Not­ar­be­wer­ber und das Punk­te­sys­tem

Dem Bun­des­ge­richts­hof lag jetzt erneut ein Streit um die Bewer­tung der Bewer­ber um die Beset­zung einer Notar­stel­le zur Ent­schei­dung vor. Strit­tig war dabei wie­der­um das Punk­te­sys­tem, kon­kret die Fra­ge, ob allein eine „unge­wöhn­lich hohe Zahl“ von Beur­kun­dun­gen, die der Bewer­ber um die Stel­le eines Anwalts­no­tars in der Zeit unmit­tel­bar vor und wäh­rend des Laufs der Bewer­bungs­frist gefer­tigt hat, Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung zu begrün­den ver­mag, weil der Ver­dacht bestehe, der Bewer­ber habe „die Mög­lich­kei­ten miss­braucht“, die das an die rei­ne Zahl der Nie­der­schrif­ten anknüp­fen­de Punk­te­sys­tem (hier: nach § 6 Abs. 2 Nr. 4 der All­ge­mei­nen Ver­fü­gung über die Ange­le­gen­hei­ten der Nota­rin­nen und der Nota­re in der Fas­sung vom 21. August 2006, SchlHA S. 307) einem Notar­ver­tre­ter bie­te.

Not­ar­be­wer­ber und das Punk­te­sys­tem

Nach der mitt­ler­wei­le gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Notar­se­nats des BGH bestehen unter Berück­sich­ti­gung der Beschlüs­se des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 20. April 2004 [1] und 8. Okto­ber 2004 [2] kei­ne Beden­ken dage­gen, dass die Aus­wahl­ent­schei­dung auf der Grund­la­ge eines Punk­te­sys­tems getrof­fen wird, wie es in § 6 AVNot näher gere­gelt ist [3].

Jedoch mein­te das zuvor mit der Sache befass­te Ober­lan­des­ge­richt Schles­wig, dass nicht ohne wei­te­res auch von der per­sön­li­chen Eig­nung des bes­ser ein­ge­stuf­ten Bewer­bers für das Amt des Anwalts­no­tars habe aus­ge­gan­gen wer­den dür­fen, da aus sei­ner Sicht Anhalts­punk­te dafür vor­han­den sei­en, dass die­ser die Mög­lich­kei­ten „miss­braucht“ hat, die das an die rei­ne Zahl der Nie­der­schrif­ten anknüp­fen­de Punk­te­sys­tem bie­tet. Dazu hat das OLG aus­ge­führt, die per­sön­li­che Eig­nung eines Bewer­bers ste­he dann in Fra­ge, wenn die­ser Beur­kun­dun­gen vor­neh­me, von denen ein bereits bestell­ter Notar bei red­li­cher Amts­füh­rung abse­he. Wäh­rend des Lau­fes der Bewer­bungs­frist sei für den bes­ser ein­ge­stuf­ten Bewer­ber eine unge­wöhn­lich hohe Anzahl von Beur­kun­dun­gen zu ver­zeich­nen, die in einem Anwalts­no­ta­ri­at an einem Tage kaum rea­li­sier­bar erschei­ne und des­halb den Schluss nahe lege, „ein­heit­li­che Vor­gän­ge sei­en gesplit­tet wor­den“, und zwar allein im Hin­blick auf die Bewer­bung um eine Notar­stel­le und nicht aus in der Sache lie­gen­den Grün­den. In einer sol­chen Situa­ti­on sei der Plau­si­bi­li­tät die­ser Zah­len nach­zu­ge­hen, indem die Zahl der Nie­der­schrif­ten im frag­li­chen Zeit­raum mit der jähr­li­chen Zahl der Beur­kun­dun­gen ver­gli­chen wer­de, der Bewer­ber gege­be­nen­falls um Erläu­te­rung gebe­ten wer­de und sich im Anschluss dar­an unter Umstän­den auch inhalt­lich mit den Nie­der­schrif­ten befasst wer­de.

Die­ser Ansicht folg­te der BGH jedoch nicht. Viel­mehr sei als Ergeb­nis des Aus­wahl­ver­fah­rens davon aus­ge­hen, dass der nach dem Punk­te­sys­tem bes­ser ein­ge­stuf­te Bewer­ber im sel­ben Maße als per­sön­lich geeig­net ein­zu­stu­fen ist wie der Antrag­stel­ler.

