Scha­dens­er­satz, ent­gan­ge­ner Gewinn und der sub­stan­ti­ier­te Kla­ge­vor­trag

§ 252 BGB ent­hält für den Geschä­dig­ten eine § 287 ZPO ergän­zen­de Beweis­erleich­te­rung, wonach die­ser nur die Umstän­de dar­zu­le­gen und in den Gren­zen des § 287 ZPO zu bewei­sen braucht, aus denen sich nach dem gewöhn­li­chen Ver­lauf der Din­ge oder den beson­de­ren Umstän­den des Fal­les die Wahr­schein­lich­keit des Gewinn­ein­tritts ergibt. An die dem Geschä­dig­ten inso­weit oblie­gen­de Dar­le­gung dür­fen kei­ne zu stren­gen Anfor­de­run­gen gestellt wer­den [1].

Scha­dens­er­satz, ent­gan­ge­ner Gewinn und der sub­stan­ti­ier­te Kla­ge­vor­trag

Dies gilt auch für den Nach­weis eines wett­be­werb­li­chen, nament­lich eines durch unzu­läs­si­ge Abwer­bung von Mit­ar­bei­tern oder Kun­den begrün­de­ten Scha­dens, für den es hin­sicht­lich der künf­ti­gen Ent­wick­lun­gen des Geschäfts­ver­laufs in der Natur der Sache lie­gen­de Beweis­schwie­rig­kei­ten gibt [2].

Der ohne das schä­di­gen­de Ereig­nis zu erwar­ten­de Umsatz eines Unter­neh­mers kann im Regel­fall auf der Grund­la­ge des in der Ver­gan­gen­heit nach­hal­tig erziel­ten Umsat­zes geschätzt wer­den [3], sofern die der Scha­dens­schät­zung zugrun­de zu legen­de Umsatz­ent­wick­lung nicht durch wei­te­re, in ihren Aus­wir­kun­gen nicht mess­ba­re, Son­der­fak­to­ren beein­flusst wur­de [4].

Dabei hat gera­de eine auf die kon­kre­ten Umstän­de des Fal­les bezo­ge­ne Scha­dens­dar­le­gung die Ver­hält­nis­se der­je­ni­gen Nie­der­las­sun­gen ins Auge zu fas­sen, die von dem schä­di­gen­den Ein­griff betrof­fen waren [5]. Aus­zu­ge­hen ist – im hier ent­schie­de­nen Fall – damit von dem Ver­lust des Ertrags, den die abge­wor­be­nen oder infol­ge der Abwer­bung von Dis­po­nen­ten abge­wan­der­ten Mit­ar­bei­ter zuvor erwirt­schaf­tet hat­ten. Dass eine sol­che Umsatz­ein­bu­ße den Umsatz des Unter­neh­mens ins­ge­samt min­dert, bedarf grund­sätz­lich kei­ner wei­te­ren Dar­le­gung. Wür­de dem­ge­gen­über im Rah­men einer Gesamt­be­trach­tung dar­auf abge­stellt, wie sich Umsatz und Gewinn des Unter­neh­mens ins­ge­samt ent­wi­ckelt haben, so könn­te gera­de dies zur Berück­sich­ti­gung sol­cher Fak­to­ren füh­ren, die mit dem schä­di­gen­den Ein­griff in kei­nem Zusam­men­hang ste­hen und daher rich­ti­ger­wei­se außer Betracht zu blei­ben haben.

Mit dem Ein­wand der Beschwer­de­er­wi­de­rung, dass die Klä­ge­rin in einem kurz­fris­tig agie­ren­den Geschäfts­zweig in einer umkämpf­ten Bran­che tätig sei und ein län­ge­rer Ver­bleib ihrer Arbeits­kräf­te nicht unter­stellt wer­den kön­ne, kann eine auf zurück­lie­gen­de Umsät­ze gestütz­te Scha­dens­schät­zung nach § 252 Satz 2 BGB, § 287 ZPO zwar zeit­lich begrenzt, aber nicht voll­stän­dig abge­lehnt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2013 – II ZR 291/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 18.02.2002 – II ZR 355/​00, ZIP 2002, 895, 896; Urteil vom 26.07.2005 – X ZR 134/​04, WM 2005, 2303, 2304; Urteil vom 06.02.2007 – X ZR 117/​04, WM 2007, 1097 Rn. 15; Beschluss vom 27.10.2010 – XII ZR 128/​09, GuT 2010, 343 Rn. 3; BAG, NJW 2013, 331 Rn.20[]
  2. vgl. BAG, NJW 2013, 331 Rn.20; BAG, NZA 2013, 748 Rn. 26; sie­he auch BGH, Urteil vom 17.06.1992 – I ZR 107/​90, BGHZ 119, 20, 30 f. – Tchibo/​Rolex II; Urteil vom 17.04.1997 – X ZR 2/​96, NJW-RR 1998, 331, 333 – Chi­na­her­de[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 14.01.2002 – II ZR 354/​99, ZIP 2002, 531, 533; Beschluss vom 22.06.2009 – II ZR 143/​08, ZIP 2009, 1467 Rn. 3; sie­he auch BGH, Urteil vom 06.02.2001 – VI ZR 339/​99, NJW 2001, 1640, 1641; Beschluss vom 27.10.2010 – XII ZR 128/​09, GuT 2010, 343 Rn. 4[]
  4. vgl. BAG, NJW 2013, 331 Rn. 26[]
  5. vgl. hier­zu LAG Düs­sel­dorf, Urteil vom 23.02.2010 – 17 Sa 1133/​08[]