Rech­nungs­hof­prü­fung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mern

Eine Prü­fung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mern durch einen Rech­nungs­hof ist bun­des­recht­lich zuläs­sig. Die Kla­ge der IHK Schwa­ben gegen die Prü­fung ihrer Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung durch den Baye­ri­schen Obers­ten Rech­nungs­hof ist heu­te in letz­ter Instanz vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt erfolg­los geblie­ben.

Rech­nungs­hof­prü­fung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mern

Die kla­gen­de Indus­trie- und Han­dels­kam­mer wen­det sich gegen eine Prü­fung ihrer Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung durch den Baye­ri­schen Obers­ten Rech­nungs­hof. Sie meint, das Gesetz zur vor­läu­fi­gen Rege­lung des Rechts der Indus­trie- und Han­dels­kam­mern schlie­ße das grund­sätz­lich in der Baye­ri­schen Haus­halts­ord­nung vor­ge­se­he­ne Prü­fungs­recht aus. Ihre Anfech­tungs­kla­ge hat­te in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Erfolg 1. Die vom Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on des beklag­ten Frei­staa­tes Bay­ern macht dage­gen gel­tend, das Beru­fungs­ur­teil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs tra­ge dem bun­des­recht­li­chen Grund­satz lücken­lo­ser umfas­sen­der Finanz­kon­trol­le nicht aus­rei­chend Rech­nung. Außer­dem miss­ver­ste­he es die Rege­lun­gen des IHK-Geset­zes. Dort wer­de nur eine vor In-Kraft-Tre­ten des Grund­ge­set­zes erlas­se­ne Ermäch­ti­gung zur Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung auf­ge­ho­ben, ohne ein Prü­fungs­recht des Rech­nungs­ho­fes grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat sein heu­te ver­kün­de­tes Urteil dar­auf gestützt, dass der haus­halts­recht­li­che Grund­satz lücken­lo­ser umfas­sen­der Finanz­kon­trol­le durch die Rech­nungs­hö­fe auch für die Indus­trie- und Han­dels­kam­mern gel­te. Aus­nah­men vom Prü­fungs­grund­satz könn­ten sich nur aus ent­spre­chen­den posi­ti­ven Rege­lun­gen oder aus einem "bered­ten Schwei­gen" des Geset­zes erge­ben, das im Sin­ne einer gewoll­ten Abwei­chung vom Prü­fungs­grund­satz zu ver­ste­hen sei. Bei­de Vor­aus­set­zun­gen sei­en hier nicht erfüllt. Das IHK-Gesetz schlie­ße eine Rech­nungs­hof­prü­fung der Kam­mern nicht aus. Soweit es vor Inkraft­tre­ten des Grund­ge­set­zes erlas­se­ne Prü­fungs­er­mäch­ti­gun­gen für unan­wend­bar erklä­re, hebe es nur die dort gere­gel­te Prü­fungs­pflicht auf und über­las­se es dem Lan­des­ge­setz­ge­ber, eine Prü­fung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mern durch die Lan­des­rech­nungs­hö­fe bei­zu­be­hal­ten oder aus­zu­schlie­ßen. Dies ent­spre­che der bun­des­staat­li­chen Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen für das Haus­halts- und Rech­nungs­prü­fungs­recht.

Nach die­ser Ent­schei­dung kön­nen die Indus­trie- und Han­dels­kam­mern sich, eben­so wie die Hand­werks­kam­mern ((vgl. BVerwG, Urteil vom 11.04.1995 – 1 C 34.92 -), nicht auf ein bun­des­recht­li­ches Ver­bot ihrer Prü­fung durch die Lan­des­rech­nungs­hö­fe beru­fen. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob das jewei­li­ge Lan­des­recht eine Aus­nah­me­re­ge­lung trifft, die den bun­des­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine Durch­bre­chung des Prü­fungs­grund­sat­zes genügt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2009 – 8 C 5.09

  1. VGH Mün­chen, Urteil vom 05.11.2007 – 22 BV 06.1281[]