Mund­spül­lö­sung: Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel oder kos­me­ti­sches Mit­tel

Eine Mund­spül­lö­sung mit Chlor­he­xi­din in einer Kon­zen­tra­ti­on von 0,12 % ist ein Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel im Sin­ne des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes und damit zulas­sungs­pflich­tig.

Mund­spül­lö­sung: Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel oder kos­me­ti­sches Mit­tel

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer in Brühl ansäs­si­gen Klä­ge­rin einen wett­be­werbs­recht­li­cher Unter­las­sungs­an­spruch zuge­stan­den, mit dem die­se einem kon­kur­rie­ren­den Unter­neh­men den Ver­trieb einer Mund­spül­lö­sung ohne arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Zulas­sung unter­sa­gen las­sen woll­te. Die Klä­ge­rin bringt Mund­spül­lö­sun­gen als zuge­las­se­ne Arz­nei­mit­tel in den Ver­kehr. Die mit ihr kon­kur­rie­ren­de, in Krif­tel ansäs­si­ge Beklag­te ver­treibt eine Mund­spül­lö­sung mit Chlor­he­xi­din in einer Kon­zen­tra­ti­on von 0,12 % als kos­me­ti­sches Mit­tel ohne arz­nei­mit­tel­recht­li­che Zulas­sung. Mit der Begrün­dung, dass die Mund­spül­lö­sung der Beklag­ten ein zulas­sungs­pflich­ti­ges Arz­nei­mit­tel sei, hat die Klä­ge­rin von der Beklag­ten ver­langt, die Bewer­bung und den Ver­kauf ihres Pro­dukts bis zur Ertei­lung einer arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Zulas­sung zu unter­las­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ver­hal­te sich die Beklag­te unlau­ter, weil sie ein als Arz­nei­mit­tel ein­zu­stu­fen­des Pro­dukt ver­trei­be, für das die not­wen­di­ge arz­nei­mit­tel­recht­li­che Zulas­sung nicht erteilt sei. Die von der Beklag­ten ver­trie­be­ne Mund­spül­lö­sung sei ein Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel im Sin­ne des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes und damit zulas­sungs­pflich­tig. Es han­de­le sich nicht ledig­lich um ein Pro­dukt im Sin­ne der Kos­me­tik­ver­ord­nung.

Funk­ti­ons­arz­nei­mit­tel sei­en u.a. Stoff­zu­sam­men­set­zun­gen, die im mensch­li­chen Kör­per ver­wen­det wür­den, um natür­li­che Lebens­vor­gän­ge im Orga­nis­mus durch eine phar­ma­ko­lo­gi­sche Wir­kung zu beein­flus­sen. Die­se Eigen­schaf­ten wei­se die Mund­spül­lö­sung der Beklag­ten auf. Das in ihr in einer Kon­zen­tra­ti­on von 0,12 % ent­hal­te­ne Chlor­he­xi­din ent­fal­te eine phar­ma­ko­lo­gi­sche, weil anti­bak­te­ri­el­le Wir­kung in der Mund­höh­le. Es ver­blei­be dort an der Ober­flä­che von Mund­schleim­haut und Zäh­nen und mache in der Mund­höh­le vor­han­de­ne Bak­te­ri­en unschäd­lich. Die­se phar­ma­ko­lo­gi­sche Wir­kung sei geeig­net, natür­li­che Lebens­vor­gän­ge im mensch­li­chen Orga­nis­mus nen­nens­wert zu beein­flus­sen. Durch die Redu­zie­rung von Kei­men in der Mund­höh­le wür­den in Fol­ge bak­te­ri­ell beding­te Ent­zün­dun­gen des Zahn­fleisches gelin­dert. Eine sol­che Wir­kung kön­ne allein mit­hil­fe mecha­ni­scher Mund­hy­gie­ne wie dem Zäh­ne­put­zen oder kos­me­ti­scher Mit­tel nicht erzielt wer­den. Letzt­lich bestrei­te die Beklag­te die­se Wir­kung auch gar nicht, die ihr Pro­dukt im Inter­net ursprüng­lich selbst als "medi­zi­ni­sche Mund­spül­lö­sung" bewor­ben habe.

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Dort­mund bestä­tigt und der Klä­ge­rin einen wett­be­werbs­recht­li­chen Unter­las­sungs­an­spruch zuge­stan­den.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 5. Dezem­ber 203 – 4 U 70/​13