Post­fach­adres­se in der Wider­rufs­be­leh­rung

Eine ord­nungs­ge­mä­ße Wider­rufs­be­leh­rung liegt bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen auch dann vor, wenn als Wider­rufs­adres­se ein Post­fach ange­ge­ben ist.

Post­fach­adres­se in der Wider­rufs­be­leh­rung

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit schloss der Klä­ger mit der Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten, einem Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, im Jah­re 2008 im Wege des Fern­ab­sat­zes einen Son­der­ver­trag über den lei­tungs­ge­bun­de­nen Bezug von Erd­gas. Der Ver­trag sah für die Dau­er der bis zum 31. August 2010 ver­ein­bar­ten Lauf­zeit einen Fest­preis vor und räum­te dem Klä­ger ein Wider­rufs­recht ein. Die Wider­rufs­be­leh­rung ent­hielt als Anschrift des­je­ni­gen, gegen­über dem der Wider­ruf zu erklä­ren ist, die Post­fach­adres­se der Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten.

Am 1. Okto­ber 2009 erklär­te der Klä­ger den Wider­ruf sei­ner Ver­trags­er­klä­rung. Die Beklag­te akzep­tier­te den Wider­ruf nicht. Mit der Kla­ge begehrt der Klä­ger die Fest­stel­lung, dass das Ver­trags­ver­hält­nis durch den Wider­ruf wirk­sam been­det wor­den sei. Die Kla­ge hat in den Vor­in­stan­zen 1 kei­nen Erfolg gehabt.

Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers ist ohne Erfolg geblie­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die Anga­be eines Post­fachs als Wider­rufs­adres­se im Fern­ab­satz den zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genüg­te (§ 312d Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1, § 312c Abs. 2, § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB aF).

Bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten ist gemäß § 312c Abs. 2, § 312d Abs. 2 Satz 1, Art. 245 EGBGB, § 1 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1, Abs. 1 Nr. 10 BGB-InfoV aF der Unter­neh­mer ver­pflich­tet, dem Ver­brau­cher das Bestehen oder Nicht­be­stehen eines Wider­rufs- oder Rück­ga­be­rechts sowie die Bedin­gun­gen und die Ein­zel­hei­ten der Aus­übung, ins­be­son­de­re Namen und Anschrift des­je­ni­gen, gegen­über dem der Wider­ruf zu erklä­ren ist, mit­zu­tei­len. Die Anga­be einer Post­fach­adres­se als Wider­rufs­adres­se genügt, wie der Bun­des­ge­richts­hof vor Inkraft­tre­ten der BGB-InfoV 2 bereits ent­schie­den hat, den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen. Dar­an ist auch nach dem Inkraft­tre­ten der BGB-InfoV fest­zu­hal­ten. Der Ver­brau­cher wird durch die Anga­be einer Post­fach­adres­se in glei­cher Wei­se wie durch die Anga­be einer Haus­an­schrift in die Lage ver­setzt, sei­ne Wider­rufs­er­klä­rung auf den Post­weg zu brin­gen. Sei­ne "ladungs­fä­hi­ge" Anschrift muss­te der Unter­neh­mer bei einem Fern­ab­satz­ver­trag ohne­hin ange­ben (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 BGB-InfoV aF), was im zu ent­schei­den­den Fall auch unstrei­tig gesche­hen war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2012 – VIII ZR 95/​11

  1. AG Dors­ten, Urteil vom 11.08.2010 – 21 C 596/​09; LG Essen, Urteil vom 03.02.2011 – 10 S 313/​10[]
  2. BGH, Urteil vom 11.04.2002 – I ZR 306/​99, NJW 2002, 2391 unter II – Post­fach­an­schrift[]