"Pra­xis für medi­zi­ni­sche Fuß­pfle­ge"

Eine Wer­be­an­zei­ge als "Pra­xis für medi­zi­ni­sche Fuß­pfle­ge" kann irre­füh­rend sein, wenn sie nicht von einem Podo­lo­gen geführt wird.

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In einem aktu­ell ein vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Fall sind die Par­tei­en – in unmit­tel­ba­rer räum­li­cher Nähe – Mit­be­wer­be­rin­nen auf dem Dienst­leis­tungs­markt der Fuß­pfle­ge. Die Klä­ge­rin ist Podo­lo­gin, die Beklag­te ist als Fuß­pfle­ge­rin tätig. Die beklag­te Fuß­pfle­ge­rin schal­te­te in einer Zeit­schrift eine mit ihrem Namen ergänz­te Anzei­ge mit dem Inhalt: „Pra­xis für medi­zi­ni­sche Fuß­pfle­ge.“ Die­se Wer­bung bean­stan­de­te die kla­gen­de Podo­lo­gin als wett­be­werbs­wid­rig und erhielt vom Ober­lan­des­ge­richt Recht:

Nach­dem der Gesetz­ge­ber seit eini­gen Jah­ren mit der Ein­füh­rung des Podo­lo­gen­ge­set­zes den Heil­be­ruf geschützt und sich die Berufs­be­zeich­nung eta­bliert hat, erwar­tet ein nicht unbe­deu­ten­der Teil der ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se, so das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in sei­ner Urteils­be­grün­dung, bei der Bezeich­nung „Pra­xis für medi­zi­ni­sche Fuß­pfle­ge“, dass die damit bewor­be­ne Behand­lung durch einen Podo­lo­gen, also einen medi­zi­ni­schen Fuß­pfle­ger erfolgt.

Da die Wer­ben­de nur Fuß­pfle­ge­rin, nicht aber medi­zi­ni­sche Fuß­pfle­ge­rin sei, wer­de eine Fehl­vor­stel­lung her­vor­ge­ru­fen. Die­se sei auch wett­be­werbs­re­le­vant. Mit der Behand­lung durch einen Podo­lo­gen wer­de eine bestimm­te Qua­li­täts­vor­stel­lung ver­bun­den. Ob im Ein­zel­fall erfah­re­ne Fuß­pfle­ger Leis­tun­gen der­sel­ben oder einer bes­se­ren Qua­li­tät erbrin­gen könn­ten, sei nicht ent­schei­dend. Maß­geb­lich sei, dass der Gesetz­ge­ber zum Schut­ze der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung mit der Ein­füh­rung des geschütz­ten Heil­be­rufs einen Min­dest­stan­dard set­zen woll­te, der im all­ge­mei­nen nur von einem aus­ge­bil­de­ten Polo­lo­gen erreicht wer­de. Die Beklag­te kön­ne für die ihr erlaub­ten Tätig­kei­ten wer­ben, ihren berufs­recht­li­chen Inter­es­sen sei damit Genü­ge getan.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 3. Febru­ar 2011 – I‑4 U 160/​10)