Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung

Die Bun­des­re­gie­rung hat einen Gesetz­ent­wurf zur Ände­rung des Part­ner­schafts­ge­set­zes in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­bracht, mit dem als Alter­na­ti­ve zur Limi­ted Lia­bi­li­ty Part­nership (LLP) eine Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung für Ange­hö­ri­ge frei­er Beru­fe geschaf­fen wer­den soll.

Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung

In dem Gesetz­ent­wurf wird das Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­setz (PartGG) hin­sicht­lich beruf­li­cher Feh­ler für eine Beschrän­kung der Haf­tung auf das Ver­mö­gen der Gesell­schaft geöff­net.

Das Haf­tungs­kon­zept der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft wird von Ange­hö­ri­gen Frei­er Beru­fe zum Teil als nicht befrie­di­gend emp­fun­den. Zwar wird mit der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft eine Rechts­form ange­bo­ten, die unter ande­rem den Vor­teil einer trans­pa­ren­ten Besteue­rung mit einer Haf­tungs­kon­zen­tra­ti­on nach § 8 Absatz 2 PartGG ver­bin­det. Jedoch stößt die Haf­tungs­kon­zen­tra­ti­on auf Han­deln­de zumin­dest dort auf prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten, wo Part­ner­schafts­ge­sell­schaf­ten eine gewis­se Grö­ßen­ord­nung über­schrei­ten und Auf­ga­ben von Teams inner­halb der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft bear­bei­tet wer­den. Die auf­grund unter­schied­li­cher Spe­zia­li­sie­rung mit­ein­an­der arbei­ten­den Part­ne­rin­nen und Part­ner kön­nen die Arbeits­bei­trä­ge der ande­ren weder inhalt­lich noch dem Umfang nach voll­stän­dig über­bli­cken und ver­ant­wor­ten. Im Bereich von anwalt­li­chen Kanz­lei­en zeich­net sich daher ein Trend zum Rechts­form­wech­sel zur Limi­ted Lia­bi­li­ty Part­nership (LLP) nach eng­li­schem Recht ab. Ange­sichts der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zur Nie­der­las­sungs­frei­heit (Cen­tros, Über­se­ering, Inspi­re Art) bestehen kei­ne recht­li­chen Beden­ken, wenn eine Rechts­form aus einem ande­ren Rechts­kreis gewählt wird, obgleich der Tätig­keits­schwer­punkt in Deutsch­land liegt. Jedoch soll eine deut­sche Alter­na­ti­ve zur LLP gebo­ten wer­den. Dabei soll die Mög­lich­keit einer wei­ter gehen­den Haf­tungs­be­schrän­kung auf das Ver­mö­gen der Part­ner­schaft als bis­her aber nur hin­sicht­lich der Haf­tung aus beruf­li­chen Feh­lern bestehen, da Gläu­bi­ger­inter­es­sen hier durch eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Durch das Gesetz wird für Ange­hö­ri­ge Frei­er Beru­fe die Mög­lich­keit geschaf­fen, sich für eine Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung zu ent­schei­den, wenn bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. Hier­zu wird im PartGG selbst eine Haf­tungs­be­schrän­kung geschaf­fen. Die bis­he­ri­ge „nor­ma­le” Part­ner­schafts­ge­sell­schaft wird neben der Mög­lich­keit einer Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung wei­ter­be­stehen.

Rege­lun­gen zur Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung und zu even­tu­el­len Pflich­ten gegen­über Berufs­kam­mern sind den jewei­li­gen Berufs­ge­set­zen vor­be­hal­ten.

Mit dem vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf wer­den Rege­lun­gen zur Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung für Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­te (Arti­kel 2, Ände­rung der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung, BRAO) und für Patent­an­wäl­tin­nen und Patent­an­wäl­te (Arti­kel 3, Ände­rung der Patent­an­walts­ord­nung, PAO) vor­ge­schla­gen.

Im Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz (StBerG; Arti­kel 6) und in der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung der Vor­schrif­ten über Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­te und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten (DVStB; Arti­kel 7) wer­den die Ände­run­gen im PartGG inso­weit nach­voll­zo­gen, als die Part­ner­schafts­ge­sell­schaft als Rechts­form nun­mehr aus­drück­lich in den Anwen­dungs­be­reich der Rege­lun­gen zur Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung (§ 67 StBerG, § 51 DVStB) ein­be­zo­gen wird, und zwar sowohl die bis­he­ri­ge Form der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit Han­deln­den­haf­tung als auch die neue Form der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung nach § 8 Absatz 4 PartGG‑E.

Von einer Anhe­bung der Min­dest­ver­si­che­rungs­sum­me bei der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung spe­zi­ell für Part­ner­schafts­ge­sell­schaf­ten mbB wird im Berufs­recht der steu­er­be­ra­ten­den Beru­fe abge­se­hen. Sie ist weder aus berufs­recht­li­chen noch aus Grün­den des Ver­brau­cher­schut­zes erfor­der­lich. Nach § 67 Satz 1 StBerG muss – anders als es zum Bei­spiel § 51 Absatz 1 Satz 1 BRAO vor­sieht – die abge­schlos­se­ne Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung ange­mes­sen sein. Damit soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Ersatz­an­sprü­che Geschä­dig­ter auf jeden Fall erfüllt wer­den kön­nen. Dies bedeu­tet, dass im Ein­zel­fall zum Bei­spiel eine Steu­er­be­ra­ter­pra­xis mit beson­ders hohen Haf­tungs­ri­si­ken ver­pflich­tet ist, die Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung zu einer höhe­ren Ver­si­che­rungs­sum­me als der in § 52 DVStB vor­ge­se­he­nen Min­dest­ver­si­che­rungs­sum­me abzu­schlie­ßen. Daher las­sen sich über den Ange­mes­sen­heits­vor­be­halt die Fäl­le sach­ge­recht lösen, bei denen im Ein­zel­fall ein erheb­lich erhöh­tes Haf­tungs­ri­si­ko besteht. Zudem zieht eine Ver­let­zung der Ver­pflich­tung zum Abschluss einer ange­mes­se­nen Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung eine erheb­li­che Sank­ti­on, näm­lich den Wider­ruf der Bestel­lung zum Steu­er­be­ra­ter (§ 46 Absatz 2 Num­mer 3 StBerG), nach sich.

In der Wirt­schafts­prü­ferord­nung (WPO, Arti­kel 8) wird die Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung in den Anwen­dungs­be­reich der Rege­lun­gen zur Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung (§ 54 WPO) ein­be­zo­gen.

Außer­dem sol­len in dem Gesetz­ent­wurf meh­re­re Vor­schrif­ten des patent­an­walt­li­chen Berufs­rechts (Arti­kel 4 und 5) und des Rechts­dienst­leis­tungs­ge­set­zes (Arti­kel 9) an das Abkom­men vom 21. Juni 1999 zwi­schen der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft einer­seits und der Euro­päi­schen Gemein­schaft und ihren Mit­glied­staa­ten ande­rer­seits über die Frei­zü­gig­keit1 ange­passt wer­den.

  1. BGBl. 2001 II S. 810; BGBl. 2002 II S. 16092