Neue Regeln beim Ver­brau­cher­kre­dit

Bei Kre­dit­ver­trä­gen mit Ver­brau­chern gel­ten seit dem 11. Juni neue recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen. Die­se betref­fen zum einen die sowohl bei der Wer­bung für Ver­brau­cher­kre­di­te wie auch beim Ver­trags­schluss erfor­der­li­chen Infor­ma­ti­ons­an­ga­ben, zum ande­ren die Wider­rufs- und Rück­ga­be­rech­te des Ver­brau­chers. Das "Ge­setz zur Um­set­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie, des zi­vil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie sowie zur Neu­ord­nung der Vor­schrif­ten über das Wi­­der­­rufs- und Rück­ga­be­recht" dient ins­be­son­de­re der Umset­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie 1, die bis zum 11. Juni 2010 in deut­sches Recht umge­setzt wer­den muss­te, sowie des zi­vil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­dienst­e­richt­li­nie 2, für die die Umset­zungs­frist bereits am 31. Okto­ber 2009 abge­lau­fen war.

Neue Regeln beim Ver­brau­cher­kre­dit

Infor­ma­ti­on und Ver­trags­er­läu­te­rung:

Ver­brau­cher müs­sen nun bereits vor Abschluss eines Dar­le­hens­ver­tra­ges über die wesent­li­chen Bestand­tei­le des Kre­dits infor­miert wer­den. Hier­durch soll es dem Ver­brau­cher ermög­licht wer­den, ver­schie­de­ne Ange­bo­te zu ver­glei­chen und eine fun­dier­te Ent­schei­dung zu tref­fen. Die Neu­re­ge­lung setzt damit auf den ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten und selb­stän­dig han­deln­den Ver­brau­cher. Sobald sich die Wahl eines bestimm­ten Kre­dits abzeich­net, müs­sen dem Ver­brau­cher zusätz­lich die Haupt­merk­ma­le des Ver­trags erläu­tert wer­den.

Auch die Wer­bung für Dar­le­hens­ver­trä­ge wird stär­ker regle­men­tiert: Wer für den Abschluss von Dar­le­hens­ver­trä­gen wirbt, darf nicht nur eine ein­zi­ge Zahl – wie etwa einen beson­ders nied­ri­gen Zins­satz – her­aus­stel­len, er muss viel­mehr auch die wei­te­ren Kos­ten des Ver­trags ange­ben und die­se Anga­ben mit einem rea­lis­ti­schen Bei­spiel erläu­tern.

Mus­ter für Ver­brau­cher­dar­le­hen:

Nun­mehr gel­ten für unter­schied­li­che Kre­dit­ver­trä­ge jeweils ein­heit­li­che Mus­ter zur Unter­rich­tung der Ver­brau­cher. Anhand die­ser Mus­ter sol­len sämt­li­che Kos­ten des Dar­le­hens erkenn­bar wer­den, so dass unter­schied­li­che Ange­bo­te bes­ser als bis­her mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den kön­nen. Die Mus­ter gel­ten in der gesam­ten Euro­päi­schen Uni­on, so ggfs. auch Ange­bo­te aus dem euro­päi­schen Aus­land ver­gleich­bar sind.

Kün­di­gung

Die Kün­di­gung von Dar­le­hens­ver­trä­gen wird neu gere­gelt. Kün­di­gun­gen durch den Dar­le­hens­ge­ber sind bei unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen nur noch zuläs­sig, wenn eine Kün­di­gungs­frist von min­des­tens zwei Mona­ten ver­ein­bart ist. Ver­brau­cher kön­nen dage­gen einen unbe­fris­te­ten Ver­trag jeder­zeit kün­di­gen, wobei die Kün­di­gungs­frist für den Ver­brau­cher einen Monat nicht über­schrei­ten darf. Bei befris­te­ten Ver­trä­gen, die nicht durch ein Grund­pfand­recht wie eine Grund­schuld oder Hypo­thek gesi­chert sind, dür­fen Ver­brau­cher das Dar­le­hen künf­tig jeder­zeit ganz oder teil­wei­se zurück­zah­len. Ver­langt der Dar­le­hens­ge­ber in einem sol­chen Fall eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung, ist die­se auf höchs­tens ein Pro­zent des vor­zei­tig zurück­ge­zahl­ten Betra­ges beschränkt.

Ande­re Finan­zie­rungs­ge­schäf­te

Die neu­en Rege­lun­gen gel­ten nicht nur für Dar­lehns­ver­trä­ge, von den Neu­re­ge­lun­gen wer­den auch ande­re Finan­zie­rungs­ge­schäf­te erfasst. Sie gel­ten daher außer bei Kre­di­ten zum Bei­spiel auch bei Teil­zah­lungs­ge­schäf­ten und bei Finan­zie­rungs­lea­sing­ver­trä­gen.

Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht

Die bereits bestehen­den Vor­schrif­ten über das Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht wer­den durch das Gesetz eben­falls neu geord­net, ins­be­son­de­re wer­den neue Mus­ter für die Wider­rufs­be­leh­rung ein­ge­führt, so dass Unter­neh­mer, die für ihre Beleh­run­gen über das Wider­rufs- und Rück­ga­be­recht die neu­en Mus­ter ver­wen­den, künf­tig kei­ne wett­be­werbs­recht­li­chen Abmah­nun­gen oder unbe­fris­te­te Wider­rufs- bzw. Rück­ga­be­rech­te mehr sol­len befürch­ten müs­sen. Hier­für wur­den die Mus­ter nun – anders als bei den bis­he­ri­gen Mus­tern – for­mal als Gesetz erlas­sen, um so zu ver­mei­den, dass Gerich­te die Mus­ter zukünf­tig noch­mals als nicht dem Gesetz ent­spre­chend beur­tei­len.

Zudem gel­ten bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten über eine Inter­net­auk­ti­ons­platt­form und sol­chen in einem her­kömm­li­chen Inter­net­shop nun­mehr weit­ge­hend wie­der glei­che Wider­rufs­fris­ten und Wider­rufs­fol­gen.

  1. Richt­li­nie 2008/​48/​EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23. April 2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/​102/​EWG des Rates[]
  2. Richt­li­nie 2007/​64/​EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13. No­vem­ber 2007 über Zah­lungs­diens­te im Bin­nen­markt, zur Än­de­rung der Richt­li­nie 97/​7/​EG, 2002/​65/​EG, 2005/​60/​EG und 2006/​48/​EG sowie zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 97/​5/​EG[]