Neu­be­stel­lung eines Notars oder Ver­le­gung eines Amts­sit­zes?

Die Ent­schei­dung der Jus­tiz­ver­wa­lung, eine frei­ge­wor­de­ne Notar­stel­le nicht durch Ver­le­gung des Amts­sit­zes eines bereits bestell­ten Notars, son­dern durch Neu­be­stel­lung eines Notars zu beset­zen, ist gericht­lich nur beschränkt über­prüf­bar. In die­sem – der eigent­li­chen Aus­wahl­ent­schei­dung unter meh­re­ren Bewer­bern "vor­ge­la­ger­ten" – Bereich kommt der Jus­tiz­ver­wal­tung im Rah­men ihrer Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ein wei­ter, in ers­ter Linie an den Belan­gen einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge aus­ge­rich­te­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum zu (vgl. § 4 Satz 2, § 10 Abs. 1 Satz 3 BNo­tO) 1. Dem­entspre­chend liegt es grund­sätz­lich im Rah­men des der Jus­tiz­ver­wal­tung ein­ge­räum­ten Beur­tei­lungs­spiel­raums, Amts­sitz­ver­le­gun­gen eines Notars abzu­leh­nen, wenn durch die Sitz­ver­le­gung die kon­kre­te Gefahr einer nach­hal­ti­gen erheb­li­chen Beein­träch­ti­gung der Leis­tungs­fä­hig­keit der Alt­stel­le bestün­de.

Neu­be­stel­lung eines Notars oder Ver­le­gung eines Amts­sit­zes?

Denn dies könn­te zu einer Beein­träch­ti­gung der ange­mes­se­nen Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit nota­ri­el­len Leis­tun­gen am bis­he­ri­gen Amts­sitz des Bewer­bers ins­be­son­de­re des­halb füh­ren, weil wegen der zu befürch­ten­den Aus­höh­lung der Alt­stel­le geeig­ne­te Inter­es­sen­ten davon abge­hal­ten wer­den kön­nen, sich auf die frei wer­den­de Stel­le zu bewer­ben. Um die kon­kre­te Gefahr einer nach­hal­ti­gen erheb­li­chen Min­de­rung der Leis­tungs­fä­hig­keit der Alt­stel­le zu beja­hen, bedarf es einer auf die Umstän­de des Ein­zel­falls bezo­ge­nen und durch Tat­sa­chen hin­rei­chend beleg­ten Pro­gno­se 2.

Die Pro­gno­se der Jus­tiz­ver­wal­tung im hier ent­schie­de­nen Fall beruht dabei nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auf einer Wür­di­gung sämt­li­cher Umstän­de des vor­lie­gen­den Fal­les und ist durch Tat­sa­chen hin­rei­chend belegt. Rechts­feh­ler­frei hat die Jus­tiz­ver­wal­tung zum einen dar­auf abge­stellt, dass sowohl die Stel­le des Klä­gers als auch die frei­ge­wor­de­ne Notar­stel­le im sel­ben Amts­be­reich gele­gen sind und zwi­schen ihnen nur eine gerin­ge Ent­fer­nung (10 km Luft­li­nie, 13 km mit dem Kfz) liegt, die auch mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln in kur­zer Zeit zurück­zu­le­gen ist. Bei die­ser Sach­la­ge begeg­net die Annah­me des Beklag­ten kei­nen durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken, ange­sichts der zuneh­men­den Mobi­li­tät der Bevöl­ke­rung sei zu erwar­ten, dass ein nicht gerin­ger Teil der Kli­en­tel mit dem Notar von Düs­sel­dorf-Ben­rath nach Düs­sel­dorf-Innen­stadt "abwan­dern" wer­de. Der Beklag­te hat dar­über hin­aus in recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se dar­auf abge­stellt, dass es sich bei der Notar­stel­le, die der Notar jetzt inne­hat, um eine unter­durch­schnitt­li­che Stel­le han­delt, so dass schon das Mit­wan­dern eines ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Teils der Kli­en­tel einen deut­li­chen Ein­bruch des Urkund­s­auf­kom­mens bei die­ser Notar­stel­le nach sich zie­hen wür­de. Die Jus­tiz­ver­wal­tung hat im hier ent­schie­de­nen Fall auch die Mög­lich­keit einer Ein­zie­hung der der­zei­ti­gen Notar­stel­le des Notars geprüft und im Hin­blick auf den Bedarf von 1,36 Nota­ren bei zwei Stel­len rechts­feh­ler­frei ver­neint.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Juli 2012 – NotZ (Brfg) 17/​11

  1. BGH, Beschlüs­se vom 18.07.2011 – NotZ(Brfg) 1/​11, ZNotP 2011, 394 Rn. 13 f.; vom 24.07.2006 – NotZ 1/​06, ZNotP 2006, 390, 391 und vom 14.07.2003 – NotZ 47/​02, ZNotP 2003, 470[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.07.2006 – NotZ 1/​06, ZNotP 2006, 390[]