Recht­li­ches Gehör bei der Mar­ken­lö­schung

Das recht­li­che Gehör des Antrag­stel­lers eines Löschungs­ver­fah­rens nach § 8 Abs. 2 Nr. 10, § 50 Abs. 1 Mar­kenG ist nicht schon dann ver­letzt, wenn das Bun­des­pa­tent­ge­richt nicht aus­drück­lich auf sämt­li­che Indi­zi­en ein­geht, die für eine Mar­ken­an­mel­dung zu Spe­ku­la­ti­ons­zwe­cken gel­tend gemacht wor­den sind.

Recht­li­ches Gehör bei der Mar­ken­lö­schung

Art. 103 Abs. 1 GG garan­tiert den Betei­lig­ten eines gericht­li­chen Ver­fah­rens, dass sie Gele­gen­heit haben, sich zu dem der gericht­li­chen Ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt und zur Rechts­la­ge zu äußern, und dass das Gericht das Vor­brin­gen zur Kennt­nis nimmt und bei sei­ner Ent­schei­dung in Erwä­gung zieht [1]. Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Gericht das Par­tei­vor­brin­gen zur Kennt­nis nimmt und bei sei­ner Ent­schei­dung berück­sich­tigt. Der Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet nicht dazu, jedes Vor­brin­gen eines Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten in den Grün­den einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu beschei­den [2]. Art. 103 Abs. 1 GG ist danach erst ver­letzt, wenn sich ein­deu­tig ergibt, dass das Gericht die­ser Pflicht nicht nach­ge­kom­men ist. Das ist etwa dann der Fall, wenn das Gericht auf den wesent­li­chen Kern des Tat­sa­chen­vor­trags eines Betei­lig­ten zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge nicht ein­geht [3].

Bun­des­ge­richs­hof, Beschluss vom 27. Okto­ber 2011 – I ZB 23/​11

  1. BVerfGE 86, 133, 145; BGH, Beschluss vom 20.05.2009 I ZB 53/​08, GRUR 2009, 992 Rn. 13 = WRP 2009, 1104 Schuh­ver­zie­rung[]
  2. BVerfGE 50, 287, 289 f.; 96, 205, 216 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 86, 133, 145 f.; BGH, Beschluss vom 30.04.2008 I ZB 4/​07, GRUR 2008, 731 Rn. 18 = WRP 2008, 1110 alpha­CAM[]