ROLLER's Metro – Bran­chen­nä­he zwi­schen Fach­han­del und Groß­han­del

Zwi­schen Fach­han­del und Cash&Carry-Märkten als For­men des Ver­triebs an Gewer­be­trei­ben­de besteht eine beträcht­li­che Bran­chen­nä­he.

ROLLER's Metro – Bran­chen­nä­he zwi­schen Fach­han­del und Groß­han­del

Der Schutz des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens und Unter­neh­mens­schlag­worts nach § 5 Abs. 2 Mar­kenG umfasst auch die pro­dukt­kenn­zeich­nen­de oder mar­ken­mä­ßi­ge Ver­wen­dung 1. Die Ver­wechs­lungs­ge­fahr im Sin­ne des § 15 Abs. 2 Mar­kenG ist unter Berück­sich­ti­gung aller maß­geb­li­chen Umstän­de zu beur­tei­len, wobei eine Wech­sel­wir­kung zwi­schen dem Ähn­lich­keits­grad der ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Bezeich­nun­gen, der Kenn­zeich­nungs­kraft des Kenn­zei­chens der Klä­ge­rin und dem wirt­schaft­li­chen Abstand der Tätig­keits­ge­bie­te der Par­tei­en besteht 2.

Für die Beur­tei­lung der Bran­chen­nä­he kommt es in ers­ter Linie auf die Pro­dukt­be­rei­che und Arbeits­ge­bie­te an, die nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung typisch für die Par­tei­en sind. Anhalts­punk­te für eine Bran­chen­nä­he kön­nen Berüh­rungs­punk­te der Waren oder Dienst­leis­tun­gen der Unter­neh­men auf den Märk­ten sowie Gemein­sam­kei­ten der Ver­triebs­we­ge und der Ver­wend­bar­keit der Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen sein. In die Beur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen sind nahe­lie­gen­de und nicht nur theo­re­ti­sche Aus­wei­tun­gen der Tätig­keits­be­rei­che der Par­tei­en. Im Ein­zel­fall kön­nen auch Über­schnei­dun­gen in Rand­be­rei­chen der Unter­neh­mens­tä­tig­kei­ten zu berück­sich­ti­gen sein 3.

In dem für das Unter­neh­mens­kenn­zei­chen "METRO" der Klä­ge­rin maß­geb­li­chen Bereich der Cash↦Carry-Großhandelsmärkte, in denen Wie­der­ver­käu­fer und Gewer­be­trei­ben­de ein­kau­fen kön­nen, beschränkt sich die Bran­chen­nä­he nicht auf die Dienst­leis­tung des Betrei­bens von Kauf­häu­sern und Groß­märk­ten, son­dern umfasst nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung auch sämt­li­che Waren und Dienst­leis­tun­gen, die übli­cher­wei­se in Groß­han­dels­märk­ten ange­bo­ten wer­den 4.

In Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist eine beträcht­li­che Bran­chen­nä­he zwi­schen den Tätig­keits­be­rei­chen der Par­tei­en nicht zu ver­nei­nen. Die Klä­ge­rin bie­tet in ihren Cash&Carry-Märkten Gewer­be­trei­ben­den ein umfas­sen­des Waren­sor­ti­ment an, zu dem auch Werk­zeu­ge, Werk­zeug­ma­schi­nen und ins­be­son­de­re elek­tri­sche Hoch­druck­rei­ni­gungs­ge­rä­te für all­ge­mei­ne hand­werk­li­che Ein­satz­ge­bie­te gehö­ren. Die­ses Ange­bot rich­tet sich auch an das Instal­la­ti­ons­hand­werk, für das die Beklag­te hoch­spe­zia­li­sier­te Werk­zeu­ge her­stellt, die der Besei­ti­gung von Ver­stop­fun­gen von Rohr­lei­tun­gen die­nen. Indem die Par­tei­en sich an den­sel­ben gewerb­li­chen Kun­den­kreis wen­den, gibt es zwi­schen ihnen Berüh­rungs­punk­te auf dem Absatz­markt. Zwar wer­den die Werk­zeu­ge der Beklag­ten über den Fach­han­del aus­ge­lie­fert. Zwi­schen Fach­han­del und Cash&CarryMärkten als For­men des Ver­triebs an Gewer­be­trei­ben­de besteht aber eine beträcht­li­che Bran­chen­nä­he. Zudem sind nahe­lie­gen­de Geschäfts­aus­wei­tun­gen zu berück­sich­ti­gen. Da Bran­chen­nä­he und nicht Bran­chen­iden­ti­tät hier in Rede steht, kommt es nicht dar­auf an, ob die Klä­ge­rin den mecha­ni­schen Rohr­rei­ni­gungs­ma­schi­nen der Beklag­ten ent­spre­chen­de Gerä­te in ihren Märk­ten anbie­tet.

