Pres­se­be­rich­te über den Ver­ge­wal­ti­gungs­pro­zess gegen K.

Vor dem Bun­des­ge­richts­hof ist jetzt der Wet­ter­mo­de­ra­tor J.K. end­gül­tig mit sei­ner Kla­ge gegen den Axel-Sprin­ger-Ver­lag wegen der Bericht­erstat­tung auf dem Inter­net-Por­tal der Bild-Zei­tung über sei­nen Mann­hei­mer Pro­zess geschei­tert.

Pres­se­be­rich­te über den Ver­ge­wal­ti­gungs­pro­zess gegen K.

Der Klä­ger war bis zu sei­ner Ver­haf­tung im März 2010 wegen des Ver­dachts der Ver­ge­wal­ti­gung einer dama­li­gen Freun­din als Fern­seh­mo­de­ra­tor und Jour­na­list tätig. Er wen­det sich mit sei­nem Unter­las­sungs­be­geh­ren gegen eine ihn betref­fen­de Online-Bericht­erstat­tung auf dem von der Beklag­ten betrie­be­nen Inter­net­por­tal "www.bild.de" wäh­rend eines gegen ihn geführ­ten Straf­ver­fah­rens.

Kurz nach sei­ner Ver­haf­tung begann eine inten­si­ve Medi­en­be­richt­erstat­tung über das gegen ihn wegen schwe­rer Ver­ge­wal­ti­gung und gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung ein­ge­lei­te­te Straf­ver­fah­ren sowie über sein bis zu die­sem Zeit­punkt der brei­ten Öffent­lich­keit unbe­kann­tes Pri­vat­le­ben, ins­be­son­de­re sei­ne Bezie­hun­gen zu Frau­en. Durch inzwi­schen rechts­kräf­ti­ges Urteil des Land­ge­richts Mann­heim wur­de er von den Tat­vor­wür­fen frei­ge­spro­chen.

In dem vom Bun­des­ge­richts­hof ver­han­del­ten Rechts­streit hat der Klä­ger das ver­klag­te Pres­se­or­gan auf Unter­las­sung wegen noch vor der Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens erfolg­ter Äuße­run­gen in einem am 13. Juni 2010 auf der von der Beklag­ten betrie­be­nen Inter­net­sei­te auf­ruf­bar gestell­ten Arti­kel mit der Über­schrift "Maga­zin "Focus" ver­öf­fent­licht inti­me Details – Der K….-Krimi: Neue Indi­zi­en aus der Tat­nacht" in Anspruch genom­men. Anlass des Arti­kels waren bekannt gewor­de­ne Pas­sa­gen aus der Ein­las­sung des Klä­gers in sei­ner ers­ten rich­ter­li­chen Ver­neh­mung. Das Pro­to­koll die­ser Ver­neh­mung wur­de spä­ter in der öffent­li­chen Haupt­ver­hand­lung im Straf­ver­fah­ren ver­le­sen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Köln hat die Beklag­te antrags­ge­mäß ver­ur­teilt, es zu unter­las­sen die bean­stan­de­ten Äuße­run­gen, aus denen sich Rück­schlüs­se auf die sexu­el­len Nei­gun­gen des Klä­gers erga­ben, wie in dem Arti­kel vom 13. Juni 2010 zu ver­öf­fent­li­chen oder sonst zu ver­brei­ten 1. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof sah dies nun jedoch anders: Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hob der Bun­des­ge­richts­hof die Inst­anz­ur­tei­le auf und wies die Unter­las­sungs­kla­ge ab:

Wegen der aus dem Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG) fol­gen­den und in Art. 6 Abs. 2 EMRK aner­kann­ten Unschulds­ver­mu­tung und einer mög­li­chen durch die Medi­en­be­richt­erstat­tung bewirk­ten Stig­ma­ti­sie­rung war die Ver­öf­fent­li­chung im Juni 2010 zwar auch nach dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs wegen einer Ver­let­zung des Per­sön­lich­keits­rechts des Klä­gers rechts­wid­rig.

Ein Unter­las­sungs­an­spruch des Klä­gers besteht, so der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter, gleich­wohl nicht: Nach Ver­le­sung des Pro­to­kolls über sei­ne haft­rich­ter­li­che Ver­neh­mung in der öffent­li­chen Haupt­ver­hand­lung war eine aktu­el­le Pro­zess­be­richt­erstat­tung unter Ein­be­zie­hung der bean­stan­de­ten Äuße­run­gen zuläs­sig. Infol­ge­des­sen ist die für den Unter­las­sungs­an­spruch erfor­der­li­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ent­fal­len. Der Unter­las­sungs­an­spruch ist auch nicht wie­der neu ent­stan­den. Der Klä­ger hat sich mit sei­nem Unter­las­sungs­an­trag gegen die aktu­el­le Bericht­erstat­tung im Straf­ver­fah­ren gewandt. Umstän­de dafür, dass die Beklag­te eine erneu­te Ver­öf­fent­li­chung in die­ser Form vor­neh­men könn­te, sind nicht ersicht­lich.

Anders sah der Bun­des­ge­richts­hof dies jedoch für Pres­se­be­rich­te wegen eines angeb­li­chen Vor­falls aus dem Jahr 2001: In drei wei­te­ren Ver­fah­ren hat der Bun­des­ge­richts­hof die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den der beklag­ten Pres­se­or­ga­ne gegen Ent­schei­dun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Köln zurück­ge­wie­sen, in denen den Unter­las­sungs­an­trä­gen des Klä­gers statt­ge­ge­ben wor­den ist 3. Dabei ging es um Berich­te über ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den Klä­ger, das wegen eines angeb­li­chen Vor­falls aus dem Jah­re 2001 ein­ge­lei­tet wor­den war, nach­dem eine frü­he­re Freun­din des Klä­gers drei Tage nach des­sen Fest­nah­me im Jah­re 2010 die Jus­tiz­be­hör­den dar­über infor­miert hat­te.

In die­sen Fäl­len haben die Gerich­te das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen einer zuläs­si­gen Ver­dachts­be­richt­erstat­tung ver­neint, weil schon der für eine Ver­dachts­be­richt­erstat­tung erfor­der­li­che Min­dest­be­stand an Bewei­s­tat­sa­chen nicht gege­ben war und zudem die not­wen­di­ge Stel­lung­nah­me des Klä­gers nicht ein­ge­holt wor­den war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2013 – VI ZR 93/​12
Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 19. März 2013 – VI ZR 106/​12, VI ZR 107/​12, VI ZR 108/​12

  1. LG Köln, Urteil vom 22.06.2011 – 28 O 956/​10[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 14.02.2012 – 15 U 123/​11[]
  3. OLG Köln, Urtei­le vom 14.02.2012 – 15 U 130/​11, 15 U 131/​11, 15 U 132/​11[]