Sat.1 sucht den Super­star

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat eine Kla­ge der RTL Tele­vi­si­on GmbH gegen die SAT 1 Satel­li­ten­fern­se­hen GmbH in 2. Instanz abge­wie­sen. RTL hat­te Scha­den­er­satz in Höhe von 20.000,- € dafür ver­langt, dass SAT 1 Film­ma­te­ri­al aus der Vor­auswahl zur Cas­ting-Show "Deutsch­land sucht den Super­star" für einen eige­nen Nach­rich­ten­bei­trag ver­wandt hat­te, in dem über den Zusam­men­bruch eines Kan­di­da­ten nach der ver­nich­ten­den Bewer­tung durch Die­ter Boh­len berich­tet wur­de. Das Ober­lan­des­ge­richt ver­neint eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung und sieht den Bei­trag – anders als die Vor­in­stanz – durch das Recht zur Bericht­erstat­tung über Tages­er­eig­nis­se und das Zitat­recht gedeckt.

Sat.1 sucht den Super­star

RTL strahl­te am 23.01.2008 eine Auf­zeich­nung der Kan­di­da­ten­aus­wahl zu einer neu­en Staf­fel der Sen­de­rei­he "Deutsch­land sucht den Super­star" aus; gezeigt wur­de ins­be­son­de­re der Zusam­men­bruch eines 17jährigen Kan­di­da­ten nach der Bewer­tung sei­nes Auf­tritts durch den Jury-Spre­cher Die­ter Boh­len, der den Auf­tritt unter ande­rem mit den Bemer­kun­gen "Das war sehr, sehr, sehr, sehr, sehr schlecht, Herr Specht, äh R." und "Ich glaub, wenn Du in die Ber­ge gehst und Du rufst dazu 'Hal­lo Echo', da kommt auch kein Echo, weil Echos haben auch Geschmack" kom­men­tier­te. SAT 1 ver­wen­de­te Aus­schnit­te der Sen­dung für einen Bei­trag, den sie am 24. und 25.01. 2008 mehr­fach in ihren Sen­dun­gen "Das Maga­zin" und "Früh­stücks­fern­se­hen" aus­strahl­te.

Anders als in der ers­ten Instanz noch das Land­ge­richt ver­nein­te nun das Ober­lan­des­ge­richt Köln eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung, wie sie RTL gel­tend gemacht hat­te. Zwar habe der Sen­der SAT 1 in das aus­schließ­li­che Ver­wer­tungs­recht von RTL ein­ge­grif­fen, als er des­sen Mate­ri­al in sei­nen Bei­trag ein­be­zog. Die Ver­wen­dung des Sen­de­ma­te­ri­als sei aber als Bericht­erstat­tung über aktu­el­le Tages­er­eig­nis­se zuläs­sig gewe­sen. Die Cas­ting-Show sto­ße auf gro­ßes Publi­kums­in­ter­es­se. Schon nach frü­he­ren Sen­dun­gen sei es zu öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen über die viel­fach für unan­ge­mes­sen und Men­schen ver­ach­tend gehal­te­nen Äuße­run­gen des Jury-Mit­glieds Die­ter Boh­len gekom­men. Der Zusam­men­bruch eines Kan­di­da­ten vor lau­fen­den Kame­ras im Zusam­men­hang mit Äuße­run­gen Boh­lens wäh­rend der Vor­auswahl zu einer neu­en Sen­de­staf­fel stel­le sich vor die­sem Hin­ter­grund als ein die Öffent­lich­keit bewe­gen­des Ereig­nis dar, das sei­ner Qua­li­tät nach Gegen­stand aktu­el­ler Bericht­erstat­tung sein konn­te. Wesent­li­cher Gegen­stand des Nach­rich­ten­bei­trags sei das Ver­hal­ten Boh­lens und die Reak­ti­on des Kan­di­da­ten dar­auf. Das frem­de Sen­de­ma­te­ri­al sei auch nur in einem sol­chen Umfang genutzt wor­den, wie es zum Zwe­cke der Bericht­erstat­tung für einen mei­nungs­bil­den­den Bei­trag erfor­der­lich gewe­sen sei. Außer­dem sei die Nut­zung des RTL-Mate­ri­als durch das Zitat­recht gedeckt gewe­sen; die Aus­schnit­te sei­en als Beleg­stel­len mit deut­li­cher Quel­len­an­ga­be ange­führt wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 30. Okto­ber 2009 – 6 U 100/​09