Mindestvergütung bei Urheberrechtsverletzung

Eine Mindestvergütung ist zum Schutz der Urheber vor einer mög­li­chen Entwertung ihrer Rechte nicht nur dann erfor­der­lich, wenn mit einer wirt­schaft­li­chen Nutzung ihrer Werke kei­ne geld­wer­ten Vorteile erzielt wer­den, son­dern auch dann, wenn damit nur so gering­fü­gi­ge geld­wer­te Vorteile erzielt wer­den, dass eine pro­zen­tua­le Beteiligung am Erlös des Verwerters unzu­rei­chend wäre 1.

Mindestvergütung bei Urheberrechtsverletzung

Eine Mindestvergütung darf aller­dings nicht so hoch sein, dass die sich aus dem Beteiligungsgrundsatz erge­ben­den Erfordernisse zu Lasten des Verwerters in einem unan­ge­mes­se­nen Verhältnis über­schrit­ten wer­den. Hiervon kann aber nicht allein des­halb aus­ge­gan­gen wer­den, weil die Mindestvergütung den vom Verwerter mit der Verwertung des Werkes erziel­ten Erlös zu einem erheb­li­chen Teil auf­zehrt 2.

Wer die Rechte eines Urhebers ver­letzt, kann sich nicht damit ent­las­ten, die Verwertungsgesellschaft habe ihm nach § 10 UrhWG die Auskunft erteilt, sie neh­me die Rechte die­ses Urhebers nicht wahr, wenn er damit rech­nen muss­te, dass die Rechte vom Urheber selbst oder von einem Dritten wahr­ge­nom­men wer­den.

Erteilt eine Verwertungsgesellschaft einem Auskunftsberechtigten die unzu­tref­fen­de Auskunft, sie neh­me die Rechte eines bestimm­ten Urhebers nicht wahr, kann dies zwar zu Schadensersatzansprüchen des Auskunftsberechtigten gegen die Verwertungsgesellschaft (§ 280 Abs. 1 Satz 1 BGB), nicht aber zu einem Wegfall der von der Verwertungsgesellschaft wahr­ge­nom­me­nen Rechte des Urhebers füh­ren.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 25. Oktober 2012 – I ZR 162/​11

  1. Fortführung von BGH, Urteil vom 18.05.1955 – I ZR 8/​54, BGHZ 17, 266 – Grundig-Reporter; Urteil vom 28.10.1987 – I ZR 164/​85, GRUR 1988, 373 – Schallplattenimport III; Urteil vom 01.12.2010 I ZR 70/​09, GRUR 2011, 720 = WRP 2011, 1076 – Multimediashow; Urteil vom 27.10.2011 – I ZR 125/​10, GRUR 2012, 711 = WRP 2012, 945 – Barmen Live; Urteil vom 27.10.2011 – I ZR 175/​10, GRUR 2012, 715 = WRP 2012, 950 – Bochumer Weihnachtsmarkt
  2. Fortführung von BGH, GRUR 1988, 373 – Schallplattenimport III; Urteil vom 29.01.2004 – I ZR 135/​00, GRUR 2004, 669 = WRP 2004, 1057 – Musikmehrkanaldienst; GRUR 2011, 720 – Multimediashow; GRUR 2012, 711 – Barmen Live; GRUR 2012, 715 – Bochumer Weihnachtsmarkt