Sati­risch-spöt­ti­scher Anspie­lun­gen – oder: das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht in der Wer­bung

Äuße­rung mit sati­risch-spöt­ti­scher Anspie­lung ohne her­ab­set­zen­den Inhalt ver­let­zen nicht das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht.

Sati­risch-spöt­ti­scher Anspie­lun­gen – oder: das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht in der Wer­bung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Vor­sit­zen­den einer Gewerk­schaft nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, mit der sich die­ser gegen zivil­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen [1] wen­de­te, die sei­ne Kla­ge auf Unter­las­sung der Ver­wen­dung sei­nes Por­träts zu Wer­be­zwe­cken und auf Zah­lung einer fik­ti­ven Lizenz­ge­bühr abge­wie­sen haben. Wäh­rend die vom Beschwer­de­füh­rer ver­tre­te­ne Gewerk­schaft meh­re­re mehr­tä­gi­ge flä­chen­de­cken­de Streiks bei der Deut­schen Bahn AG durch­führ­te, schal­te­te die Beklag­te des Aus­gangs­ver­fah­rens, die eine bun­des­wei­te Auto­ver­mie­tung mit Sitz in Pul­lach bei Mün­chen betreibt, zunächst eine ganz­sei­ti­ge Wer­be­an­zei­ge in der Süd­deut­schen Zei­tung, die ein groß­for­ma­ti­ges Por­trät des Beschwer­de­füh­rers nebst Namens­an­ga­be und der Berufs­be­zeich­nung "Gewerk­schafts­füh­rer" sowie dar­un­ter den Text "Unser Mit­ar­bei­ter des Monats" – ergänzt um den Hin­weis auf von der Auto­ver­mie­tung bereit­ge­stell­te Miet­wa­gen an Bahn­hö­fen – zeig­te; bei einem spä­te­ren Streik schal­te­te sie eine weit­ge­hend iden­ti­sche Anzei­ge mit dem Haupt­text: "Schon wie­der Mit­ar­bei­ter des Monats".

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men (§ 93a Abs. 2 BVerfGG), da sie offen­sicht­lich unbe­grün­det sei:

Ent­ge­gen der Rüge des Gewerk­schafts­vor­sit­zen­den haben die Fach­ge­rich­te den Schutz­ge­halt des All­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts des Beschwer­de­füh­rers nicht ver­kannt. Mit der For­mu­lie­rung im Beru­fungs­ur­teil, von einer Ver­let­zung ideel­ler Inter­es­sen des Beschwer­de­füh­rers sei nicht aus­zu­ge­hen, will das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den [2] ersicht­lich nicht aus­sa­gen, dass nur des­sen kom­mer­zi­el­le Inter­es­sen im Raum stün­den, son­dern dass die Wer­be­an­zei­gen, wie es einen Satz zuvor betont, "über die sati­risch-spöt­ti­sche Anspie­lung" hin­aus gegen­über dem Gewerk­schafts­vor­sit­zen­den "kei­nen her­ab­set­zen­den oder sonst für ihn nega­ti­ven Inhalt" haben. Dies hält sich eben­so im fach­ge­richt­li­chen Wer­tungs­rah­men und lässt ver­fas­sungs­recht­li­che Feh­ler nicht erken­nen wie die vor die­sem Hin­ter­grund vor­ge­nom­me­ne Abwä­gung mit der Mei­nungs­frei­heit der Auto­ver­mie­tung, bei der das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den maß­geb­lich dar­auf abge­stellt hat, dass sich die Wer­be­an­zei­gen im zeit­li­chen Zusam­men­hang mit den Bahn­streiks mit einem gesell­schafts­re­le­van­ten The­ma von gro­ßem öffent­li­chen Inter­es­se aus­ein­an­der­set­zen und dabei in spöt­ti­scher, sati­ri­scher Wei­se auf die von der Gewerk­schaft und dem Beschwer­de­füh­rer ersicht­lich unbe­ab­sich­tig­ten Aus­wir­kun­gen der Streiks auf­merk­sam machen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Janu­ar 2020 – 1 BvR 556/​19

  1. LG Leip­zig, Urteil vom 17.11.2017 – 08 O 2566/​16; OLG Dres­den, Urteil vom 21.08.2018 – 4 U 1822/​17; BGH, Beschluss vom 24.01.2019 – I ZR 155/​18[]
  2. OLG Dres­den, Urteil vom 21.08.2018 – 4 U 1822/​17[]