Preis­an­pas­sungs­klau­sel bei der Gas­lie­fe­rung an Unter­neh­men

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich aktu­ell in zwei Ent­schei­dun­gen mit der Fra­ge befasst, ob eine in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Gas­lie­fe­rungs­ver­trags ent­hal­te­ne Preis­an­pas­sungs­klau­sel, nach der sich der Arbeits­preis für die Lie­fe­rung von Gas zu bestimm­ten Zeit­punk­ten aus­schließ­lich in Abhän­gig­keit von der Preis­ent­wick­lung für Heiz­öl ändert, bei ihrer Ver­wen­dung im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr der Inhalts­kon­trol­le gemäß § 307 Abs. 1 BGB stand­hält.

Preis­an­pas­sungs­klau­sel bei der Gas­lie­fe­rung an Unter­neh­men

Bei­den Ver­fah­ren lagen Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­ge zugrun­de, bei denen die Abneh­mer jeweils selbst Unter­neh­mer sind. Die­se ver­tre­ten die Auf­fas­sung, dass die Preis­klau­seln, soweit sie nicht nur dazu dien­ten, den Anfangs­preis zu bestim­men, als Preis­ne­ben­ab­re­den der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unter­lä­gen und die­ser nicht stand­hiel­ten, wie der Bun­des­ge­richts­hof für ähn­li­che, gegen­über Ver­brau­chern ver­wen­de­te Klau­seln bereits ent­schie­den habe 1.

In dem ers­ten Ver­fah­ren 2 bezog die Klä­ge­rin, eine Por­zel­lan­fa­brik, von der Beklag­ten ab Mit­te August 2005 Erd­gas. Vom 1.01.2008 bis zum 31.12 2009 erfolg­te die Belie­fe­rung auf­grund des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges vom 20./21.12 2007. Gemäß § 4 Zif­fer 1 des Ver­tra­ges rich­te­te sich das zu zah­len­de Ent­gelt für die Gas­lie­fe­rung nach der als Anla­ge bei­gefüg­ten Preis­re­ge­lung. Hier­nach han­delt es sich bei dem Arbeits­preis um einen ver­än­der­li­chen Preis­an­teil, der sich quar­tals­wei­se in Abhän­gig­keit von dem im Ver­trag näher defi­nier­ten Preis für leich­tes Heiz­öl ändert.

In der Fol­ge­zeit teil­te die Beklag­te der Klä­ge­rin jeweils zum Quar­tals­be­ginn Preis­än­de­run­gen mit. Die Klä­ge­rin glich die Abrech­nun­gen zunächst aus. Sie bean­stan­de­te die Preis­er­hö­hun­gen erst­mals mit Schrei­ben vom 19.11.2008 und begehrt Rück­zah­lung der ihrer Auf­fas­sung nach über­zahl­ten Rech­nungs­be­trä­ge für die Jah­re 2008 und 2009 in Höhe von 110.285, 13 €.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Olden­burg hat die Rück­zah­lungs­kla­ge abge­wie­sen 3. Das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg hat die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen und zur Begrün­dung im Wesent­li­chen aus­ge­führt, die Preis­re­ge­lung sei wirk­sam 4. Nach deren aus­drück­li­chem Wort­laut han­de­le es sich bei dem Arbeits­preis um einen ver­än­der­li­chen Preis. Eine sol­che Preis­haupt­ab­re­de unter­lie­ge nicht der AGBrecht­li­chen Inhalts­kon­trol­le.

Im zwei­ten jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren 5 ver­sorgt die Klä­ge­rin die Beklag­te, eine Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft, auf­grund des am 17. Januar/3.02.2003 geschlos­se­nen Lie­fer­ver­trags mit Erd­gas. § 1 Satz 3 die­ses Ver­tra­ges ver­weist hin­sicht­lich der Erd­gas­prei­se auf eine Anla­ge, der zufol­ge der als varia­bel bezeich­ne­te, sich quar­tals­wei­se ändern­de Arbeits­preis sich nach der Ent­wick­lung des im Ver­trag näher defi­nier­ten Prei­ses für Heiz­öl rich­tet.

