Resel­ler­ver­trag

Bei der Bemes­sung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus § 97 Abs. 1 UrhG 1 neu gere­gelt wor­den (§ 97 Abs. 2 UrhG). Für die Beur­tei­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht kommt es aber allein auf die Rechts­la­ge zum Zeit­punkt der behaup­te­ten Rechts­ver­let­zung an 2. Da es in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Streit­fall um angeb­li­che Rechts­ver­let­zun­gen in den Jah­ren 2003 und 2004 geht, war für das Urteil des BGH daher auch die alte Rechts­la­ge (§ 97 Abs. 1 UrhG a.F.) maß­geb­lich.

Resel­ler­ver­trag

Dem Gläu­bi­ger des Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus § 97 Abs. 1 UrhG a.F. ste­hen – nach sei­ner Wahl – drei ver­schie­de­ne Berech­nungs­ar­ten zur Ver­fü­gung: die kon­kre­te Scha­dens­be­rech­nung, die den ent­gan­ge­nen Gewinn ein­schließt, die Her­aus­ga­be des Ver­let­zer­ge­winns (§ 97 Abs. 1 Satz 2 UrhG a.F.) und die Zah­lung einer ange­mes­se­nen Lizenz­ge­bühr 3. Bei der – im Streit­fall von der Klä­ge­rin gewähl­ten – Scha­dens­be­rech­nung nach den Grund­sät­zen der Lizenz­ana­lo­gie ist zu fra­gen, was ver­nünf­ti­ge Ver­trags­part­ner bei Abschluss eines Lizenz­ver­tra­ges als Ver­gü­tung für die Benut­zungs­hand­lung des Ver­let­zers ver­ein­bart hät­ten. Hier­für ist der objek­ti­ve Wert der ange­maß­ten Benut­zungs­be­rech­ti­gung zu ermit­teln. Die­ser besteht in der ange­mes­se­nen und übli­chen Lizenz­ge­bühr 4.

Die Höhe der danach als Scha­dens­er­satz zu zah­len­den Lizenz­ge­bühr ist vom Tatrich­ter gemäß § 287 ZPO unter Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls nach sei­ner frei­en Über­zeu­gung zu bemes­sen. Vom Revi­si­ons­ge­richt ist nur zu prü­fen, ob die Scha­dens­schät­zung auf grund­sätz­lich fal­schen oder offen­bar unsach­li­chen Über­le­gun­gen beruht oder ob wesent­li­che Tat­sa­chen außer Acht gelas­sen wor­den sind, ins­be­son­de­re, ob schät­zungs­be­grün­den­de Tat­sa­chen, die von den Par­tei­en vor­ge­bracht wor­den sind oder sich aus der Natur der Sache erge­ben, nicht gewür­digt wor­den sind 5.

Steht – wie im Streit­fall – fest, dass ein Scha­den ent­stan­den ist, und lässt sich die­ser aus Grün­den, die nicht im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Geschä­dig­ten, son­dern in der Natur der Sache lie­gen, nicht ver­läss­lich bestim­men, so hat das Gericht den Scha­den zu schät­zen, sofern hier­für nicht aus­nahms­wei­se jeg­li­che Anhalts­punk­te feh­len 6. Auch wenn an Art und Umfang der vom Geschä­dig­ten bei­zu­brin­gen­den Schät­zungs­grund­la­gen nur gerin­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len sind, muss der Tatrich­ter für die Scha­dens­schät­zung gesi­cher­te Grund­la­gen haben. Die Vor­schrift des § 287 ZPO zielt zwar auf eine Ver­ein­fa­chung und Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens ab und nimmt in Kauf, dass die rich­ter­li­che Schät­zung unter Umstän­den nicht mit der Wirk­lich­keit über­ein­stimmt; sie recht­fer­tigt es aber nicht, in einer für die Streit­ent­schei­dung zen­tra­len Fra­ge auf nach Sach­la­ge uner­läss­li­che Erkennt­nis­se zu ver­zich­ten 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. März 2009 – I ZR 44/​06

  1. hier: in der Fas­sung vom 23.06.1995) nach den Grund­sät­zen der Lizenz­ana­lo­gie sind nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs Ersatz­zah­lun­gen, die der Ver­let­zer sei­nen Ver­trags­part­nern wegen deren Inan­spruch­nah­me durch den Ver­letz­ten erbringt, nicht abzu­zie­hen.

    Der Anspruch auf Scha­dens­er­satz wegen einer Urhe­ber­rechts­ver­let­zung ist durch das am 1. Sep­tem­ber 2008 in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Durch­set­zung von Rech­ten des geis­ti­gen Eigen­tums vom 7. Juli 2008 ((BGBl. I, S. 1191[]

  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.12.2008 – I ZR 63/​06, juris Tz. 22 – Motor­rad­rei­ni­ger[]
  3. BGH, Urteil vom 22.9.1999 – I ZR 48/​97, GRUR 2000, 226, 227 = WRP 2000, 101 – Pla­nungs­map­pe, m.w.N.[]
  4. BGH, Urteil vom 29.5.1962 – I ZR 132/​60, GRUR 1962, 509, 513 – Dia-Rähm­chen II; Urteil vom 6.10.2005 – I ZR 266/​02, GRUR 2006, 136 Tz. 23 = WRP 2006, 274Pres­se­fo­tos[]
  5. BGH GRUR 1962, 509, 513 – Dia-Rähm­chen II; GRUR 2006, 136 Tz. 24 – Pres­se­fo­tos[]
  6. vgl. BGHZ 119, 20, 30 f. – Tchibo/​Rolex II, zur Scha­dens­schät­zung im Wett­be­werbs­recht[]
  7. BGH, GRUR 2006, 136 Tz. 28 – Pres­se­fo­tos, m.w.N.[]