Rechts­be­schwer­de in Mar­ken­ver­fah­ren – und die Streit­wert­fest­set­zung

Die Fest­set­zung des Gegen­stand­werts für das Ver­fah­ren der Rechts­be­schwer­de nach § 83 Mar­kenG ist seit dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Ände­rung des patent­recht­li­chen Ein­spruchs­ver­fah­rens und des Patent­kos­ten­ge­set­zes vom 21.06.2006 1 am 1.07.2006 nicht mehr nach § 63 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 GKG ver­an­lasst, weil sich die Gerichts­ge­büh­ren für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nicht nach dem Streit­wert rich­ten, son­dern seit­dem eine Fest­ge­bühr für die Gerichts­kos­ten erho­ben wird, die nach Nr. 1255 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses (Anla­ge 1 zum GKG) 750 € beträgt und die sich im Fall der Zurück­nah­me der Rechts­be­schwer­de vor Ein­gang der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung auf 100 € ermä­ßigt (Nr. 1256 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses [Anla­ge 1 zum GKG]).

Rechts­be­schwer­de in Mar­ken­ver­fah­ren – und die Streit­wert­fest­set­zung

Eine Wert­fest­set­zung für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren hat des­halb allein für die Höhe der Anwalts­ge­büh­ren Bedeu­tung.

In einem der­ar­ti­gen Fall erfolgt eine Wert­fest­set­zung nach § 33 Abs. 1 RVG nur auf Antrag 2.

Der für die Rechts­an­walts­ge­büh­ren im vor­lie­gen­den Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren maß­geb­li­che Gegen­stands­wert bestimmt sich nach der Vor­schrift des § 23 Abs. 2 Satz 1 RVG, die auf § 23 Abs. 3 Satz 2 RVG ver­weist. Die­se Rege­lun­gen gel­ten für Beschwer­de­ver­fah­ren, in denen Gerichts­ge­büh­ren unab­hän­gig vom Aus­gang des Ver­fah­rens nicht erho­ben wer­den oder sich nicht nach dem Wert rich­ten. Sie sind auf Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren als beson­de­re Beschwer­de­ver­fah­ren anzu­wen­den, soweit dort Gerichts­ge­büh­ren nicht erho­ben wer­den oder sich – wie im Streit­fall – nicht nach dem Wert rich­ten 3. Sie gehen der das jewei­li­ge Aus­gangs­ver­fah­ren betref­fen­den all­ge­mei­nen Rege­lung des § 23 Abs. 1 Satz 2 RVG vor, die auf die Wert­vor­schrif­ten der §§ 39 bis 60 GKG in den Unter­ab­schnit­ten 1 und 2 im Abschnitt 7 des Gerichts­kos­ten­ge­set­zes und dort auf § 51 Abs. 1 GKG ver­weist 4. Nach der maß­geb­li­chen Vor­schrift des § 23 Abs. 3 Satz 2 RVG ist der Gegen­stands­wert nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men 5.

Maß­geb­lich für die Fest­set­zung des Gegen­stands­werts des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens im Mar­ken­lö­schungs­streit ist das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Mar­ken­in­ha­bers an der Auf­recht­erhal­tung sei­ner Mar­ke 6. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­spricht die Fest­set­zung des Gegen­stands­wer­tes für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren in einem Mar­ken­lö­schungs­streit auf 50.000 € im Regel­fall bil­li­gem Ermes­sen 7. Im Ein­zel­fall kann der Wert ange­sichts des Inter­es­ses des Mar­ken­in­ha­bers an der Auf­recht­erhal­tung sei­ner umfäng­lich benutz­ten Mar­ke auch deut­lich dar­über lie­gen 8. So liegt auch der Streit­fall.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit dem ange­grif­fe­nen Streit­wert­be­schluss das Inter­es­se der Mar­ken­in­ha­be­rin an der Auf­recht­erhal­tung ihrer gel­ben Farb­mar­ke nicht zu hoch bemes­sen. Im par­al­le­len Ver­let­zungs­ver­fah­ren 9, mit dem sich die Mar­ken­in­ha­be­rin gegen die Ver­wen­dung einer gel­ben Far­be durch die Antrag­stel­le­rin gewen­det hat, hat der Bun­des­ge­richts­hof den Streit­wert auf 260.000 € fest­ge­setzt. Das Inter­es­se der Mar­ken­in­ha­be­rin am Bestand ihrer Farb­mar­ke ist höher zu bemes­sen als ihr Inter­es­se, ihre Mar­ke vor Ver­let­zun­gen zu schüt­zen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat es des­halb für ange­mes­sen erach­tet, das Bestands­in­ter­es­se der Mar­ken­in­ha­be­rin mit etwa dem Dop­pel­ten des Wer­tes des Ver­let­zungs­ver­fah­rens zu bewer­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juli 2015 – I ZB 61/​13

  1. BGBl. I, S. 1318
  2. vgl. Büscher in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 3. Aufl., § 90 Mar­kenG Rn. 12
  3. BGH, Beschluss vom 30.07.2012 – IX ZB 165/​10, NJW-RR 2012, 1257
  4. aA Knoll in Ströbele/​Hacker, Mar­kenG, 11. Aufl., § 90 Rn.20
  5. im Ergeb­nis eben­so BGH, Beschluss vom 16.03.2006 – I ZB 48/​05
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 16.03.2006 – I ZB 48/​05 2
  7. BGH, Beschluss vom 16.03.2006 – I ZB 48/​05 2; Büscher in Büscher/​Dittmer/​Schiwy aaO § 90 Mar­kenG Rn. 13
  8. BGH, Beschluss vom 25.10.2007 – I ZB 22/​04, GRUR 2008, 510 = WRP 2008, 791 – Milch­schnit­te: 100.000 €; Beschluss vom 13.03.2008 – I ZB 53/​05, GRUR 2008, 900 = WRP 2008, 1338 – SPA II: 100.000 €; Beschluss vom 23.10.2008 – I ZB 48/​07, GRUR 2009, 669 = WRP 2009, 815 – POST II: 200.000 €; Beschluss vom 02.04.2009 – I ZB 94/​06, GRUR 2009, 954 = WRP 2009, 1250Kin­der III: 500.000 €; Beschluss vom 06.11.2013 – I ZB 59/​12, GRUR 2014, 565 = WRP 2014, 576 – smart­book: 250.000 €; Beschluss vom 17.10.2013 – I ZB 65/​12, GRUR 2014, 483 Rn. 8 = WRP 2014, 438 – test: 500.000 €
  9. BGH – I ZR 228/​12