Nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­ben in der Wer­bung

Wird ein Pro­dukt damit bewor­ben, dass es "über 7.000 Vital­stof­fe" ent­hält, han­delt es sich um nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­ben, die nach Art. 8 der Euro­päi­schen Health Claim VO (HCVO), VO (EG) Nr. 1924/​2006 nur gemacht wer­den dür­fen, wenn sie im Anhang der HCVO auf­ge­führt sind und den dort auf­ge­führ­ten Bedin­gun­gen ent­spre­chen. Der nähr­wert­be­zo­ge­ne Begriff "Vital­stof­fe" ist in der Anla­ge zur HCVO nicht auf­ge­führt und darf des­we­gen nicht ver­wen­det wer­den.

Nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­ben in der Wer­bung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Unter­las­sungs­an­spruch, den bereits das Land­ge­richt Essen in ers­ter Instanz bejaht hat­te, gegen den Ver­trei­ber eines Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tels bestä­tigt. Die in Essen ansäs­si­ge Beklag­te ver­treibt über das Inter­net "Ori­gi­nal Spi­ru­let­ten mit Gers­ten­gras" als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel. Die­se bewarb sie u.a. mit den Aus­sa­gen, dass das Pro­dukt "über 7.000 Vital­stof­fe" ent­hal­te und dass das Gers­ten­gras "das vital­stoff­reichs­te Lebens­mit­tel der Welt" sei. Die­se Wer­bung bean­stan­de­te der kla­gen­de Ver­band als unzu­tref­fend und damit irre­füh­rend und hat die Beklag­te auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ver­stie­ßen die streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­be­aus­sa­gen gegen Art. 8 der Euro­päi­schen Health Claim VO (HCVO), VO (EG) Nr. 1924/​2006. Nach die­ser Bestim­mung dürf­ten nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­ben nur gemacht wer­den, wenn sie im Anhang der HCVO auf­ge­führt sei­en und den in der HCVO fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen ent­sprä­chen. Die­sen Vor­aus­set­zun­gen genüg­ten die bean­stan­de­ten Wer­be­aus­sa­gen nicht.

Die Wer­be­aus­sa­gen ent­hiel­ten nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­ben. Als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel sei­en die "Ori­gi­nal Spi­ru­let­ten mit Gers­ten­gras" Lebens­mit­tel im Sin­ne der HCVO. Die Anga­be, die­se Spi­ru­let­ten ent­hiel­ten "so vie­le Vital­stof­fe", sei nähr­wert­be­zo­gen, sie wei­se dem Pro­dukt beson­de­re posi­ti­ve Nähr­wert­ei­gen­schaf­ten zu. Unter Vital­stof­fen ver­ste­he man alle vom mensch­li­chen Kör­per benö­tig­ten bzw. der Gesund­heit des Orga­nis­mus för­der­li­chen Sub­stan­zen, u.a. Bal­last­stof­fe, Vit­ami­ne, Mine­ral­stof­fe und Enzy­me. Aus­ge­nom­men sei­en nur Nähr­stof­fe, die der direk­ten Ener­gie­zu­fuhr die­nen.

Die bean­stan­de­te nähr­wert­be­zo­ge­ne Wer­bung der Beklag­ten sei gem. Art. 8 Abs. 1 HCVO unzu­läs­sig. Der nähr­wert­be­zo­ge­ne Begriff "Vital­stof­fe" sei in der Anla­ge zur HCVO nicht auf­ge­führt und dür­fe des­we­gen nicht ver­wandt wer­den. Er sei unspe­zi­fisch und für den wis­sen­schaft­li­chen Gebrauch unge­eig­net, weil er eine gro­ße Anzahl ver­schie­de­ner Sub­stan­zen mit unter­schied­li­chen Wirk­me­cha­nis­men zusam­men­fas­se. Außer­dem ent­spre­che die Wer­bung nicht den in der HCVO fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen. So habe die Beklag­te bereits nicht vor­ge­tra­gen, dass die in den Spi­ru­let­ten ent­hal­te­nen und als Vital­stof­fe bezeich­ne­ten Sub­stan­zen in einer für den Kör­per ver­füg­ba­ren Form vor­lä­gen, was gem. Art. 5 Abs. 1 HCVO erfor­der­lich sei. Zudem fehl­ten die gem. Art. 6 Abs. 1 HCVO not­wen­di­gen wis­sen­schaft­li­chen Nach­wei­se zu den nähr­wert- und gesund­heits­be­zo­ge­nen Anga­ben der bean­stan­de­ten Wer­bung.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 30. April 2013 – 4 U 149/​12