Pro­dukt­pi­ra­te­rie

Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um hat heu­te den Refe­ren­ten­ent­wurf zur Umset­zung der EU-Durch­set­zungs-Richt­li­nie den Bun­des­mi­nis­te­ri­en zur Stel­lung­nah­me zuge­lei­tet. Der Gesetz­ent­wurf soll den Kampf gegen Pro­dukt­pi­ra­te­rie erleich­tern. Der Gesetz­ent­wurf setzt die Richt­li­nie durch eine Novel­lie­rung von meh­re­ren Geset­zen zum Schutz des geis­ti­gen Eigen­tums um: Patent­ge­setz, Gebrauchs­mus­ter­ge­setz, Mar­ken­ge­setz, Halb­lei­ter­schutz­ge­setz, Urhe­ber­rechts­ge­setz, Geschmacks­mus­ter­ge­setz, Sor­ten­schutz­ge­setz wer­den weit­ge­hend wort­gleich geän­dert.

Pro­dukt­pi­ra­te­rie

Der Gesetz­ent­wurf hat fol­gen­de inhalt­li­che Schwer­punk­te:

  • Scha­dens­be­sei­ti­gung bei Schutz­rechts­ver­let­zung:
    Der Gesetz­ent­wurf stellt im Ein­klang mit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung klar, dass nach Wahl des Ver­letz­ten der Gewinn oder das Ent­gelt, das der Ver­let­zer für die recht­mä­ßi­ge Nut­zung des Rechts hät­te bezah­len müs­sen – d.h. die Lizenz­ge­bühr -, als Scha­den erstat­tungs­fä­hig sein kön­nen.
  • Beweis­füh­rung:
    Bei hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit einer Schutz­rechts­ver­let­zung gewährt der Ent­wurf einen Anspruch des Ver­letz­ten gegen den Ver­let­zer auf Vor­la­ge von Urkun­den oder sogar auf Zulas­sung der Besich­ti­gung einer Sache. Ist zu ver­mu­ten, dass die Rechts­ver­let­zung in gewerb­li­chem Aus­maß began­gen wur­de, erstreckt sich der Anspruch auch auf die Vor­la­ge von Bank‑, Finanz- und Han­dels­un­ter­la­gen.
  • Urteils­be­kannt­ma­chung:
    Der Rechts­in­ha­ber kann nach gel­ten­dem Recht die Ver­öf­fent­li­chung des Gerichts­ur­teils bean­tra­gen, durch das der Ver­let­zer eines Urhe­ber- oder Geschmacks­mus­ter­rech­tes ver­ur­teilt wor­den ist. Die­se Mög­lich­keit wird auf alle Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums erstreckt.
  • Aus­kunfts­an­sprü­che
    Das gel­ten­de Recht sieht bereits seit lan­gem einen zivil­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruch des Rechts­in­ha­bers gegen den­je­ni­gen vor, der geis­ti­ges Eigen­tum ver­letzt. Die Richt­li­nie und das Umset­zungs­ge­setz sehen vor, dass der Rechts­in­ha­ber unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen jetzt auch einen Aus­kunfts­an­spruch gegen Drit­te erhält, die selbst nicht Rechts­ver­let­zer sind. Der Rechts­in­ha­ber soll damit die Mög­lich­keit erhal­ten, den Rechts­ver­let­zer mit zivil­recht­li­chen Mit­teln zu ermit­teln, um so sei­ne Rech­te gericht­lich bes­ser durch­set­zen zu kön­nen. Die­se Rege­lung wird vor allem bei Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen im Inter­net (ille­ga­le Tausch­bör­sen!) rele­vant wer­den.
  • Schutz geo­gra­phi­scher Her­kunfts­an­ga­ben:
    Die zivil­recht­li­che Durch­set­zung von Schutz­rech­ten wird auch für geo­gra­phi­sche Her­kunfts­an­ga­ben in der beschrie­be­nen Wei­se erleich­tert. Außer­dem soll durch die Ände­rung des Mar­ken­ge­set­zes ein straf­recht­li­cher Schutz für sol­che geo­gra­phi­sche Anga­ben und Ursprungs­be­zeich­nun­gen geschaf­fen wer­den, die auf euro­päi­scher Ebe­ne nach der Ver­ord­nung zum Schutz von geo­gra­phi­schen Anga­ben und Ursprungs­be­zeich­nun­gen für Agrar­er­zeug­nis­se und Lebens­mit­tel geschützt sind. Dazu gehö­ren die Bezeich­nun­gen zahl­rei­cher land­wirt­schaft­li­cher Pro­duk­te wie z.B. die berühm­ten „Spree­wäl­der Gur­ken“. Bis­her gab es einen sol­chen Schutz nur für die nach rein inner­staat­li­chem Recht geschütz­ten Bezeich­nun­gen.
  • Einst­wei­li­ger Rechts­schutz:
    Nach den all­ge­mei­nen pro­zess­recht­li­chen Regeln dür­fen einst­wei­li­ge Ver­fü­gun­gen den gel­tend gemach­ten Anspruch nur sichern, nicht bereits erfül­len. Es gilt das so genann­te Ver­bot der Vor­weg­nah­me der Haupt­sa­che. Hier­von wird für die Durch­set­zung der Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums abge­wi­chen.