Min­dest­satz­un­ter­schrei­tung in der Archi­tek­ten­rech­nung

Eine Min­dest­satz­un­ter­schrei­tung liegt vor, wenn das für die ver­trag­li­chen Leis­tun­gen ins­ge­samt ver­ein­bar­te Hono­rar unter­halb des nach den Min­dest­sät­zen der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re ermit­tel­ten Hono­rars liegt. Eine iso­lier­te Prü­fung, ob ein­zel­ne in der Hono­rar­ord­nung vor­ge­se­he­ne Abrech­nungs­ein­hei­ten unter­halb der Min­dest­sät­ze hono­riert wer­den, ist nicht zuläs­sig.

Min­dest­satz­un­ter­schrei­tung in der Archi­tek­ten­rech­nung

Nach § 4 Abs. 1 HOAI rich­tet sich das Hono­rar nach der schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung, die die Ver­trags­par­tei­en bei Auf­trags­er­tei­lung im Rah­men der durch die Ver­ord­nung fest­ge­setz­ten Min­dest- und Höchst­sät­ze tref­fen. Unter­schrei­tet das schrift­lich ver­ein­bar­te Hono­rar das nach den Min­dest­sät­zen berech­ne­te Hono­rar, so ist die Hono­rar­ver­ein­ba­rung unwirk­sam, wenn nicht ein Aus­nah­me­fall gemäß § 4 Abs. 2 HOAI vor­liegt. Der Auf­trag­neh­mer kann dann grund­sätz­lich das nach den Min­dest­sät­zen berech­ne­te Hono­rar ver­lan­gen, § 4 Abs. 4 HOAI. Ob eine Hono­rar­ver­ein­ba­rung nach § 4 Abs. 1 HOAI unwirk­sam ist, wird durch einen Ver­gleich des für einen Auf­trag ver­ein­bar­ten Hono­rars mit dem sich aus der Hono­rar­ord­nung erge­ben­den Hono­rar ermit­telt.

Maß­ge­bend ist allein das Ergeb­nis die­ses Ver­gleichs. Liegt das für einen Auf­trag bei Auf­trags­er­tei­lung schrift­lich ver­ein­bar­te Hono­rar in dem Rah­men, der sich unter Zugrun­de­le­gung der Min­dest- und Höchst­sät­ze aus der Hono­rar­ord­nung ergibt, so ist die Ver­ein­ba­rung auch dann wirk­sam, wenn von den Hono­rar­be­mes­sungs­grund­la­gen der HOAI abge­wi­chen wird oder die­se ganz außer Kraft gesetzt wer­den 1.

Kommt es danach für den Hono­rar­ver­gleich nicht dar­auf an, wie sich das Hono­rar nach der Hono­rar­ord­nung im Ein­zel­nen zusam­men­setzt, so ist es auch nicht zuläs­sig, den Ver­gleich auf ein­zel­ne Hono­rar­be­stand­tei­le zu redu­zie­ren und nur inso­weit die Prü­fung vor­zu­neh­men, ob ein nach der Hono­rar­ord­nung zu berech­nen­des Teil­ho­no­rar für bestimm­te Leis­tun­gen die Min­dest­sät­ze unter­schrei­tet.

Die preis­recht­li­che Ein­tei­lung der gesam­ten Ver­trags­leis­tung in meh­re­re Abrech­nungs­ein­hei­ten ist ein allein der Hono­rar­ord­nung zuzu­ord­nen­der Berech­nungs­mo­dus. Er ist nicht der Maß­stab für die Prü­fung, ob das Hono­rar für einen Auf­trag wirk­sam ver­ein­bart wor­den ist. Denn die Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re hat nicht den Zweck, ein Min­dest­ho­no­rar für ein­zel­ne Teil­leis­tun­gen zu garan­tie­ren. Sie soll gewähr­leis­ten, dass der Archi­tekt kei­nem rui­nö­sen Preis­wett­be­werb aus­ge­setzt ist und für die beauf­trag­ten Leis­tun­gen ins­ge­samt ein aus­kömm­li­ches Hono­rar erhält 2. Die­sem Zweck ist Genü­ge getan, wenn die für den Gesamt­auf­trag ver­ein­bar­te Ver­gü­tung die­je­ni­ge Ver­gü­tung nicht unter­schrei­tet, die sich aus dem Berech­nungs­mo­dell der Hono­rar­ord­nung unter Zugrun­de­le­gung der Min­dest­sät­ze ergibt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Febru­ar 2012 – VII ZR 31/​11

  1. BGH, Urteil vom 17.04.2009 – VII ZR 164/​07, BGHZ 180, 235 Rn. 24 m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfGE 58, 283, 291; BVerfG, BauR 2005, 1946, 1948; BGH, Urteil vom 27.10.2011 VII ZR 163/​10, BauR 2012, 271 Rn. 18[]