Die Klä­ge­rin ver­langt Zah­lung von ins­ge­samt 11.746, 85 € für ihre Gas­lie­fe­run­gen im Jahr 2009 und für nicht gezahl­te Abschlä­ge bis Okto­ber 2010 sowie Sper­rung des Gas­zäh­lers. Die Beklag­te hält die von der Klä­ge­rin zugrun­de geleg­ten Preis­er­hö­hun­gen für unwirk­sam und begehrt nach Maß­ga­be des anfäng­lich gel­ten­den Arbeits­prei­ses im Wege der Wider­kla­ge Rück­zah­lung der in den Jah­ren 2005 bis 2008 ihrer Auf­fas­sung nach über­zahl­ten Gas­ent­gel­te in Höhe von 13.138, 83 €.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ber­lin hat der Zah­lungs­kla­ge statt­ge­ge­ben und die Wider­kla­ge abge­wie­sen 6. Das Kam­mer­ge­richt hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen 7. Zur Begrün­dung hat das Kam­mer­ge­richt im Wesent­li­chen aus­ge­führt, die Preis­klau­seln stell­ten eine kon­troll­freie Preis­haupt­ab­re­de dar. Es sei eine varia­ble Ver­gü­tung ver­ein­bart wor­den, die den bei Ver­trags­schluss gel­ten­den Preis über­haupt erst bestim­me. Eine sol­che Preis­haupt­ab­re­de unter­lie­ge nicht der AGBrecht­li­chen Inhalts­kon­trol­le.

Bei­de vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Revi­sio­nen hat­ten kei­nen Erfolg.

Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat hat ent­schie­den, dass eine in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Gas­lie­fe­rungs­ver­trags ent­hal­te­ne Preis­re­ge­lung, die sowohl der Berech­nung des bei Ver­trags­be­ginn gel­ten­den Arbeits­prei­ses als auch der Berech­nung spä­te­rer Preis­än­de­run­gen dient, ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beru­fungs­ge­rich­te eine der Inhalts­kon­trol­le unter­wor­fe­ne Preis­ne­ben­ab­re­de dar­stellt, soweit sie künf­ti­ge, noch unge­wis­se Preis­an­pas­sun­gen regelt. Eine sol­che Klau­sel, nach der sich der Arbeits­preis für die Lie­fe­rung von Gas zu bestimm­ten Zeit­punk­ten aus­schließ­lich in Abhän­gig­keit von der Preis­ent­wick­lung für Heiz­öl ändert, hält aber bei ihrer Ver­wen­dung im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr der Inhalts­kon­trol­le gemäß § 307 Abs. 1 BGB stand.

Ob die Bin­dung des Gas­prei­ses an den Markt­preis für Heiz­öl sach­ge­recht und akzep­ta­bel erscheint, unter­liegt der kauf­män­ni­schen Beur­tei­lung und Ent­schei­dung des als Unter­neh­mer han­deln­den Gas­kun­den, von dem zu erwar­ten ist, dass er sei­ne Kos­ten – auch auf dem Ener­gie­sek­tor – sorg­fäl­tig kal­ku­liert, den Mecha­nis­mus einer ölpreis­in­de­xier­ten Preis­gleit­klau­sel kennt und die damit hin­sicht­lich sei­ner Ener­gie­kos­ten ver­bun­de­nen Chan­cen und Risi­ken über­blickt. Dass die Ent­wick­lung der Ölprei­se – wie ande­rer Roh­stoff­kos­ten auch – mit Unge­wiss­hei­ten ver­bun­den ist, gehört zu den für eine unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit typi­schen Risi­ken, die der Unter­neh­mer selbst zu beur­tei­len und zu tra­gen hat.

Für einen Unter­neh­mer ist auch ersicht­lich, dass mit der Anknüp­fung an den Markt­preis von Heiz­öl als ein­zi­ge Varia­ble kein Bezug auf künf­ti­ge Kos­ten­stei­ge­run­gen oder Kos­ten­sen­kun­gen beim Gas­lie­fe­ran­ten genom­men wird. Sol­che sind des­halb für die Ent­wick­lung des in Zukunft zu zah­len­den Arbeits­prei­ses für Erd­gas bei Ver­wen­dung einer ölpreis­in­de­xier­ten Preis­gleit­klau­sel im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr ohne Bedeu­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 14. Mai 2014 – – VIII ZR 114/​13 und VIII ZR 116/​13

  1. BGH, Urtei­le vom 24.03.2010 – – VIII ZR 178/​08, BGHZ 185, 96, und – VIII ZR 304/​08, WM 2010, 1050[]
  2. BGH – VIII ZR 114/​13[]
  3. LG Olden­burg, Urteil vom 13.12 2012 – 9 O 1953/​12[]
  4. OLG Olden­burg – Beschluss vom 16.04.2013 – 5 U 12/​13[]
  5. BGH – VIII 116/​13[]
  6. LG Ber­lin, Urteil vom 25.03.2011 – 22 O 367/​09[]
  7. KG, Urteil vom 18.03.2013 – 20 U 112/​11[]