Rhein­park-Cen­ter Neuss – die Orts­be­schrei­bung als Mar­ke

Die ange­mel­de­te Mar­ke "Rhein­park-Cen­ter Neuss" beschreibt den Ort, an dem die bean­spruch­ten Dienst­leis­tun­gen ange­bo­ten oder erbracht wer­den, und unter­fällt im Regel­fall dem Schutz­hin­der­nis des § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG.

Rhein­park-Cen­ter Neuss – die Orts­be­schrei­bung als Mar­ke

Für die Fra­ge des Vor­lie­gens eines Schutz­hin­der­nis­ses nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG kommt es nicht dar­auf an, wie das Zei­chen vom Anmel­der ver­wen­det wird oder ver­wen­det wer­den soll.

^Nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG sind unter ande­rem sol­che Mar­ken von der Ein­tra­gung aus­ge­schlos­sen, die aus­schließ­lich aus Zei­chen oder Anga­ben bestehen, die im Ver­kehr zur Bezeich­nung der Art, der Bestim­mung, der geo­gra­phi­schen Her­kunft oder zur Bezeich­nung sons­ti­ger Merk­ma­le der Waren oder Dienst­leis­tun­gen die­nen kön­nen. Die­se auf Art. 3 Abs. 1 Buchst. c Mar­ken­RL beru­hen­de Vor­schrift ver­folgt das im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­de Ziel, dass beschrei­ben­de Zei­chen oder Anga­ben im Sin­ne der Bestim­mung von jeder­mann frei ver­wen­det wer­den kön­nen 1.

Die Bezeich­nung "Rhein­park-Cen­ter Neuss" erschöpft sich in der beschrei­ben­den Anga­be des Erbrin­gungs­or­tes der ange­mel­de­ten Dienst­leis­tun­gen. Der Annah­me einer beschrei­ben­den Anga­be steht nicht ent­ge­gen, dass das aus meh­re­ren Bestand­tei­len zusam­men­ge­setz­te Zei­chen "Rhein­park-Cen­ter Neuss" lexi­ka­lisch nicht nach­ge­wie­sen ist. Im All­ge­mei­nen ohne Vor­nah­me einer unge­wöhn­li­chen Ände­rung ins­be­son­de­re syn­tak­ti­scher oder seman­ti­scher Art bleibt die blo­ße Kom­bi­na­ti­on von Bestand­tei­len, von denen jeder Merk­ma­le der Waren der Dienst­leis­tun­gen beschreibt, für die die Ein­tra­gung bean­tragt wird, selbst für die­se Merk­ma­le beschrei­bend, auch wenn sie eine sprach­li­che Neu­schöp­fung dar­stellt 2.

Von die­sen Maß­stä­ben ist in der Vor­in­stanz auch das Bun­des­pa­tent­ge­richt aus­ge­gan­gen. Es hat – nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs zutref­fend – aus­ge­führt, der Ver­kehr sei dar­an gewöhnt, im Geschäfts­le­ben stän­dig mit neu­en Begrif­fen kon­fron­tiert zu wer­den, durch die ihm sach­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen ledig­lich in ein­präg­sa­mer Form über­mit­telt wer­den sol­len. Der Durch­schnitts­ver­brau­cher wer­de auch bis­her noch nicht ver­wen­de­te, ihm aber gleich­wohl ver­ständ­li­che Sach­aus­sa­gen als sol­che auf­fas­sen. So lie­ge es auch bei der hier ange­mel­de­ten, nicht unge­wöhn­lich gebil­de­ten Wort­kom­bi­na­ti­on. Das ange­mel­de­te Zei­chen set­ze sich sprach­üb­lich aus Wör­tern der deut­schen All­tags­spra­che, näm­lich der geo­gra­phi­schen Her­kunfts­an­ga­be "Rhein", dem Sub­stan­tiv "park", dem mit einem Bin­de­strich ver­bun­de­nen, in die deut­sche Spra­che ein­ge­gan­ge­nen eng­li­schen Begriff "Cen­ter" und der geo­gra­phi­schen Her­kunfts­an­ga­be "Neuss" zusam­men. Die ange­mel­de­te Mar­ke sei des­halb auch in ihrer Gesamt­heit beschrei­bend und bezeich­ne ein in einem Park oder einer park­ähn­li­chen Umge­bung in der (unmit­tel­ba­ren) Nähe zum Rhein in oder im Ein­zugs­be­reich der Stadt Neuss gele­ge­nes Ein­kaufs- oder Dienst­leis­tungs­zen­trum und damit den Ort der Erbrin­gung oder des Ange­bots der ange­mel­de­ten Dienst­leis­tun­gen. Die­se tatrich­ter­li­che Beur­tei­lung des Bun­des­pa­tent­ge­richts, aus der sich der beschrei­ben­de Cha­rak­ter der ange­mel­de­ten Wort­mar­ke ergibt, lässt kei­nen Rechts­feh­ler erken­nen.

