Pol­ni­scher Meis­ter­brief

Ein pol­ni­scher Meis­ter­brief muss nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz in Deutsch­land nicht aner­kannt wer­den. So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz jetzt die Kla­ge eines Man­nes abge­wie­sen, der die Aner­ken­nung sei­nes in Polen erwor­be­nen Meis­ter­briefs als Fahr­zeug­klemp­ner begehrt.

Pol­ni­scher Meis­ter­brief

Nach sei­ner Ein­rei­se in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land arbei­te­te der Klä­ger meh­re­re Jah­re als Karos­se­rie­speng­ler bzw. Auto­me­cha­ni­ker im Ange­stell­ten­ver­hält­nis. Bei der Hand­werks­kam­mer Rhein­hes­sen bean­trag­te er die Aner­ken­nung sei­nes pol­ni­schen Meis­ter­brie­fes. Nach der Ableh­nung sei­nes Antrags wand­te er sich an das Ver­wal­tungs­ge­richt.

Die Main­zer Ver­wal­tungs­rich­ter haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Hand­werks­ord­nung als natio­na­les Recht eröff­ne zwar die Mög­lich­keit, durch minis­te­ri­el­le Rechts­ver­ord­nung aus­län­di­sche Prü­fungs­zeug­nis­se den ent­spre­chen­den deut­schen Meis­ter­prü­fungs­zeug­nis­sen gleich­zu­stel­len. Ent­spre­chen­de Rechts­ver­ord­nun­gen sei­en jedoch bis­lang nur bezüg­lich Frank­reich und Öster­reich erlas­sen wor­den.

Auch nach EG-Recht dür­fe der Klä­ger hier den Meis­ter­ti­tel nicht füh­ren. Die ein­schlä­gi­ge EG-Richt­li­ni­en­vor­schrift bestim­me, dass die Ange­hö­ri­gen eines Mit­glieds­staa­tes die Berufs­be­zeich­nung des Auf­nah­me­mit­glieds­staa­tes füh­ren, wenn sie die nach der Richt­li­nie bestehen­den Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­übung eines regle­men­tier­ten Berufs (hier: Karos­se­rie- und Fahr­zeug­bau­er­hand­werk) erfül­len. Der Klä­ger kön­ne sich unmit­tel­bar auf die Richt­li­ni­en­be­stim­mung beru­fen, weil die Frist zu deren Umset­zung durch die Mit­glieds­staa­ten abge­lau­fen sei, ohne dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Rege­lun­gen zur Aner­ken­nung pol­ni­scher Prü­fungs­zeug­nis­se getrof­fen habe. Der Klä­ger dür­fe jedoch nach der Richt­li­nie den regle­men­tier­ten Beruf nicht aus­üben, weil er die hier­für erfor­der­li­chen Tätig­kei­ten in lei­ten­der Stel­lung bzw. als Selbst­stän­di­ger oder Betriebs­lei­ter nicht nach­ge­wie­sen habe, so dass ihm auch das EG-Recht nicht zum Erfolg ver­hel­fe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Urteil vom 16. Febru­ar 2009 – 6 K 678/​08.MZ