Wie das Ober­lan­des­ge­richt Schles­wig im Aus­gangs­punkt rich­tig gese­hen hat, sind gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO nur sol­che Bewer­ber zu Nota­ren zu bestel­len, die auch nach ihrer Per­sön­lich­keit für das Amt des Notars geeig­net sind. Von die­ser per­sön­li­chen Eig­nung ist aus­zu­ge­hen, wenn die inne­ren und äuße­ren Eigen­schaf­ten des Bewer­bers, wie sie sich ins­be­son­de­re in sei­nem äuße­ren Ver­hal­ten offen­ba­ren, kei­nen begrün­de­ten Zwei­fel dar­an auf­kom­men las­sen, dass er den Auf­ga­ben und Pflich­ten eines Notars gewis­sen­haft nach­kom­men wer­de. Mit Rück­sicht auf die Bedeu­tung und Schwie­rig­keit der Auf­ga­ben, die der Notar als unab­hän­gi­ger Trä­ger eines öffent­li­chen Amtes auf dem Gebiet der vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge zu erfül­len hat (§ 1 BNo­tO), darf der an die per­sön­li­chen Eigen­schaf­ten des Bewer­bers anzu­le­gen­de Maß­stab nicht zu mil­de sein. Als Trä­ger eines öffent­li­chen Amtes, der auf dem Gebiet der vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge hoheit­li­che Funk­tio­nen wahr­nimmt, ist der Notar in beson­de­rem Maße zur Inte­gri­tät ver­pflich­tet. Die erhöh­ten Anfor­de­run­gen recht­fer­ti­gen sich dar­aus, dass die Leis­tungs­fä­hig­keit der vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge wesent­lich von dem Ver­trau­en der Recht­su­chen­den in die Rechts­pfle­ge­or­ga­ne abhängt und dafür unbe­ding­te Inte­gri­tät der Amts­per­so­nen gefor­dert ist. In dem auf die Beset­zung einer Notar­stel­le gerich­te­ten Ver­wal­tungs­ver­fah­ren besteht zuguns­ten des Bewer­bers kei­ne „Eig­nungs­ver­mu­tung“; viel­mehr ist sei­ne per­sön­li­che Eig­nung für das Notar­amt posi­tiv fest­zu­stel­len. Hat die Jus­tiz­ver­wal­tung begrün­de­te Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung, darf sie ihn nicht oder noch nicht zum Notar bestel­len. Die per­sön­li­che Eig­nung für die­ses Amt ist als unbe­stimm­ter Rechts­be­griff zu qua­li­fi­zie­ren, des­sen Inter­pre­ta­ti­on durch die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung gericht­lich voll über­prüf­bar ist. Der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung ver­bleibt aller­dings bei der Pro­gno­se, ob der Bewer­ber auf­grund sei­ner rich­tig fest­ge­stell­ten und recht­lich zutref­fend bewer­te­ten per­sön­li­chen Umstän­de für das Amt geeig­net ist, ein Beur­tei­lungs­spiel­raum [4].

Beur­tei­lungs­grund­la­ge sind die Erkennt­nis­se, die zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die Bewer­bung zur Ver­fü­gung ste­hen. Kommt es zum Ver­fah­ren nach § 111 BNo­tO, hat das Gericht die per­sön­li­che Eig­nung und damit die Fra­ge, ob bei Frist­ab­lauf an ihr Zwei­fel bestan­den, nach dem Inbe­griff des Ver­hand­lungs­er­geb­nis­ses zu ent­schei­den, wobei selbst­ver­ständ­lich die per­sön­li­che Eig­nung noch im Zeit­punkt der Bestel­lung gege­ben sein muss [5].

