Opel-Spiel­zeug – oder: Der Opel-Blitz als Abbil­dungs­de­tail der Wirk­lich­keit

Der Her­stel­ler eines Kraft­fahr­zeu­ges kann den Ver­trieb von Spiel­zeug­mo­dell­au­tos nicht unter Beru­fung auf sei­ne Mar­ken­rech­te unter­sa­gen, nur weil die Spiel­zeug­mo­dell­au­tos als ver­klei­ner­te Nach­bil­dung sei­nes Ori­gi­nal­fahr­zeugs auch die Mar­ke des Ori­gi­nal­her­stel­lers an der ent­spre­chen­den Stel­le tra­gen. Mit die­sem Urteils­spruch des Bun­des­ge­richts­hofs unter­lag ges­tern der Auto­her­stel­ler Opel im Streit um Mar­ken­ver­let­zung durch Spiel­zeug­au­tos.

Opel-Spiel­zeug – oder: Der Opel-Blitz als Abbil­dungs­de­tail der Wirk­lich­keit

Die Klä­ge­rin in dem ges­tern vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit, die Adam Opel GmbH, ist Inha­be­rin einer für Kraft­fahr­zeu­ge und Spiel­zeug ein­ge­tra­ge­nen Bild­mar­ke, die das Opel-Blitz-Zei­chen wie­der­gibt. Sie wen­det sich gegen den Ver­trieb eines funk­ge­steu­er­ten Spiel­zeug­au­tos der Beklag­ten, das ein ver­klei­ner­tes Abbild eines Opel Astra V8 Cou­pé dar­stellt und am Küh­ler­grill das Opel-Blitz-Zei­chen trägt.

Das erst­in­stanz­lich mit die­sem u.a. auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz gerich­te­tem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth hat zunächst zu der Fra­ge, ob die­se Nach­bil­dung in ver­klei­ner­tem Maß­stab eine unzu­läs­si­ge Mar­ken­be­nut­zung dar­stellt, eine Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ein­ge­holt, der ent­schied, dass es maß­geb­lich auf die von dem vor­le­gen­den Gericht zu tref­fen­de Fest­stel­lung ankom­me, ob die ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se das iden­ti­sche Zei­chen auf den Spiel­zeug­mo­dell­au­tos als Anga­be dar­über ver­stün­den, die­se Modell­au­to stamm­ten von der Klä­ge­rin oder einem mit ihr wirt­schaft­lich ver­bun­de­nen Unter­neh­men [1].

Auf der Grund­la­ge die­ser Vor­ab­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hof hat das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth sodann die Kla­ge abge­wie­sen. Es hat ange­nom­men, der Ver­kehr sehe die auf einem ver­klei­ner­ten Abbild eines gro­ßen Ori­gi­nal­fahr­zeugs an der rich­ti­gen Stel­le ange­brach­te Mar­ke als einen Teil des Modell­fahr­zeugs an und rech­ne sie weder dem Her­stel­ler des Vor­bilds zu noch gehe er von wirt­schaft­li­chen, ins­be­son­de­re lizenz­ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen den Her­stel­lern des Vor­bilds und des Spiel­zeug­mo­dells an [2]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung von Opel hat das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg zurück­ge­wie­sen und die Auf­fas­sung des Land­ge­richts bestä­tigt [3]. Und auch der von Opel ein­ge­leg­ten Revi­si­on blieb jetzt vor dem Bun­des­ge­richts­hof der Erfolg ver­sagt.

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­nein­te eine Ver­let­zung der für Spiel­zeug ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke der Klä­ge­rin. Zwar lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer Mar­ken­ver­let­zung inso­weit vor, als es sich bei der Anbrin­gung des Opel-Blitz-Zei­chens auf dem Spiel­zeug­au­to der Beklag­ten um die Benut­zung eines mit der Kla­ge­mar­ke iden­ti­schen Zei­chens für iden­ti­sche Waren (Spiel­zeug) han­delt. Dadurch wer­den jedoch weder die Haupt­funk­ti­on der Mar­ke, die Ver­brau­cher auf die Her­kunft der Ware (hier: Spiel­zeug­au­to) hin­zu­wei­sen, noch sons­ti­ge Mar­ken­funk­tio­nen beein­träch­tigt, weil die ange­spro­che­nen Ver­brau­cher das Opel-Blitz-Zei­chen auf den Spiel­zeug­au­tos der Beklag­ten nur als – ori­gi­nal­ge­treue – Wie­der­ga­be der Mar­ke ver­ste­hen, die das nach­ge­bil­de­te Auto der Klä­ge­rin an der ent­spre­chen­den Stel­le trägt. Das Opel-Blitz-Zei­chen wird nur als Abbil­dungs­de­tail der Wirk­lich­keit ange­se­hen. Die Ver­brau­cher sehen, so der BGH, dar­in folg­lich kei­nen Hin­weis auf die Her­kunft des Modell­au­tos.

Soweit die Mar­ke der Klä­ge­rin für Kraft­fahr­zeu­ge ein­ge­tra­gen ist, han­delt es sich nicht um ähn­li­che Waren (Spiel­zeug­au­tos und Kraft­fahr­zeu­ge), so dass auch die Annah­me einer Mar­ken­ver­let­zung wegen Begrün­dung einer Ver­wechs­lungs­ge­fahr aus­schei­det. Unter dem Gesichts­punkt des Schut­zes einer – für Kraft­fahr­zeu­ge – bekann­ten Mar­ke ist eine Mar­ken­ver­let­zung gleich­falls zu ver­nei­nen. Inso­weit fehlt es an einer unlau­te­ren Beein­träch­ti­gung oder Aus­nut­zung des Rufs der für Kraft­fahr­zeu­ge ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke der Klä­ge­rin.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2010 – I ZR 88/​08 – Opel-Blitz II

  1. EuGH, Urteil vom 25.01.2007 – C‑48/​05, Slg. 2007, I‑1017 = GRUR 2007, 318 = WRP 2007 – Adam Opel[]
  2. LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 11.05.2007 – 4HK O 4480/​04, WRP 2007, 840[]
  3. OLG Nürn­berg, Urteil vom 29.04.2008 – 3 U 1240/​07, GRUR-RR 2008, 393 = WRP 2008, 1257[]