Rezep­te sam­meln im Super­markt

Ein Apo­the­ker darf im Ein­gangs­be­reich eines Lebens­mit­tel­mark­tes kei­ne Ein­rich­tung zum Ein­sam­meln von Rezep­ten für ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel unter­hal­ten und für die­se wer­ben, wenn so bestell­te Arz­nei­mit­tel in der Apo­the­ke abge­holt oder durch einen Boten der Apo­the­ke aus­ge­lie­fert wer­den sol­len. Das hat der 4. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm am 12.05.2015 unter Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung ent­schie­den und damit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Bochum abge­än­dert.

Rezep­te sam­meln im Super­markt

In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Fall ver­lang­te die kla­gen­de Apo­the­ken­in­ha­be­rin aus Her­ne von ihrer Kon­kur­ren­tin, eben­falls Inha­be­rin von Apo­the­ken in Her­ne, es zu unter­las­sen, im Ein­gangs­be­reich eines Lebens­mit­tel­mark­tes in Her­ne eine Ein­rich­tung zum Sam­meln von Rezep­ten für ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel zu unter­hal­ten und für die­se zu wer­ben. Bei der mit einer Wer­be­ta­fel und Wer­be­fly­ern bewor­be­nen Sam­mel­stel­le der Beklag­ten kön­nen Kun­den Rezep­te in Umschlä­gen in eine Sam­mel­box ein­wer­fen. Dabei kön­nen die Kun­den wäh­len, ob sie die Arz­nei­mit­tel in der Apo­the­ke der Beklag­ten selbst abho­len oder durch einen Boten der Apo­the­ke aus­ge­lie­fert erhal­ten woll­ten. Die Klä­ge­rin war der Ansicht, dass die Beklag­te eine nach der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung unzu­läs­si­ge und zudem behörd­lich nicht geneh­mig­te Rezept­sam­mel­stel­le unter­hal­te. Im Wege der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung hat sie ver­langt, der Beklag­ten das Unter­hal­ten und Bewer­ben der Sam­mel­stel­le im Bereich des Lebens­mit­tel­mark­tes zu unter­sa­gen. Die Beklag­te, die über eine Erlaub­nis zum Ver­sand von apo­the­ken­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln ver­fügt, hat dem­ge­gen­über gemeint, die Sam­mel­stel­le als Teil des ihr erlaub­ten Ver­sand­han­dels betrei­ben zu dür­fen. Der Ver­fü­gungs­an­trag war erfolg­reich, das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat der Beklag­ten das Unter­hal­ten und Bewer­ben der infra­ge ste­hen­den Ein­rich­tung zum Ein­sam­meln von Rezep­ten für ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel unter­sagt:

Mit der Sam­mel­stel­le unter­hal­te die Beklag­te eine Rezept­sam­mel­stel­le im Sin­ne der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung und betrei­be nicht ledig­lich den ihr erlaub­ten Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln. Über die Sam­mel­stel­le bie­te sie näm­lich das Abho­len oder Aus­lie­fern der bestell­ten Medi­ka­men­te in einer Wei­se an, für die die Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung Regeln auf­stel­le. Dabei stel­le die Sam­mel­stel­le auch nicht ledig­lich eine "Pick-Up-Stel­le" im Sin­ne der apo­the­ken­recht­li­chen Recht­spre­chung dar, weil sie kei­ne Stel­le zum Abho­len von Medi­ka­men­ten sei.

Mit dem Betrieb der Rezept­sam­mel­stel­le ver­sto­ße die Beklag­te gegen die Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung. Über die nach der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung not­wen­di­ge Erlaub­nis für den Betrieb einer Rezept­sam­mel­stel­le, ver­fü­ge sie nicht. Zudem dür­fe nach der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung eine Rezept­sam­mel­stel­le nicht in einem Gewer­be­be­trieb unter­hal­ten wer­den. Auch dage­gen ver­sto­ße die Rezept­sam­mel­stel­le der Beklag­ten, die in einem Lebens­mit­tel­su­per­markt und mit­hin in einem Gewer­be­be­trieb im Sin­ne der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung plat­ziert wor­den sei.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 12. Mai 2015 – 4 U 53/​15