Die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung ist jedoch, so der BGH, zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass sich für den sach­lich-recht­li­chen Stich­tag, den Ablauf der Bewer­bungs­frist, begrün­de­te Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung des bes­ser ein­ge­stuf­ten Bewer­bers nicht erge­ben haben; die­se Beur­tei­lung hat auch unter Berück­sich­ti­gung des Ver­hand­lungs­er­geb­nis­ses Bestand. Die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung konn­te allein auf der Grund­la­ge der Bewer­bung, der ihr bei­gefüg­ten Nach­wei­se und der Stel­lung­nah­me der zur Bewer­bung ange­hör­ten zustän­di­gen Notar­kam­mer über die per­sön­li­che Eig­nung des wei­te­ren Betei­lig­ten zu 2 ent­schei­den. Für wei­te­re Erhe­bun­gen bestand kein Erfor­der­nis; die­ses hat sich auch im Lau­fe des gericht­li­chen Ver­fah­rens nicht gezeigt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Schles­wig hegt – wie aus­ge­führt – am Umfang der in das Bewer­bungs­ver­fah­ren ein­ge­brach­ten Beur­kun­dungs­tä­tig­keit jeden­falls grund­sätz­lich kei­ne Zwei­fel, die sich auch für den BGH nicht erge­ben. Das glei­che gilt für die Rich­tig­keit der sei­tens der ver­tre­te­nen Nota­re dar­über aus­ge­stell­ten Beschei­ni­gun­gen. Die Ver­pflich­tung, ge-gen­über der zustän­di­gen Behör­de im Zusam­men­hang mit der Ver­tre­ter-bestel­lung wahr­heits­ge­mä­ße Anga­ben zu machen, trifft ohne­dies den ver­tre­te­nen Notar und nicht sei­nen Ver­tre­ter; ein dienst­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Notars in die­sem Punkt wäre daher in ers­ter Linie ihm und nicht sei­nem Ver­tre­ter anzu­las­ten. Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung des Ver­tre­ters, der sich nach­fol­gend auf eine Stel­len­aus­schrei­bung bewirbt, wären nur dann ange­bracht, wenn er sich selbst im Zusam­men­hang mit der Ver­tre­ter­be­stel­lung oder der Erstel­lung der Urkun­den rechts­miss­bräuch­lich ver­hal­ten hät­te [6], wofür indes nichts ersicht­lich ist.

Der BGH hat es auch gebil­ligt, dass die Urkunds­ge­schäf­te ent­spre­chend ihrer Anzahl, ihrer zeit­li­chen Vor­nah­me und ihrer Bewäl­ti­gung wäh­rend einer Notar­ver­tre­tung von mehr oder weni­ger als zwei Wochen gewich­tet wer­den. Die höhe­re Bewer­tung von Urkunds­ge­schäf­ten, die inner­halb der letz­ten drei Jah­re vor der Bewer­bung vor­ge­nom­men sind, ist ins­be­son­de­re dadurch gerecht­fer­tigt, dass sie den aktu­el­len Anfor­de­run­gen von Recht­spre­chung und Rechts­leh­re ent­spre­chen müs­sen. Die dage­gen – im Rah­men des Kri­te­ri­ums der fach­li­chen Eig­nung – vor­ge­brach­ten Ein­wen­dun­gen hat der Notar­se­nat des BGH nicht gel­ten las­sen, ins­be­son­de­re nicht eine mög­li­che Miss­brauchs­ge­fahr, die dar­in bestehen kann, dass ein­zel­nen Bewer­bern Notar­ver­tre­tun­gen allein zur Ver­bes­se­rung ihrer Erfolgs­chan­cen für eine abseh­ba­re Aus­schrei­bung „zuge­schanzt“ wer­den könn­ten. Er hat dies für eben­so wenig stich­hal­tig erach­tet wie die vom OLG ver­miss­te Ein­be­zie­hung des Arbeits­um­fan­ges der ein­zel­nen Urkunds­ge­schäf­te. Denn ange­sichts des gestaf­fel­ten Punk­te­sys­tems sind bei einer gro­ßen Zahl von Nie­der­schrif­ten „ten­den­zi­ell“ sämt­li­che Schwie­rig­keits­gra­de ver­tre­ten. Rich­tig ist zwar, dass allein der Anzahl der Urkunds­ge­schäf­te nur eine beschränk­te Aus­sa­ge­kraft für die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on eines Bewer­bers zukommt, weil der Lern- und Vor­be­rei­tungs­ef­fekt bei der Beur­kun­dung mit der Zahl der Urkunds­ge­schäf­te abnimmt; über­dies ist mit stei­gen­der Zahl der Urkunds­ge­schäf­te mit einer Wie­der­ho­lung der Art der Beur­kun­dungs­vor­gän­ge zu rech­nen. Es ist fer­ner ohne wei­te­res nach­zu­voll­zie­hen, dass bei Notar­ver­tre­tun­gen von län­ge­rer Dau­er die Bewäl­ti­gung aller – auch schwie­ri­ger – nota­ri­el­ler Tätig­kei­ten abver­langt wird, weil sich die­se nicht bis zur Rück­kehr des Amts­in­ha­bers auf­schie­ben las­sen. Die mit einem gestaf­fel­ten Punk­te­sys­tem ver­bun­de­ne Gene­ra­li­sie­rung und Sche­ma­ti­sie­rung ist indes unver­meid­lich und von den Mit­be­wer­bern hin­zu­neh­men. Eine wei­ter­ge­hen­de ver­glei­chen­de Sich­tung der ein­zel­nen Urkunds­ge­schäf­te nach Vor­be­rei­tung, Aus­ar­bei­tung und Voll­zug hat der BGH der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung aus­drück­lich nicht abver­langt; im Ein­zel­fall auf­tre­ten­des ein­sei­ti­ges Beur­kun­dungs­ver­hal­ten – wie etwa die Beur­kun­dung zahl­rei­cher stan­dar­di­sier­ter Immo­bi­li­en­kauf­ver­trä­ge – ist ange­sichts der gebo­te­nen Sche­ma­ti­sie­rung und Gene­ra­li­sie­rung eben­falls hin­zu­neh­men [7].

