Regu­lie­rung des "Bitstrom"-Marktes teil­wei­se rechts­wid­rig

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te einer Kla­ge der Deut­schen Tele­kom AG gegen die Regu­lie­rung des Mark­tes für "Bit­strom-Zugang" teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Bit­strom-Zugang ist ein Vor­leis­tungs­pro­dukt, das Wett­be­wer­ber bei dem Markt­füh­rer Deut­sche Tele­kom nach­fra­gen, um ihrer­seits breit­ban­di­ge digi­ta­le Daten­über­tra­gungs­diens­te, ins­be­son­de­re Inter­net­diens­te, auf dem End­kun­den­markt anbie­ten zu kön­nen.

Regu­lie­rung des "Bitstrom"-Marktes teil­wei­se rechts­wid­rig

Für das Ange­bot breit­ban­di­ger Daten­trans­port­diens­te stan­den den Wett­be­wer­bern, soweit sie nicht über eine voll­stän­di­ge eige­ne Netz­in­fra­struk­tur ver­fü­gen, bis­lang zwei Alter­na­ti­ven zur Ver­fü­gung: Ent­we­der konn­ten sie Zugang zur Teil­neh­mer­an­schluss­lei­tung der Klä­ge­rin erhal­ten, muss­ten dafür aber mit erheb­li­chem Inves­ti­ti­ons­auf­wand alle ca. 8 000 Haupt­ver­tei­ler erschlie­ßen; oder sie konn­ten den Breit­band­an­schluss der Klä­ge­rin an ihre eige­nen End­nut­zer wei­ter­ver­kau­fen ("Resa­le DSL") und sich die Breit­band­ver­bin­dun­gen über das Kon­zen­tra­tor­netz der Klä­ge­rin zufüh­ren las­sen. Bei die­ser Zufüh­rung kann die Über­ga­be des Breit­band­ver­kehrs an einem der über­ge­ord­ne­ten 74 Netz­kno­ten ("PoPs") im Netz der Klä­ge­rin erfol­gen.

Die Bun­des­netz­agen­tur führ­te in Bezug auf den Bit­strom-Zugang ein Markt­de­fi­ni­ti­ons- und Markt­ana­ly­se­ver­fah­ren durch. Nach dem Rechts­stand­punkt der Regu­lie­rungs­be­hör­de ist für den Bit­strom-Zugang wesent­lich, dass die Wett­be­wer­ber der Deut­schen Tele­kom die Mög­lich­keit einer indi­vi­du­el­len, an den Kun­den­wün­schen ori­en­tier­ten Qua­li­täts­dif­fe­ren­zie­rung haben. Nach Ansicht der Behör­de bot die Tele­kom ihren Wett­be­wer­bern die­se Mög­lich­keit auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Vor­leis­tungs­pro­duk­te nicht in aus­rei­chen­dem Maße an, weil die­se Pro­duk­te qua­li­ta­tiv an die Leis­tun­gen gebun­den sind, die die Tele­kom ihren eige­nen End­kun­den anbie­tet. Des­halb erleg­te ihr die Bun­des­netz­agen­tur u.a. die Ver­pflich­tung auf, ande­ren Unter­neh­men auf Nach­fra­ge Bit­strom-Zugang durch die Über­las­sung von DSL-Anschlüs­sen, und zwar in sämt­li­chen tech­ni­schen Vari­an­ten, und den Daten­trans­port über ihr Kon­zen­tra­tor­netz zu gewäh­ren. Fer­ner leg­te sie fest, dass die Zugangs­ent­gel­te der vor­he­ri­gen Geneh­mi­gung unter­lie­gen, und erleg­te der Klä­ge­rin die Pflicht zur Ver­öf­fent­li­chung eines Stan­dar­d­an­ge­bots auf.

Die Kla­ge der Deut­schen Tele­kom wur­de vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln abge­wie­sen. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te teil­wei­se Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te zwar grund­sätz­lich die Regu­lie­rungs­be­dürf­tig­keit des Vor­leis­tungs­mark­tes für Bit­strom-Zugang. Es bean­stan­de­te aber die Ent­schei­dung der Bun­des­netz­agen­tur zur Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­pflicht, da die Behör­de nicht abge­wo­gen hat­te, ob statt­des­sen eine die Tele­kom weni­ger belas­ten­de nach­träg­li­che Ent­geltre­gu­lie­rung aus­ge­reicht hät­te. Aus ent­spre­chen­den Grün­den hob es fer­ner die Stan­dar­d­an­ge­bots­pflicht auf.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Janu­ar 2009 – 6 C 39.07