Roll­trep­pen-Kar­tell

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat die Geld­bu­ßen her­ab gesetzt, die gegen meh­re­re Gesell­schaf­ten der Thys­sen­Krupp-Unter­neh­mens­grup­pe wegen Betei­li­gung am Kar­tell auf dem Markt für den Ver­kauf, die Mon­ta­ge, die War­tung und die Moder­ni­sie­rung von Auf­zü­gen und Fahr­trep­pen ver­hängt wur­den. Die gegen die Gesell­schaf­ten der Unter­neh­mens­grup­pen Otis, Kone und Schind­ler ver­häng­ten Geld­bu­ßen wur­den vom Euro­päi­schen Gericht dage­gen auf­recht­erhal­ten

Roll­trep­pen-Kar­tell

Mit Ent­schei­dung vom 21. Febru­ar 2007 1 ver­häng­te die Kom­mis­si­on Geld­bu­ßen in Höhe von ins­ge­samt mehr als 992 Mil­lio­nen € gegen meh­re­re Gesell­schaf­ten der Unter­neh­mens­grup­pen Otis, Kone, Schind­ler und Thys­sen­Krupp wegen Betei­li­gung an Kar­tel­len auf dem Markt für den Ver­kauf, die Mon­ta­ge, die War­tung und die Moder­ni­sie­rung von Auf­zü­gen und Fahr­trep­pen in Bel­gi­en, Deutsch­land, Luxem­burg und den Nie­der­lan­den. Die von der Kom­mis­si­on fest­ge­stell­ten Zuwi­der­hand­lun­gen bestan­den haupt­säch­lich in der Auf­tei­lung der Märk­te zwi­schen den Wett­be­wer­bern durch Abspra­chen oder Abstim­mung zum Zweck der Zuwei­sung von Ange­bo­ten und Auf­trä­gen für Ver­kauf, Mon­ta­ge, War­tung und Moder­ni­sie­rung von Auf­zü­gen und Fahr­trep­pen.

Die betrof­fe­nen Unter­neh­men rie­fen gegen die­se Ent­schei­dung das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on an und bean­trag­ten die Nich­tig­erklä­rung der Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on oder die Her­ab­set­zung der gegen sie ver­häng­ten Geld­bu­ßen.

Was die Gesell­schaf­ten der Thys­sen­Krupp-Unter­neh­mens­grup­pe angeht, hat­te die Kom­mis­si­on die gegen die Mut­ter­ge­sell­schaft Thys­sen­Krupp AG, ihre Toch­ter­ge­sell­schaft Thys­sen­Krupp Ele­va­tor AG und meh­re­re natio­na­le Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ver­häng­ten Geld­bu­ßen wegen Wie­der­ho­lungs­tä­ter­schaft um 50% erhöht. Denn bestimm­te Gesell­schaf­ten, die zum Thys­sen­Krupp-Kon­zern gehör­ten, hat­te die Kom­mis­si­on 1998 wegen Betei­li­gung an einem Kar­tell auf dem Legie­rungs­zu­schlags­markt mit Sank­tio­nen belegt 2.

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on weist zum einen dar­auf hin, dass die Kom­mis­si­on in einer frü­he­ren Ent­schei­dung eine Zuwi­der­hand­lung fest­ge­stellt hat­te, die ledig­lich von den Gesell­schaf­ten des Kon­zerns – unter Aus­schluss ihrer dama­li­gen Mut­ter­ge­sell­schaf­ten, deren wirt­schaft­li­cher und recht­li­cher Nach­fol­ger die Thys­sen­Krupp AG ist – began­gen wor­den war. Außer­dem hat­te die Kom­mis­si­on in die­ser Ent­schei­dung nicht in Betracht gezo­gen, dass die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und ihre Mut­ter­ge­sell­schaf­ten eine wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­de­ten. Zum ande­ren weist das Gericht dar­auf hin, dass aus der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung nicht her­vor­geht, dass die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, gegen die Geld­bu­ßen im Rah­men des Legie­rungs­zu­schlags­kar­tells ver­hängt wor­den sind, zu den­je­ni­gen Unter­neh­men gehö­ren, gegen die Sank­tio­nen in der Ent­schei­dung, die Gegen­stand der vor­lie­gen­den Kla­ge ist, ver­hängt wor­den sind. So gelang das Gericht zu dem Ergeb­nis, dass im vor­lie­gen­den Fall die von der Kom­mis­si­on fest­ge­stell­ten Zuwi­der­hand­lun­gen nicht als Wie­der­ho­lungs­ta­ten des­sel­ben oder der­sel­ben Unter­neh­men ange­se­hen wer­den kön­nen.

Das Euro­päi­sche Gericht ent­schei­det dem­zu­fol­ge, die gegen die Gesell­schaf­ten der Thys­sen­Krupp-Unter­neh­mens­grup­pe ver­häng­ten Geld­bu­ßen her­ab­zu­set­zen.
In Bezug auf die Gesell­schaf­ten der Unter­neh­mens­grup­pen Otis, Kone und Schind­ler weist das Gericht alle gel­tend gemach­ten Argu­men­te zurück und ent­schei­det folg­lich, die gegen sie ver­häng­ten Geld­bu­ßen auf­recht­zu­er­hal­ten.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urtei­le vom 13. Juli 2011 – T‑138/​07, T‑141/​07, T‑142/​07, T‑145/​07, T‑146/​07, T‑144/​07, T‑147/​07, T‑148/​07, T‑149/​07, T‑150/​07, T‑154/​07 und T‑151/​07

  1. Ent­schei­dung C (2007) 512 (endg.) der Kom­mis­si­on vom 21. Febru­ar 2007 in einem Ver­fah­ren nach Arti­kel 81 [EG] (Sache COMP/E‑1/38.823 ? Auf­zü­ge und Fahr­trep­pen), von der eine Zusam­men­fas­sung im Amts­blatt der Euro­päi­schen Uni­on (ABl. C 75, S. 19) ver­öf­fent­licht ist.[]
  2. Ent­schei­dung 98/​247/​EGKS vom 21. Janu­ar 1998 in einem Ver­fah­ren nach Arti­kel 65 [EGKS] (Sache IV/35.814 — Legie­rungs­zu­schlag) und Ent­schei­dung K (2006) 6765 endg. vom 20. Dezem­ber 2006 in einem Ver­fah­ren nach Arti­kel 65 [EGKS] (Sache Nr. COMP/F/39.234 — Legie­rungs­zu­schlag — Neu­ent­schei­dung).[]