Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis in der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung

In Ange­le­gen­hei­ten der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung sind allein die Län­der pro­zess­füh­rungs­be­fugt.

Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis in der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung

In Ange­le­gen­hei­ten der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung im Sin­ne der Art. 85, 90 Abs. 2 GG erfül­len die Län­der Bun­des­auf­ga­ben aus eige­ner und selb­stän­di­ger Ver­wal­tungs­kom­pe­tenz. Die Auf­trags­ver­wal­tung bezieht sich auf die Fern­stra­ßen­ver­wal­tung in ihrem gesam­ten Umfang, so dass sowohl die Hoheits­ver­wal­tung als auch die Ver­mö­gens­ver­wal­tung der Bun­des­fern­stra­ßen erfasst sind. Dem­zu­fol­ge sind in Ange­le­gen­hei­ten der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung allein die Län­der pro­zess­füh­rungs­be­fugt [1].

Der Ver­ga­be­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le ver­mag der Auf­fas­sung nicht zu fol­gen, wonach wider­sprüch­li­che Anga­ben aus­nahms­wei­se eine zusätz­li­che Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Bun­des begrün­de­ten.

Im vor­lie­gen­den Fall wird in der EU-Bekannt­ma­chung in Abschnitt I "öffent­li­cher Auf­trag­ge­ber" unter der offi­zi­el­len Bezeich­nung die Nie­der­säch­si­sche Lan­des­be­hör­de für Stra­ßen­bau- und Ver­kehr – Geschäfts­be­reich Ver­den – sowie als Kon­takt­stel­le die Ver­ga­be­stel­le genannt. Der Auf­trags­ge­gen­stand ist in Abschnitt II unzwei­fel­haft bezeich­net.

Die Antrag­stel­le­rin konn­te unschwer erken­nen, dass es sich bei dem Aus­schrei­bungs­ge­gen­stand um eine Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung gemäß Art. 85, 90 Abs. 2 GG han­del­te. Mit die­ser Infor­ma­ti­on wäre sie in der Lage gewe­sen, das Land Nie­der­sach­sen als den rich­ti­gen Antrags­geg­ner zu ermit­teln. Dies wäre der Antrag­stel­le­rin gege­be­nen­falls durch Nach­fra­ge oder Ein­ho­lung wei­te­ren Rates auch zumut­bar gewe­sen, weil das Risi­ko, in einem Ver­fah­ren den rich­ti­gen Anspruchs­geg­ner oder Beklag­ten zu bezeich­nen, in allen juris­ti­schen Ver­fah­ren glei­cher­ma­ßen dem Antrag­stel­ler oder Klä­ger obliegt.

Auf­grund der vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen recht­fer­tigt auch der Umstand, dass in der EU – Auf­for­de­rung zur Ange­bots­ab­ga­be ange­ge­ben ist, die benann­te Leis­tung sol­le im Namen und für Rech­nung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch die Nie­der­säch­si­sche Lan­des­be­hör­de für Stra­ßen­bau und Ver­kehr ver­ge­ben wer­den, kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Die Nie­der­säch­si­sche Lan­des­be­hör­de für Stra­ßen­bau und Ver­kehr kann allen­falls das Land Nie­der­sach­sen ver­tre­ten, das wie­der­um – wie aus­ge­führt – im Rah­men der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung die Bun­des­re­pu­blik ver­tritt.

Es ist durch­aus mög­lich und einem Antrag­stel­ler zuzu­mu­ten, die­se Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se zu klä­ren, bevor gegen eine Ent­schei­dung Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den. Dies gilt umso mehr, als die Antrag­stel­le­rin bereits zum Zeit­punkt des Nach­prü­fungs­an­trags anwalt­lich ver­tre­ten und ihr die in die­sem Zusam­men­hang ergan­ge­ne Recht­spre­chung bekannt war, wie sie noch­mals in ihrer Stel­lung­nah­me vom 13.05.2003 aus­ge­führt hat.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le folgt fer­ner nicht der Auf­fas­sung, durch die Rege­lun­gen in der ers­ten all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift für die Auf­trags­ver­wal­tung der Auto­bah­nen und Bun­des­fern­stra­ßen sei ein Rechts­schein gesetzt wor­den, den Bund als öffent­li­che Auf­trag­ge­be­rin anzu­se­hen, die gemäß § 109 GWB im Nach­prü­fungs­ver­fah­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­te wäre. In § 7 der genann­ten Ver­wal­tungs­vor­schrift ist gere­gelt, dass die Län­der den Bund im Bereich der Auf­trags­ver­wal­tung unter der Bezeich­nung "Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – Bun­des­stra­ßen­ver­wal­tung" gericht­lich und außer­ge­richt­lich ver­tre­ten. Auch hier­aus lässt sich kein Rück­schluss auf eine Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on des Bun­des zie­hen.

Ob sich die Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on des Lan­des Nie­der­sach­sen aus einer gesetz­li­chen Pro­zesstand­schaft aus Arti­kel 90 Abs. 2 GG oder aus einem ech­ten Ver­tre­tungs­ver­hält­nis ergibt, ist uner­heb­lich, weil in jedem Fall allein dem Land die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis zusteht [2].

Auch wenn es zur Erleich­te­rung bzw. Ver­mei­dung von Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on hilf­reich wäre, in den Ver­ga­be­un­ter­la­gen ein­deu­ti­ge­re Bezeich­nun­gen zu fin­den, so recht­fer­tigt dies nicht die Belas­tung der Bun­des­re­pu­blik mit Kos­ten auf­grund der feh­ler­haf­ten Wahl des Antrag­geg­ners durch die Antrag­stel­le­rin.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 10. Juni 2013 – 13 Verg 6/​13

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 15.04.1977 – IV C 3.74; OLG Cel­le, Beschlüs­se vom 06.06.2011 – 13 Verg 2/​11; und vom 08.11.2012 – 13 Verg 7/​12[]
  2. vgl. auch BVerwG, Urteil vom 28.08.2003 – 4 C 9/​02; OLG Cel­le, Beschluss vom 08.11.2012 – 13 Verg 7/​12[]