Radar­aus­fall, Gene­ral­streik – und kei­ne Flug­gast­rech­te?

Bei Annul­lie­rung oder Ver­spä­tung von Flü­gen auf­grund eines Gene­ral­streiks oder eines Radar­aus­falls besteht kein Anspruch des Flug­gas­tes auf eine Aus­gleichs­zah­lung nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. a der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung 1 zu.

Radar­aus­fall, Gene­ral­streik – und kei­ne Flug­gast­rech­te?

In einem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall buch­ten die Klä­ger bei der Beklag­ten Hin- und Rück­flü­ge von Frank­furt am Main nach Mahón (Menor­ca). Der Hin­flug star­te­te ver­spä­tet und lan­de­te nicht wie vor­ge­se­hen um 21.55 Uhr, son­dern erst nach 1.00 Uhr. Auch der Rück­flug eine Woche spä­ter kam mit einer Ver­spä­tung von mehr als drei Stun­den in Frank­furt an. Die Ver­spä­tung des Hin­flugs war auf einen Gene­ral­streik in Grie­chen­land zurück­zu­füh­ren, von dem das ein­ge­setz­te Flug­zeug beim vor­he­ri­gen Umlauf betrof­fen war. Die Ver­spä­tung des Rück­flugs beruh­te auf einem Radar­aus­fall, eben­falls im grie­chi­schen Luft­raum, der wie­der­um die Ankunft des für den Rück­flug ein­ge­setz­ten Flug­zeugs in Mahón ver­zö­gert hat­te.

In einem zwei­ten eben­falls vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall buch­ten die Klä­ger einen Flug von Stutt­gart nach Pal­ma de Mal­lor­ca, des­sen Abflug und Ankunft sich wegen eines an die­sem Tag statt­fin­den­den Gene­ral­streiks in Grie­chen­land, der zu einer zeit­wei­sen Sper­rung des grie­chi­schen Luft­raums führ­te und die vor­an­ge­gan­ge­nen Flü­ge des ein­ge­setz­ten Flug­zeugs nach und von Grie­chen­land betraf, um mehr als drei Stun­den ver­spä­te­te.

In bei­den Fäl­len hat­te das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Amts­ge­richt Han­no­ver die Klä­ge­rin abge­wie­sen 2, die Beru­fun­gen der Klä­ger blie­ben vor dem Land­ge­richt Han­no­ver ohne Erfolg 3. In sei­nen Beru­fungs­ur­tei­len hat das Land­ge­richt Han­no­ver in bei­den Fäl­len ange­nom­men, dass die Ver­spä­tung der Flü­ge auf außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den im Sin­ne von Art. 5 Abs. 3 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung beruh­ten, die sich auch durch zumut­ba­re Maß­nah­men der Beklag­ten nicht hät­ten ver­mei­den las­sen. Mit den vom Land­ge­richt Han­no­ver in den Beru­fungs­ur­tei­len zuge­las­se­nen Revi­sio­nen haben die Klä­ger ihre Ansprü­che wei­ter­ver­folgt, schei­ter­ten nun aber auch vor dem Bun­des­ge­richts­hof:

Der Bun­des­ge­richts­hof befand, dass ein Gene­ral­streik sowie der im Vor­feld eines Flugs auf­ge­tre­te­ne Radar­aus­fall außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de im Sin­ne des Art. 5 Abs. 3 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung begrün­den. Streik und Radar­aus­fall wir­ken von außen auf den Flug­be­trieb und die gesam­te Tätig­keit des Luft­fahrt­un­ter­neh­mens ein und kön­nen von die­sem nicht beherrscht wer­den. Die hier­durch ver­ur­sach­ten Beein­träch­ti­gun­gen des Flug­plans des beklag­ten Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens (hier bei den Balea­ren­flü­gen) beru­hen damit ins­ge­samt auf außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den, auch soweit die unmit­tel­ba­re Stö­rung bei am sel­ben Tag vor­aus­ge­gan­ge­nen ande­ren Flü­gen des ein­ge­setz­ten Flug­zeugs (hier nach und aus Grie­chen­land) auf­ge­tre­ten ist. Die Beklag­te hat nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ver­sucht, ein Ersatz­flug­zeug zu char­tern, was nicht zuletzt wegen des auf­grund des Streiks erhöh­ten Bedarfs an Ersatz­flug­zeu­gen nicht gelang. Sie hat damit eine ihr zumut­ba­re Maß­nah­me ergrif­fen, um die Ver­spä­tung zu ver­mei­den. Dass die Beklag­te kein Ersatz­flug­zeug vor­ge­hal­ten hat, führt nicht zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 12. Juni 2014 – X ZR 104/​13 und X ZR 121/​13

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11.02.2004 über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen[]
  2. AG Han­no­ver, Urtei­le vom 31.01.2013 – 533 C 4600/​12; und vom 17.12.2012 – 447 C 3852/​12[]
  3. LG Han­no­ver, Urtei­le vom 17.07.2013 – 12 S 18/​13; und vom 02.09.2013 – 1 S 3/​13[]