Rabat­te von der hol­län­di­schen Ver­sand­apo­the­ke?

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Fra­gen zur Ver­ein­bar­keit der Preis­bin­dungs­klau­seln im deut­schen Arz­nei­mit­tel­ge­setz mit euro­päi­schem Recht vor­ge­legt.

Rabat­te von der hol­län­di­schen Ver­sand­apo­the­ke?

Dem Vor­la­ge­be­schluss liegt ein Rechts­streit zwi­schen zwei Ver­ei­nen, dem "Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs e. V.", Bad Hom­burg, und dem "Deut­sche Par­kin­son Ver­ei­ni­gung e. V.", Neuss, zugrun­de. Letz­te­rer bewirbt gegen­über sei­nen Mit­glie­dern ein Bonus­sys­tem der nie­der­län­di­schen Ver­sand­apo­the­ke DocMor­ris N.V. Sofern bestimm­te rezept­pflich­ti­ge Par­kin­son-Medi­ka­men­te bei DocMor­ris in den Nie­der­lan­den bestellt und nach Deutsch­land ver­sandt wer­den, erhal­ten Neu­kun­den einen ein­ma­li­gen Betrag in Höhe von 5,00 € und auch bei Fol­ge­be­stel­lun­gen pro Rezept einen Bonus in Höhe von 2,50 €. Wei­ter­hin erhal­ten Kun­den einen Bonus in Höhe von 0,5% des Medi­ka­men­ten­wer­tes.

Der Klä­ger will dem Beklag­ten mit sei­nem in ers­ter Instanz erfolg­rei­chen Antrag die Wer­bung für das Rabatt­sys­tem von DocMor­ris unter­sa­gen las­sen, das Rabatt­sys­tem ver­sto­ße gegen § 78 Abs. 1 AMG.

Apo­the­ken sind in Deutsch­land bei der Abga­be rezept­pflich­ti­ger Medi­ka­men­te auf­grund des AMG an die fest­ge­setz­ten ein­heit­li­chen Abga­be­prei­se gebun­den, Rabat­te sind unzu­läs­sig. Für Apo­the­ken mit Sitz in einem ande­ren Mit­glied­staat der euro­päi­schen Uni­on, die ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­men­te im Wege des Ver­sand­han­dels an End­ver­brau­cher nach Deutsch­land abge­ben, gilt das Rabatt­ver­bot glei­cher­ma­ßen. Die­se vor­mals strei­ti­ge Fra­ge haben der gemein­sa­me Senat der obers­ten Bun­des­ge­rich­te als auch des Bun­des­ge­richts­hofs ent­spre­chend ent­schie­den und die ent­spre­chen­den Rege­lun­gen im AMG als mit dem Recht der Euro­päi­schen Uni­on für ver­ein­bar erklärt. Der Gesetz­ge­ber hat durch die Neu­fas­sung des § 78 AMG zwi­schen­zeit­lich die­ses Rabatt­ver­bot auch für aus­län­di­sche Apo­the­ken aus­drück­lich nor­miert (§ 78 Abs. 1 Satz 4 AMG n. F.: "Die Arz­nei­mit­tel­preis­ver­ord­nung… gilt auch für Arz­nei­mit­tel, die…in den Gel­tungs­be­reich die ses Geset­zes ver­bracht wer­den.").

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land jedoch auf­grund die­ser Preis­bin­dungs­re­ge­lun­gen ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ver­tritt die Auf­fas­sung, die Preis­bin­dung bei ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln stel­le eine Behin­de­rung des frei­en Waren­ver­kehrs inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on im Sin­ne des Art. 34 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on (AEUV) dar. Die Preis­bin­dungs­re­ge­lun­gen sei­en auch nicht durch Grün­de im Sin­ne des Art. 36 AEUV gerecht­fer­tigt, ins­be­son­de­re sei die­se Vor­schrift nicht zum Schutz der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung (hier durch Auf­recht­erhal­tung einer flä­chen­de­cken­den Prä­senz sta­tio­nä­rer Apo­the­ken) not­wen­dig.

Im Hin­blick auf die Ein­wän­de der Kom­mis­si­on hielt das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf eine Vor­la­ge an den Uni­ons­ge­richts­hof für ange­zeigt.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 24. März 2015 – 20 U 149/​13