Ost­deut­sche Tank­stel­len

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Über­nah­me von 59 ost­deut­schen Tank­stel­len der OMV Deutsch­land GmbH (OMV) durch die Total Deutsch­land GmbH (Total) als nicht kar­tell­rechts­wid­rig ein­ge­stuft. Nach Ansicht des Kar­tell­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf besteht kein markt­be­herr­schen­des Oli­go­pol auf dem ost­deut­schem Tank­stel­len­markt.

Ost­deut­sche Tank­stel­len

Das Bun­des­kar­tell­amt hat­te den geplan­ten Zusam­men­schluss am 29.4.2009 unter­sagt: Total bil­de zusam­men mit den Mine­ral­öl­ge­sell­schaf­ten Shell, Aral/​BP, ConocoPhillips/​Jet und ExxonMobil/​Esso auf dem rele­van­ten ost­deut­schen Tank­stel­len­markt ein markt­be­herr­schen­des Oli­go­pol (§ 19 GWG). Total und OMV hat­ten hin­ge­gen unter ande­rem gel­tend gemacht, dass der Zusam­men­schluss nicht der deut­schen Fusi­ons­kon­trol­le unter­lie­ge und im Übri­gen ein wesent­li­cher Innen- und Außen­wett­be­werb bestehe.

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hält die Über­nah­me der Tank­stel­len durch Total für zuläs­sig, weil durch den geplan­ten Zusam­men­schluss kei­ne markt­be­herr­schen­de Stel­lung ver­stärkt oder begrün­det wer­de. Der Markt für Die­sel- und Otto­kraft­stoff sei getrennt zu beur­tei­len, weil bei­de Pro­duk­te aus Sicht des Nach­fra­gers nicht aus­tausch­bar sei­en. Es sei fer­ner auf die Markt­si­tua­ti­on auf den hier rele­van­ten Regio­nal­märk­ten in Chem­nitz, Dres­den, Erfurt, Leip­zig und Umge­bung abzu­stel­len. Die genann­ten Unter­neh­men hät­ten dort zwar teil­wei­se einen Markt­an­teil von mehr als zwei Drit­tel. Total und OMV hät­ten aber nach­ge­wie­sen, dass im Innen­ver­hält­nis zwi­schen ihnen und den ande­ren genann­ten Mine­ral­öl­ge­sell­schaf­ten sowie im Ver­hält­nis zu den wei­te­ren Markt­teil­neh­mern wesent­li­cher Wett­be­werb bestehe.

So reagier­ten die Mine­ral­öl­un­ter­neh­men regel­mä­ßig auf Preis­sen­kun­gen eines zum Oli­go­pol gehö­ren­den Markt­teil­neh­mers mit eige­nen Preis­re­du­zie­run­gen. Auch setz­ten sich Preis­an­he­bun­gen nicht dau­er­haft durch. Preis­an­pas­sun­gen stell­ten sich daher nicht als abge­stimm­tes Ver­hal­ten dar, son­dern erfolg­ten, um Absatz­ver­lus­te zu ver­mei­den. Die Prei­se lägen auf­grund der Aus­tausch­bar­keit des Kraft­stoffs und der hohen Wech­sel­be­reit­schaft der Kun­den regel­mä­ßig eng bei­ein­an­der. Auch zei­ge u. a. die dau­er­haf­te Nied­rig­preis­po­li­tik der Jet-Tank­stel­len, dass ein wirk­sa­mer Sank­ti­ons­me­cha­nis­mus des Oli­go­pols gera­de nicht bestehe. Fer­ner sei­en die Mar­gen im Tank­stel­len­ge­schäft im euro­päi­schen Ver­gleich nied­rig.

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Sache die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen. Das Bun­des­kar­tell­amt kann die­se bin­nen eines Monats nach Zustel­lung der Ent­schei­dung ein­le­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 4. August 2010 – VI-2 U Kart 6/​09