Rabat­te im phar­ma­zeu­ti­schen Groß­han­del

Ohar­ma­zeu­ti­sche Groß­händ­ler sind nicht ver­pflich­tet, bei der Abga­be von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln an Apo­the­ken einen Min­dest­preis zu erhe­ben.

Rabat­te im phar­ma­zeu­ti­schen Groß­han­del

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof auf die Kla­ge der Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs gegen eine Phar­ma­groß­händ­le­rin, die ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel (soge­nann­te Rx-Arti­kel) ver­treibt. Sie warb in einem Infor­ma­ti­ons­blatt und in ihrem Inter­net­auf­tritt damit, dass sie ihren Apo­the­ken­kun­den auf alle Rx-Arti­kel bis 70 € einen Rabatt von 3% plus 2,5% Skon­to auf den rabat­tier­ten Preis und ab 70 € bis zur Hoch­preis­gren­ze einen Rabatt von 2% plus 2,5% Skon­to auf den rabat­tier­ten Preis gewäh­re. Die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs sah dar­in einen Ver­stoß gegen die Preis­vor­schrif­ten in § 78 des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes (AMG) und § 2 der Arz­nei­mit­tel­preis­ver­ord­nung (AMPreisV) in der seit dem 1. Janu­ar 2012 gel­ten­den Fas­sung. Sie hat die Phar­ma­groß­händ­le­rin auf Unter­las­sung und Ersatz von Abmahn­kos­ten in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Aschaf­fen­burg hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auf die Beru­fung der Wett­be­we­werbs­zen­tra­le hat das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg die Phar­ma­groß­händ­le­rin dage­gen antrags­ge­mäß ver­ur­teilt 2. Das OLG Bam­berg hat ange­nom­men, die Vor­schrift des § 2 Abs. 1 Satz 1 AMPreisV schrei­be dem phar­ma­zeu­ti­schen Groß­han­del bei der Abga­be von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln einen Fest­zu­schlag von min­des­tens 70 Cent vor. Die­ser Fest­zu­schlag dür­fe durch Preis­nach­läs­se nicht redu­ziert wer­den und müs­se stets erho­ben wer­den. Das Ver­hal­ten der Phar­ma­groß­händ­le­rin ste­he hier­mit nicht in Ein­klang. Der Bun­des­ge­richts­hof hat auf die Revi­si­on der Phar­ma­groß­händ­le­rin das klag­ab­wei­sen­de Urteil ers­ter Instanz wie­der­her­ge­stellt:

Die Vor­schrift des § 2 Abs. 1 Satz 1 AMPreisV legt für die Abga­be von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln mit den dort vor­ge­se­he­nen Groß­han­dels­zu­schlä­gen eine Preis­ober­gren­ze, aber kei­ne preis­li­che Unter­gren­ze fest.

Das ergibt sich für den Bun­des­ge­richts­hof sowohl aus dem Wort­laut der Vor­schrift selbst ("darf … höchs­tens … erho­ben wer­den") als auch aus dem Ver­gleich mit dem abwei­chen­den Wort­laut der Bestim­mung zu Apo­the­ken­zu­schlä­gen für Fer­tig­arz­nei­mit­tel in § 3 Abs. 2 Nr. 1 AMPreisV ("… ist zu erhe­ben …").

Der Groß­han­del ist danach nicht ver­pflich­tet, einen Min­dest­preis zu bean­spru­chen, der der Sum­me aus dem Abga­be­preis des phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mers, der Umsatz­steu­er und einem Fest­zu­schlag von 70 Cent ent­spricht. Er kann des­halb nicht nur auf den in § 2 Abs. 1 Satz 1 AMPreisV genann­ten preis­ab­hän­gi­gen, bis zur Höchst­gren­ze von 3,15 Pro­zent ver­än­der­li­chen Zuschlag, höchs­tens jedoch 37,80 Euro, son­dern auch auf den dar­in erwähn­ten Fest­zu­schlag von 70 Cent ganz oder teil­wei­se ver­zich­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Okto­ber 2017 – I ZR 172/​16

  1. LG Aschaf­fen­burg, Urteil vom 22.10.2015 – 1 HK O 24/​15, PharmR 2016, 56[]
  2. OLG Bam­berg, Urteil vom 29.06.2016 – 3 U 216/​15, WRP 2016, 1151[]