Das Ein­tra­gungs­hin­der­nis nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG setzt auch kei­ne die Dienst­leis­tun­gen unmit­tel­bar beschrei­ben­de Anga­be vor­aus. Anga­ben, die sich auf Umstän­de bezie­hen, die die Ware oder Dienst­leis­tung selbst nicht unmit­tel­bar betref­fen, kön­nen eben­falls einem Schutz­hin­der­nis unter­fal­len, sofern durch die Anga­be ein enger beschrei­ben­der Bezug zu den ange­mel­de­ten Waren oder Dienst­leis­tun­gen her­ge­stellt wird und des­halb die Annah­me gerecht­fer­tigt ist, der Ver­kehr wer­de den beschrei­ben­den Inhalt des Begriffs als sol­chen ohne wei­te­res und ohne Unklar­hei­ten erfas­sen 3. An einem sol­chen hin­rei­chend engen Bezug zur Ware oder Dienst­leis­tung kann es zwar feh­len, wenn mit der Anga­be eine von der Ware oder Dienst­leis­tung selbst ver­schie­de­ne Zusatz­leis­tung und damit eine blo­ße Ver­triebs­mo­da­li­tät bezeich­net wird 4. Dage­gen ist der Ort, an dem die in Rede ste­hen­den Dienst­leis­tun­gen erbracht oder ange­bo­ten wer­den, kei­ne blo­ße Ver­triebs­mo­da­li­tät, son­dern die Bezeich­nung der geo­gra­phi­schen Her­kunft, die zu den in § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG ange­führ­ten frei­hal­te­be­dürf­ti­gen Anga­ben zählt.

Das Bun­des­pa­tent­ge­richt hat nach die­sen Grund­sät­zen rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt, dass der mit dem Zei­chen "Rhein­park-Cen­ter Neuss" beschrie­be­ne Ort der­je­ni­ge ist, an dem oder von dem aus nach Auf­fas­sung der ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se die ange­mel­de­ten Dienst­leis­tun­gen ange­bo­ten oder erbracht wer­den kön­nen. Das Zei­chen beschreibt damit ohne wei­te­res die geo­gra­phi­sche Her­kunft der durch die Anmel­dung bean­spruch­ten Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne des § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG.

Unbe­acht­lich ist für den Bun­des­ge­richts­hof inso­weit auch der Ein­wand, wonach sich das als "Rhein­park-Cen­ter Neuss" bezeich­ne­te Ein­kaufs­zen­trum weder in unmit­tel­ba­rer Nähe des Rheins noch in einem Park befin­de und daher auch kein rein beschrei­ben­der Inhalt ange­nom­men wer­den kön­ne. Die­ser Ein­wand ist bereits des­halb unbe­acht­lich, weil es für die Annah­me eines Schutz­hin­der­nis­ses nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG im Rah­men des Ein­tra­gungs­ver­fah­rens nicht auf eine bereits tat­säch­lich statt­fin­den­de Ver­wen­dung des Zei­chens ankommt.

