Puma statt Pudel

Der Inha­ber einer bekann­ten Mar­ke kann die Löschung einer Mar­ke ver­lan­gen, die sich in ihrem Gesamt­erschei­nungs­bild in Form einer Par­odie an sei­ne Mar­ke anlehnt.

Puma statt Pudel

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall klag­te eine Sport­ar­ti­kel­her­stel­le­rin: die Inha­be­rin der deut­schen, auf Sport­klei­dung ver­wen­de­ten Wort-Bild-Mar­ke mit dem Schrift­zug "PUMA" und dem Umriss einer sprin­gen­den Raub­kat­ze. Der Beklag­te ist Inha­ber einer prio­ri­täts­jün­ge­ren deut­schen Wort-Bild-Mar­ke, die aus dem Schrift­zug "PUDEL" und dem Umriss eines sprin­gen­den Pudels besteht und seit Anfang 2006 unter ande­rem für Beklei­dungs­stü­cke sowie T‑Shirts regis­triert ist. Die Klä­ge­rin sah hier­in eine Ver­let­zung ihres Mar­ken­rechts.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ham­burg hat den Beklag­ten zur Ein­wil­li­gung in die Löschung sei­ner Mar­ke ver­ur­teilt 1. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Beklag­ten zurück­ge­wie­sen 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die Ent­schei­dung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts bestä­tigt und auch die Revi­si­on des Beklag­ten zurück­ge­wie­sen:

Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof ange­nom­men, dass die bei­den Zei­chen trotz der unüber­seh­ba­ren Unter­schie­de im Sin­ne des Mar­ken­rechts ein­an­der ähn­lich sind. Zwar ist die Ähn­lich­keit der Zei­chen nicht so groß, dass dadurch eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 Mar­kenG besteht. Der Beklag­te nutzt mit sei­nem Zei­chen die Unter­schei­dungs­kraft und die Wert­schät­zung der bekann­ten Mar­ke der Klä­ge­rin im Sin­ne von § 9 Abs. 1 Nr. 3 Mar­kenG aus. Er pro­fi­tiert von der Ähn­lich­keit der bei­den Mar­ken und erlangt dadurch eine Auf­merk­sam­keit, die er für sei­ne mit der Mar­ke gekenn­zeich­ne­ten Pro­duk­te ansons­ten nicht erhiel­te. Der Inha­ber einer bekann­ten Mar­ke kann die Löschung einer Mar­ke auch dann ver­lan­gen, wenn kei­ne Ver­wechs­lungs­ge­fahr vor­liegt, der Grad der Ähn­lich­keit zwi­schen den bei­den Mar­ken jedoch so groß ist, dass die betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se sie gedank­lich mit­ein­an­der ver­knüp­fen. Gegen­über dem Recht aus der bekann­ten Mar­ke kann sich der Beklag­te zur Recht­fer­ti­gung nicht mit Erfolg auf die Grund­rech­te auf freie künst­le­ri­sche Betä­ti­gung oder auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung beru­fen. Sei­ne Rech­te müs­sen gegen­über dem eben­falls durch die Ver­fas­sung geschütz­ten Mar­ken­recht der Klä­ge­rin zurück­tre­ten, weil der Grund­rechts­schutz dem Beklag­ten nicht die Mög­lich­keit ein­räumt, ein eige­nes Mar­ken­recht für iden­ti­sche oder ähn­li­che Waren ein­tra­gen zu las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. April 2015 – I ZR 59/​13

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 10. Febru­ar 2009 – 312 O 394/​08, BeckRS 2010, 02140[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 7. März 2013 – 5 U 39/​09, BeckRS 2015, 01706[]