Eine ver­glei­chen­de Sich­tung der ein­zel­nen Urkunds­ge­schäf­te aller Bewer­ber nach Vor­be­rei­tung, Aus­ar­bei­tung und Voll­zug über­schrit­te zudem ersicht­lich die Leis­tungs­gren­zen der Jus­tiz­ver­wal­tung und böte – nicht zuletzt ange­sichts nie aus­zu­schlie­ßen­der Hil­fe­stel­lun­gen von drit­ter fach­kun­di­ger Sei­te – gegen­über der in § 6 Abs. 2 Nr. 4 AVNot fest­ge­leg­ten Punk­te­staf­fe­lung nicht ein­mal eine wirk­lich ver­läss­li­che­re Qua­li­fi­zie­rungs­pro­gno­se; ohne­hin ist abso­lu­te Chan­cen­gleich­heit und Sicher­stel­lung der Bes­ten­aus­le­se mit kei­nem Aus­wahl­sys­tem zu garan­tie­ren [8].

Ist die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung mit­hin zu einer Sich­tung und indi­vi­du­el­len Bewer­tung der beur­kun­de­ten Nie­der­schrif­ten prin­zi­pi­ell nicht ver­pflich­tet, um die fach­li­che Eig­nung der kon­kur­rie­ren­den Bewer­ber beur­tei­len zu kön­nen, so müs­sen sich für sie auch bei Prü­fung der per­sön­li­chen Eig­nung aus der Anzahl der beur­kun­de­ten und nach­ge­wie­se­nen Nie­der­schrif­ten allein noch kei­ne Anhalts­punk­te und begrün­de­ten Zwei­fel erge­ben, dass ein Bewer­ber gegen das nota­ri­el­le Red­lich­keits­ge­bot ver­sto­ßen haben könn­te.

Dabei ist es, wovon das Ober­lan­des­ge­richt eben­falls aus­geht, nicht zu bean­stan­den, wenn ein Bewer­ber ver­sucht, um sei­ne Chan­cen im anste­hen­den Aus­wahl­ver­fah­ren zu ver­bes­sern, die Zahl der nach § 6 Abs. 2 Nr. 4 AVNot anzu­er­ken­nen­den Nie­der­schrif­ten zu erhö­hen, indem etwa anste­hen­de Beur­kun­dun­gen auf­ge­scho­ben wer­den, damit sie in der Ver­tre­ter­zeit getä­tigt wer­den kön­nen, oder außer­halb der Ver­tre­ter­zeit Nie­der­schrif­ten bereits vor­be­rei­tet wer­den, wäh­rend die eigent­li­che Beur­kun­dung dann wäh­rend des Ver­tre­tungs­zeit­raums erfolgt. Das Ober­lan­des­ge­richt sieht rich­tig, dass auch sol­che Vor­gän­ge von der degres­si­ven Punk­te­staf­fe­lung berück­sich­tigt und über die­se aus­ge­gli­chen wer­den sol­len.

