Paket­preis­ver­gleich

Ein im Rah­men ver­glei­chen­der Wer­bung vor­ge­nom­me­ner Preis­ver­gleich ist irre­füh­rend, wenn sich die Grund­la­gen für die Preis­be­mes­sung nicht unwe­sent­lich unter­schei­den – also etwa einer­seits Abmes­sun­gen, ande­rer­seits Gewicht bei der Beför­de­rung von Pake­ten und Päck­chen – und der Wer­ben­de auf die­se Unter­schie­de nicht deut­lich und unmiss­ver­ständ­lich hin­weist.

Paket­preis­ver­gleich

Die Unvoll­stän­dig­keit oder Ein­sei­tig­keit eines Preis­ver­gleichs lässt des­sen Objek­ti­vi­tät im Sin­ne des § 6 Abs. 2 Nr. 2 UWG dage­gen unbe­rührt.

Unlau­ter sind Preis­ver­glei­che ins­be­son­de­re dann, wenn sich die preis­re­le­van­ten Kon­di­tio­nen der Wett­be­wer­ber nicht unwe­sent­lich unter­schie­den und auf die­se Unter­schie­de nicht deut­lich und unmiss­ver­ständ­lich hin­ge­wie­sen wer­de. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten zielt das Erfor­der­nis der Objek­ti­vi­tät jedoch dar­auf ab, Ver­glei­che aus­zu­schlie­ßen, die sich nicht aus einer objek­ti­ven Fest­stel­lung, son­dern aus einer sub­jek­ti­ven Wer­tung ihres Urhe­bers erge­ben [1]. Danach ist der Begriff der Sach­lich­keit allein dahin zu ver­ste­hen, dass sub­jek­ti­ve Wer­tun­gen aus­ge­schlos­sen sind [2]. Dem­entspre­chend lässt die Unvoll­stän­dig­keit oder Ein­sei­tig­keit eines Preis­ver­gleichs des­sen Objek­ti­vi­tät i.S. des § 6 Abs. 2 Nr. 2 UWG unbe­rührt [3].

Dem Durch­schnitts­ver­brau­cher, auf des­sen Ver­ständ­nis abzu­stel­len ist, ist klar, dass ver­glei­chen­de Wer­bung regel­mä­ßig dazu dient, die Vor­tei­le der Erzeug­nis­se des Wer­ben­den her­aus­zu­stel­len [4]. Er geht des­halb nicht davon aus, dass ein von einem Wett­be­wer­ber ange­stell­ter Wer­be­ver­gleich eben­so wie ein von einem unab­hän­gi­gen Test­ver­an­stal­ter vor­ge­nom­me­ner Waren- oder Dienst­leis­tungs­ver­gleich auf einer neu­tral durch­ge­führ­ten Unter­su­chung beruht [5]. Es begeg­net daher auch kei­nen grund­sätz­li­chen Beden­ken, wenn ein Wer­be­ver­gleich sich nur auf bestimm­te Gesichts­punk­te bezieht, ohne ande­re Eigen­schaf­ten der mit­ein­an­der ver­gli­che­nen Pro­duk­te anzu­spre­chen [6].

Die Gren­ze zur Irre­füh­rung ist jedoch über­schrit­ten, wenn ein Wer­be­ver­gleich den fal­schen Ein­druck ver­mit­telt, es sei­en im Wesent­li­chen alle rele­van­ten Eigen­schaf­ten in den Ver­gleich ein­be­zo­gen wor­den [7]. Dem­entspre­chend ist ein im Rah­men ver­glei­chen­der Wer­bung vor­ge­nom­me­ner Preis­ver­gleich als irre­füh­rend zu beur­tei­len, wenn sich die für den Preis maß­geb­li­chen Kon­di­tio­nen der Wett­be­wer­ber nicht unwe­sent­lich unter­schei­den und der Wer­ben­de auf die­se Unter­schie­de nicht deut­lich und unmiss­ver­ständ­lich hin­weist [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2009 – I ZR 141/​07

  1. EuGH, Urteil vom 19.09.2006 – C‑356/​04, Slg. 2006, I‑8501 = GRUR 2007, 69 Tz. 40 ff., 46 = WRP 2006, 1348 – LIDL Belgium/​Colruyt[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 21.03.2007 – I ZR 184/​03, GRUR 2007, 896 Tz. 17 = WRP 2007, 1181 – Eigen­preis­ver­gleich; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 28. Aufl., § 6 Rdn. 116 f.[]
  3. Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 6 Rdn. 119; Mül­ler-Bidin­ger in Ull-mann, juris­PK-UWG, 2. Aufl., § 6 Rdn. 144, 147 und 199; a.A. Har-te/Hen­nin­g/­Sack, UWG, 2. Aufl., § 6 Rdn. 153[]
  4. vgl. Erwä­gungs­grund 6 Satz 3 der Richt­li­nie 2006/​114/​EG über irre­füh­ren­de und ver­glei­chen­de Wer­bung[]
  5. vgl. dazu Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 6 Rdn. 198 m.w.N.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 17.01.2002 – I ZR 161/​99, GRUR 2002, 633, 635 = WRP 2002, 828 – Hor­mon­er­satz­the­ra­pie; OLG Ham­burg MD 2009, 754, 761[]
  7. Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 6 Rdn. 119[]
  8. vgl. OLG Ham­burg MD 2006, 183, 186; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 6 Rdn. 120; Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rdn. 7.63; Mül­ler-Bidin­ger in Ull­mann, juris­PK-UWG aaO § 6 Rdn. 199[]