Aller­dings ver­langt die Annah­me eines Schutz­hin­der­nis­ses gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG eine beschrei­ben­de Bedeu­tung des Zei­chens im Hin­blick auf die kon­kret bean­spruch­ten Waren und Dienst­leis­tun­gen 5. Die Ein­tra­gungs­in­stan­zen müs­sen des­halb hin­sicht­lich jeder der in Rede ste­hen­den Waren und Dienst­leis­tun­gen das Vor­lie­gen von Schutz­hin­der­nis­sen bei der ange­mel­de­ten Mar­ke prü­fen. Das schließt aber nicht aus, dass sie sich auf eine glo­ba­le Begrün­dung für alle betrof­fe­nen Waren oder Dienst­leis­tun­gen beschrän­ken kön­nen, wenn das­sel­be Ein­tra­gungs­hin­der­nis einer Kate­go­rie oder einer Grup­pe von Waren oder Dienst­leis­tun­gen ent­ge­gen­ge­hal­ten wird 6. Auch muss der Ver­kehr die Bedeu­tung der ange­mel­de­ten Mar­ke "Rhein­park-Cen­ter Neuss" im Hin­blick auf die bean­spruch­ten Dienst­leis­tun­gen nicht erst durch Aus­le­gung ermit­teln.

Ob die Ein­tra­gung auch wegen des Schutz­hin­der­nis­ses des Feh­lens jeg­li­cher Unter­schei­dungs­kraft 7 zu ver­sa­gen ist, kann für den Bun­des­ge­richts­hof offen­blei­ben. Unge­ach­tet der Über­schnei­dun­gen, wie sie im Ein­zel­fall bei der Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen der Schutz­hin­der­nis­se gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 Mar­kenG bestehen kön­nen, reicht für die Ableh­nung der Ein­tra­gung der ange­mel­de­ten Mar­ke das Vor­lie­gen eines die­ser von­ein­an­der recht­lich unab­hän­gig anwend­ba­ren Schutz­hin­der­nis­ses aus 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juni 2011 – I ZB 78/​10

  1. EuGH, Urteil vom 04.05.1999 – C108/​97 und C109/​97, Slg.1999, I2779 = GRUR 1999, 723 Rn. 25 – Chiem­see; Urteil vom 12.02.2004 C363/​99, Slg.2004, I1619 = GRUR 2004, 674 Rn. 54 – Post­kan­toor; BGH, Beschluss vom 27.04.2006 – I ZB 96/​05, BGHZ 167, 278 Rn. 35 – FUSSBALL WM 2006[]
  2. zu Art. 3 Abs. 1 Buchst. c Mar­ken­RL EuGH, Urteil vom 12.02.2004 C265/​00, Slg.2004, I1699 = GRUR 2004, 680 Rn. 39 BIOMILD; EuGH, GRUR 2004, 674 Rn. 98 Post­kan­toor; EuGH, Urteil vom 25.02.2010 C408/​08, Slg.2010, I1347 = GRUR 2010, 931 Rn. 63 COLOR EDITION[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2008 – I ZB 53/​05, GRUR 2008, 900 Rn. 15 = WRP 2008, 1338 SPA II; zu § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG BGHZ 167, 278 Rn.19 FUSSBALL WM 2006; BGH, Beschluss vom 15.01.2009 I ZB 30/​06, GRUR 2009, 411 Rn. 9 = WRP 2009, 439 STREETBALL; Beschluss vom 22.01.2009 I ZB 52/​08, GRUR 2009, 952 Rn. 10 = WRP 2009, 960 Deutsch­land­Card[]
  4. BGH, Beschluss vom 23.10.1997 I ZB 18/​95, GRUR 1998, 465, 467 = WRP 1998, 492 BONUS[]
  5. EuGH, GRUR 2004, 674 Rn. 33 Post­kan­toor[]
  6. EuGH, Urteil vom 15.02.2007 C239/​05, Slg.2007, I1455 = GRUR 2007, 425 Rn. 37 f. The Kit­chen Com­pa­ny; Beschluss vom 09.12.2009 C494/​08, Slg.2009, I210 = GRUR 2010, 534 Rn. 46 PRANAHAUS[]
  7. § 8 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG[]
  8. EuGH, Urteil vom 08.05.2008 – C304/​06, Slg. I2008, 3297 Rn. 54 = GRUR 2008, 608 – EUROHYPO, mwN[]