Die in § 6 Abs. 2 Nr. 4 AVNot ange­leg­te und für die fach­li­che Eig­nung vor­zu­neh­men­de gene­ra­li­sie­ren­de Bewer­tung der gefer­tig­ten Nie­der­schrif­ten, die ins­ge­samt der Ent­las­tung der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung die­nen und Bewer­bungs­ver­fah­ren – gera­de für den Fall einer Viel­zahl von Bewer­bun­gen – prak­ti­ka­bel machen soll, darf über das Kri­te­ri­um der per­sön­li­chen Eig­nung nicht in Fra­ge gestellt wer­den. Ist also im Rah­men der fach­li­chen Eig­nung von einer bestimm­ten Anzahl (tat­säch­lich gefer­tig­ter und nach­ge­wie­se­ner) Nie­der­schrif­ten aus­zu­ge­hen, so hat dies als prak­ti­sche Vor­be­rei­tung auf das ange­streb­te Notar­amt in die Beur­tei­lung der fach­li­chen Eig­nung ein­zu­flie­ßen, für sich gese­hen aber kei­ne Aus­sa­ge­kraft für die sei­tens der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung posi­tiv fest­zu­stel­len­de per­sön­li­che Eig­nung des Bewer­bers.

Statt des­sen hat sich die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung bei Prü­fung der per­sön­li­chen Eig­nung mit der Anzahl der Urkun­den erst und nur dann zu befas­sen, wenn ihr kon­kre­te Ver­stö­ße gegen nota­ri­el­le Pflich­ten bekannt wer­den, die sich im Zusam­men­hang mit den Beur­kun­dun­gen ereig­net haben und geeig­net sind, die per­sön­li­che Eig­nung in Zwei­fel zu zie­hen. Das ist nicht not­we­nig schon dann der Fall, wenn die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung eine hohe Zahl von Beur­kun­dun­gen fest­stellt, sofern die­se grund­sätz­lich damit zu erklä­ren ist, dass ein Bewer­ber bestrebt gewe­sen ist, zusätz­li­che Punk­te zu errei­chen, um sie im Rah­men sei­ner Bewer­bung zum Nach­weis der fach­li­chen Eig­nung ein­brin­gen zu kön­nen. Soll­te die Anzahl der beur­kun­de­ten Nie­der­schrif­ten eine Grö­ßen­ord­nung errei-chen, die es aus zeit­li­chen Grün­den aus­ge­schlos­sen erschei­nen lässt, dass der Bewer­ber die Nie­der­schrif­ten tat­säch­lich beur­kun­det hat, stellt dies zunächst ein­mal die inhalt­li­che Rich­tig­keit der über die Ver­tre­tung aus­ge­stell­ten nota­ri­el­len Beschei­ni­gung in Fra­ge. Dem wäre schon im Rah­men der Prü­fung der fach­li­chen Eig­nung des Bewer­bers nach­zu­ge­hen und kann auf die Fest­stel­lung der per­sön­li­chen Eig­nung allen­falls Ein­fluss neh­men, wenn Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass der Bewer­ber wis­sent­lich unrich­ti­ge Beschei­ni­gun­gen vor­ge­legt und mit dem ver­tre­te­nen Notar in rechts­miss­bräuch­li­cher Wei­se zusam­men­ge­wirkt hat, um sei­ne Aus­sich­ten im Bewer­bungs­ver­fah­ren zu ver­bes­sern.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. April 2009 – NotZ 20/​08

  1. BVerfGE 110, 304[]
  2. BVerfG, NJW 2005, 50[]
  3. vgl. nur BGH, Be-schlüs­se vom 20. Novem­ber 2006 – NotZ 4/​06ZNotP 2007, 109, 110 ff.; vom 26. März 2007 – NotZ 38/​06NJW-RR 2007, 1130, 1131 und NotZ 39/​06ZNotP 2007, 234, 235 f. jeweils Rn. 9 ff.[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 17. Novem­ber 2008 – NotZ 10/​08ZNotP 2009, 29, 30 Rn. 6 ff.; vom 12. Juli 2004 – NotZ 1/​04DNotZ 2005, 146 f.; vom 31. Juli 2000 – NotZ 5/​00DNotZ 2000, 943 f.; vom 10. März 1997 – NotZ 19/​96DNotZ 1997, 891, 893[]
  5. BGH, Beschluss vom 12. Juli 2004 aaO S. 147[]
  6. BGH, Beschluss vom 28. Juli 2008 – NotZ 9/​08 – Rn. 8[]
  7. BGH, Beschluss vom 20. Novem­ber 2006 – NotZ 4/​06ZNotP 2007, 109, 112 Rn. 19[]
  8. BGH, Beschluss vom 26. März 2007 – NotZ 43/​06 – Rn. 16[]