Auch die Annah­me, das Unter­neh­mens­kenn­zei­chen der Klä­ge­rin habe für die hier streit­ge­gen­ständ­li­chen hoch­spe­zia­li­sier­ten Werk­zeu­ge ledig­lich eine leicht gestei­ger­te Kenn­zeich­nungs­kraft, begeg­net für den Bun­des­ge­richts­hof recht­li­chen Beden­ken:

Die Kenn­zeich­nungs­kraft einer Fir­men­be­zeich­nung wird durch den Grad der Eig­nung des Zei­chens bestimmt, sich auf Grund sei­ner Eigen­art und sei­nes durch Benut­zung erlang­ten Bekannt­heits­gra­des dem Ver­kehr als Name des Unter­neh­mens­trä­gers ein­zu­prä­gen 5. Für die Bestim­mung des Gra­des der Kenn­zeich­nungs­kraft kommt es bei einem Unter­neh­mens­kenn­zei­chen des­halb anders als bei der Mar­ke dar­auf an, ob der Ver­kehr das frag­li­che Kenn­zei­chen nicht nur einem bestimm­ten, son­dern gera­de dem Unter­neh­men zuord­net, das für die­se Bezeich­nung Schutz bean­sprucht 6.

Dem Kla­ge­kenn­zei­chen "Metro" kommt für die­je­ni­gen Waren und Dienst­leis­tun­gen gestei­ger­te Kenn­zeich­nungs­kraft zu, für die mit dem übli­chen Sor­ti­ment von Cash&Carry-Märkten Bran­chen­nä­he besteht 7. Auf der Grund­la­ge der bestehen­den beträcht­li­chen Bran­chen­nä­he muss daher auch eine erheb­lich gestei­ger­te Kenn­zeich­nungs­kraft des Kla­ge­zei­chens ange­nom­men wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. März 2012 – I ZR 55/​10

  1. BGH, Urteil vom 09.10.2003 – I ZR 65/​00, GRUR 2004, 512, 513 = WRP 2004, 610 Ley­sief­fer, mwN; Urteil vom 24.02.2005 – I ZR 161/​02, GRUR 2005, 871, 872 = WRP 2005, 1165 Sei­com[]
  2. BGH, Urteil vom 13.10.2004 – I ZR 66/​02, GRUR 2005, 61 = WRP 2005, 97 CompuNet/​ComNet II, mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 20.01.2011 – I ZR 10/​09, GRUR 2011, 831 Rn. 23 = WRP 2011, 1174 BCC, mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 05.02.2009 – I ZR 167/​06, GRUR 2009, 484 Rn. 74 = WRP 2009, 616 Metro­bus[]
  5. BGH, Urteil vom 21.02.2002 – I ZR 230/​99, GRUR 2002, 898, 890 = WRP 2002, 1066 defac­to[]
  6. BGH, Urteil vom 27.11.2003 – I ZR 79/​01, GRUR 2004, 514, 516 = WRP 2004, 758 Tele­kom[]
  7. vgl. BGH, GRUR 2009, 484 Rn. 76 Metro­bus[]