Preis­miss­brauchs­kon­trol­le von Was­ser­prei­sen der Ener­gie Calw GmbH

Das Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart hat eine Ver­fü­gung des Minis­te­ri­ums für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft (ehe­mals Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um) Baden-Würt­tem­berg als Lan­des­kar­tell­be­hör­de vom 24. Febru­ar 2011 (erneut) auf­ge­ho­ben, die in einem Miss­brauchs­ver­fah­ren nach §§ 19, 32 ff. GWB gegen die Ener­gie Calw GmbH als Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ergan­gen war.

Preis­miss­brauchs­kon­trol­le von Was­ser­prei­sen der Ener­gie Calw GmbH

Mit der auf­ge­ho­be­nen Ver­fü­gung soll­te die Beschwer­de­füh­re­rin, das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men der Stadt Calw, ver­pflich­tet wer­den, für die Zeit vom 1. Janu­ar 2008 bis 31. Dezem­ber 2009 bei allen Tarif-Was­ser­kun­den bei der Berech­nung der Was­ser­ent­gel­te – statt der ver­lang­ten 2,79 €/​Kubikmeter – einen Net­to­preis von nicht mehr als 1,82 €/​Kubikmeter anzu­set­zen; im Fall bereits erfolg­ter End­ab­rech­nung soll­te bis zum 31. Mai 2011 allen Was­ser­kun­den die Dif­fe­renz erstat­tet wer­den.

In sei­ner ers­ten Ent­schei­dung vom 25. August 2011 hat­te das Ober­lan­des­ge­richt die Ver­fü­gung auf­ge­ho­ben, da die Lan­des­kar­tell­be­hör­de bei ihrer Kos­ten- und Kal­ku­la­ti­ons­prü­fung zu Unrecht die Kal­ku­la­ti­ons­re­geln für Strom- und Gas­net­ze zugrun­de gelegt habe und der Gesetz­ge­ber – so das Ober­lan­des­ge­richt in sei­ner ers­ten Ent­schei­dung – bewusst von ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen im Bereich der Was­ser­ver­sor­gung abge­se­hen habe.

Auf die Rechts­be­schwer­de der Lan­des­kar­tell­be­hör­de hat der Bun­des­ge­richts­hof 1 die­se ers­te Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart auf­ge­ho­ben und ent­schie­den, dass eine Preis­kon­trol­le nach den spar­ten­frem­den Verord-nun­gen für die Strom- und Gas­net­ze zuläs­sig ist, falls Unsi­cher­hei­ten durch Zuschlä­ge aus­ge­gli­chen wer­den. Ein Preis­miss­brauch sei erst anzu­neh­men, wenn der tat­säch­li­che Preis den ermit­tel­ten Wett­be­werbs­preis weit über­stei­ge, wobei ein Erheb­lich­keits­zu­schlag vor­zu­neh­men sei.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat­te nun­mehr zu prü­fen, ob die Lan­des­kar­tell­be­hör­de in der ange­foch­te­nen Ver­fü­gung vom 24. Febru­ar 2011 in Anleh­nung an die Ver­ord­nun­gen für Strom- und Gas­prei­se eine rich­ti­ge Kal­ku­la­ti­on mit ange­mes­se­nen Zuschlä­gen vor­ge­nom­men hat. In der jetzt ver­kün­de­ten Ent­schei­dung hat der Kar­tell­se­nat die Ver­fü­gung der Lan­des­kar­tell­be­hör­de vom 24. Febru­ar 2011 erneut auf­ge­ho­ben, weil die Kal­ku­la­ti­on, die der Was­ser­ver­sor­ger als Mono­pol­un­ter­neh­men gemäß § 19 Abs. 4 Nr. 2 GWB vor­zu­neh­men hat („Als-Ob-Wett­be­werb“), zumin­dest teil­wei­se zu bean­stan­den sei. In etli­chen Kal­ku­la­ti­ons­an­sät­zen sei – so der Senat – der Lan­des­kar­tell­be­hör­de metho­disch und sach­lich zu fol­gen, bei ein­zel­nen Posi­tio­nen sei­en jedoch die Bewer­tun­gen des Was­ser­ver­sor­gers zu berück­sich­ti­gen, wes­halb der Lan­des­kar­tell­be­hör­de mit der heu­ti­gen Ent­schei­dung auf­ge­ge­ben wur­de, auf der Grund­la­ge der vom Senat auf­ge­stell­ten Ein­zel­be­wer­tungs­an­sät­ze (etwa vor allem Wer­bungs­kos­ten, Zuschlüs­se­lung von Per­so­nal­auf­wen­dun­gen ein­schließ­lich Abfin­dun­gen, kal­ku­la­to­ri­sche Kos­ten, Behand­lung des Anla­ge­ver­mö­gens und Kos­ten der Was­ser­be­schaf­fung) eine neue Ver­fü­gung zu tref­fen.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 5. Sep­tem­ber 2013 – 201 Kart 1/​12

  1. BGH, Beschluss vom 15.05.2012 – KVR 51/​11[]