bung noch gerin­ge­re Hono­ra­re gebo­ten hat­ten und dass sich kei­nes der abge­ge­be­nen Ange­bo­te inner­halb des Rah­mens der Hono­rar­sät­ze der HOAI gehal­ten hat­te, ver­fängt nicht; die­ses – gege­be­nen­falls eben­falls wett­be­werbs­wid­ri­ge – Ver­hal­ten von Mit­be­wer­bern recht­fer­tigt nicht das wett­be­werbs­wid­ri­ge Ver­hal­ten der Beklag­ten.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 27. Okto­ber 2010 – 5 U 178/​08

  1. BGH GRUR 2006, 955 [Tz.11] – Gebüh­ren­ver­ein­ba­rung II[]
  2. BGH GRUR 2003, 969, 970 – Aus­schrei­bung von Ver­mes­sungs­leis­tun­gen[]
  3. BVerfG NJW 2006, 495[]