Patent­nich­tig­keits­kla­ge – und die Kla­ge­rück­nah­me in der Beru­fungs­in­stanz

Eine Patent­nich­tig­keits­kla­ge kann auch in der Beru­fungs­in­stanz ohne Ein­wil­li­gung des Beklag­ten zurück­ge­nom­men wer­den 1.

Patent­nich­tig­keits­kla­ge – und die Kla­ge­rück­nah­me in der Beru­fungs­in­stanz

Eine Kla­ge­rück­nah­me durch die Haupt­par­tei bedarf auch dann nicht der Zustim­mung eines auf Sei­ten des Klä­gers am Rechts­streit betei­lig­ten Streit­hel­fers, wenn die­ser gemäß § 69 ZPO als Streit­ge­nos­se anzu­se­hen ist 2.

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass eine Patent­nich­tig­keits­kla­ge in jeder Lage des Ver­fah­rens ohne Ein­wil­li­gung des Beklag­ten zurück­ge­nom­men wer­den kann. Als maß­geb­lich hier­für hat der Bun­des­ge­richts­hof ange­se­hen, dass das Inter­es­se des Nich­tig­keits­be­klag­ten an einer Siche­rung vor wei­te­ren Angrif­fen zurück­tre­ten muss, weil dem Nich­tig­keits­klä­ger nicht ange­son­nen wer­den kann, gegen sei­nen Wil­len als Anwalt der öffent­li­chen Belan­ge auf­zu­tre­ten, und weil wäh­rend der Lauf­zeit des Patents eine auf den­sel­ben Kla­ge­grund gestütz­te Nich­tig­keits­kla­ge ohne­hin jeder­zeit auch von ande­ren Per­so­nen erho­ben wer­den kann 3.

Die dage­gen ange­führ­ten Argu­men­te füh­ren nicht zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung.

Zwar mag ein Patent­in­ha­ber im Ein­zel­fall ein Inter­es­se dar­an haben, dass gera­de eine bestimm­te Par­tei dar­an gehin­dert ist, das Patent erneut mit einer auf den­sel­ben Kla­ge­grund gestütz­ten Nich­tig­keits­kla­ge anzu­grei­fen. Ob eine sol­che Inter­es­sen­la­ge besteht, ist indes eine Fra­ge des Ein­zel­falls. Die Fra­ge, ob eine Kla­ge­rück­nah­me der Zustim­mung des Geg­ners bedarf, kann jedoch nicht von Umstän­den abhän­gen, deren Ermitt­lung und Bewer­tung im Ein­zel­fall mit gro­ßen Unsi­cher­hei­ten ver­bun­den sein kann.

Unab­hän­gig davon bie­tet die Abwei­sung der von einer bestimm­ten Par­tei erho­be­nen Nich­tig­keits­kla­ge ohne­hin kei­nen zuver­läs­si­gen Schutz gegen eine nach­fol­gen­de Nich­tig­keits­kla­ge eines Unter­neh­mens, das mit der ers­ten Nich­tig­keits­klä­ge­rin zwar recht­lich oder wirt­schaft­lich ver­bun­den ist, aber den­noch eige­ne wirt­schaft­li­che Inter­es­sen ver­folgt und des­halb nicht als blo­ßer Stroh­mann ange­se­hen wer­den kann.

Die Kla­ge­rück­nah­me bedarf nicht der Zustim­mung der Streit­hel­fe­rin.

Im Patent­nich­tig­keits­ver­fah­ren ist ein Streit­hel­fer des Klä­gers zwar ent­spre­chend § 69 ZPO als Streit­ge­nos­se anzu­se­hen 4. Auch ein Streit­hel­fer, dem die­se Stel­lung zukommt, kann einer Rück­nah­me der Kla­ge durch die Haupt­par­tei aber nicht wider­spre­chen. Er ist auch nicht befugt, den Rechts­streit nach der Kla­ge­rück­nah­me allei­ne fort­zu­füh­ren 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Mai 2014 – X ZR 25/​13

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 22.06.1993 – X ZR 25/​86, GRUR 1993, 895 – Hart­schaum­plat­ten[]
  2. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 22.12 1964 – Ia ZR 237/​63, GRUR 1965, 297 f. – Neben­in­ter­ven­ti­on[]
  3. BGH, Beschluss vom 22.06.1993 – X ZR 25/​86, GRUR 1993, 895 – Hart­schaum­plat­ten[]
  4. BGH, Urteil vom 16.10.2007 – X ZR 226/​02, GRUR 2008, 60 Rn. 44 – Sam­mel­hef­ter II[]
  5. BGH, Beschluss vom 22.12 1964 – Ia ZR 237/​63, GRUR 1965, 297 f. – Neben­in­ter­ven­ti­on; eben­so für den Fall der Rück­nah­me der von der Haupt­par­tei ein­ge­leg­ten Beru­fung BGH, Beschluss vom 16.12 2010 – Xa ZR 110/​08, GRUR 2011, 359 Rn. 4 – Magne­to­wi­der­stands­sen­sor[]