Scha­dens­er­satz und Ver­trags­stra­fever­lan­gen – und die Bestimmt­heit der Kla­ge

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift die bestimm­te Anga­be des Gegen­stan­des und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs sowie einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten. Ein Man­gel der Bestimmt­heit der Kla­ge ist auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren von Amts wegen zu beach­ten 1.

Scha­dens­er­satz und Ver­trags­stra­fever­lan­gen – und die Bestimmt­heit der Kla­ge

Soweit der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge die Zah­lung von Scha­dens­er­satz in Höhe von 10.000 € und von Ver­trags­stra­fen in Höhe von 40.000 € bean­sprucht, ist der Grund der erho­be­nen Ansprü­che nicht hin­rei­chend bestimmt.

Eine Teil­kla­ge, mit der meh­re­re pro­zes­su­al selb­stän­di­ge Zah­lungs­an­sprü­che gel­tend gemacht wer­den, deren Sum­me den gel­tend gemach­ten Teil­be­trag über­steigt, genügt dem Bestimmt­heits­er­for­der­nis des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO nur, wenn der Klä­ger angibt, wie sich der ein­ge­klag­te Betrag auf die ein­zel­nen Ansprü­che ver­tei­len soll und in wel­cher Rei­hen­fol­ge das Gericht die­se Ansprü­che prü­fen soll. Sonst könn­te es zu unüber­wind­li­chen Schwie­rig­kei­ten bei der Bestim­mung des Streit­ge­gen­stan­des und damit der mate­ri­el­len Rechts­kraft kom­men 2.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall macht der Klä­ger mit sei­nen Anträ­gen auf Zah­lung von Scha­dens­er­satz und von Ver­trags­stra­fen jeweils meh­re­re pro­zes­su­al selb­stän­di­ge Ansprü­che im Wege der Teil­kla­ge gel­tend.

Sei­nen Antrag auf Zah­lung von Scha­dens­er­satz stützt der Klä­ger auf die Ver­let­zung urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Rech­te an 52 Foto­gra­fi­en. Dabei han­delt es sich um meh­re­re pro­zes­su­al selb­stän­di­ge Ansprü­che, da an jeder Foto­gra­fie ein eige­nes Schutz­recht besteht 3 und jedes Schutz­recht einen eige­nen Streit­ge­gen­stand bil­det 4. Der Klä­ger ver­folgt die­se Ansprü­che im Wege der Teil­kla­ge. Er ist der Ansicht, ihm ste­he wegen der Ver­let­zung sei­ner Rech­te an den Foto­gra­fi­en ein Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe von 32.240 € (620 € je Foto­gra­fie) zu. Davon macht er mit der Kla­ge einen Teil­be­trag von 10.000 € gel­tend.

Auch mit sei­nem Antrag auf Zah­lung von Ver­trags­stra­fen ver­folgt der Klä­ger meh­re­re pro­zes­su­al selb­stän­di­ge Ansprü­che im Wege der Teil­kla­ge 5. Er ist der Auf­fas­sung, die Beklag­te habe in 54 Fäl­len gegen ihre Ver­pflich­tung aus der Unter­las­sungs­er­klä­rung ver­sto­ßen, wes­halb er Ver­trags­stra­fen in Höhe von 275.400 € (5.100 € je Ver­stoß) bean­spru­chen kön­ne. Davon ver­langt er mit der Kla­ge einen Teil­be­trag von 40.000 €.

Der Klä­ger hat nicht ange­ge­ben, wie sich die ein­ge­klag­ten Beträ­ge auf die ein­zel­nen Ansprü­che ver­tei­len sol­len und in wel­cher Rei­hen­fol­ge das Gericht die­se Ansprü­che prü­fen soll. Die Kla­ge­an­trä­ge kön­nen auch nicht dahin aus­ge­legt wer­den, dass der Klä­ger mit der jewei­li­gen Teil­kla­ge einen gleich­mä­ßig auf alle Rechts­ver­let­zun­gen bzw. Zuwi­der­hand­lun­gen ent­fal­len­den Teil­be­trag begehrt 6. Dem steht ent­ge­gen, dass sich der mit der jewei­li­gen Teil­kla­ge gel­tend gemach­te Betrag nicht gleich­mä­ßig auf alle der jewei­li­gen Teil­kla­ge zugrun­de­lie­gen­den pro­zes­su­al selb­stän­di­gen Ansprü­che ver­tei­len lässt.

Soweit die Kla­ge nicht hin­rei­chend bestimmt ist, hat dies nicht zur Fol­ge, dass sie als unzu­läs­sig abzu­wei­sen ist.

Der Klä­ger ist in den Vor­in­stan­zen nicht auf die man­geln­de Bestimmt­heit des Grun­des der erho­be­nen Ansprü­che auf Zah­lung von Scha­dens­er­satz und von Ver­trags­stra­fen hin­ge­wie­sen wor­den. Unter die­sen Umstän­den ist dem Klä­ger im wie­der­zu­eröff­nen­den Beru­fungs­rechts­zug Gele­gen­heit zu geben, sei­ne Kla­ge inso­weit in der gebo­te­nen Wei­se zu kon­kre­ti­sie­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2014 – I ZR 76/​13

  1. st. Rspr.; vgl. zur man­geln­den Bestimmt­heit des Kla­ge­grun­des BGH, Urteil vom 08.12 1989 – V ZR 174/​88, NJW 1990, 2068, 2069; Urteil vom 17.07.2008 – IX ZR 96/​06, NJW 2008, 3142 Rn. 12; zur man­geln­den Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags BGH, Urteil vom 20.02.1997 – I ZR 13/​95, BGHZ 135, 1, 8 Betrei­ber­ver­gü­tung [Aus­kunfts­an­trag]; Urteil vom 20.06.2013 – I ZR 55/​12, GRUR 2013, 1235 Rn. 12 = WRP 2014, 75Rest­wert­bör­se II, mwN [Unter­las­sungs­an­trag][]
  2. BGH, Urteil vom 03.12 1953 – III ZR 66/​52, BGHZ 11, 192, 194 f.; BGH, NJW 1990, 2068, 2069; BGH, Urteil vom 19.06.2000 – II ZR 319/​98, NJW 2000, 3718, 3719; Urteil vom 13.02.2003 – I ZR 281/​01, GRUR 2003, 545 = WRP 2003, 756 Hotel­fo­to; BGH, NJW 2008, 3142 Rn. 7; BGH, Urteil vom 06.05.2014 – II ZR 217/​13, WM 2014, 1544 Rn. 13[]
  3. vgl. BGH, GRUR 2013, 1235 Rn.20 – Rest­wert­bör­se II[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 24.01.2013 – I ZR 60/​11, GRUR 2013, 397 Rn. 13 = WRP 2013, 499 – Peek & Clop­pen­burg III, mwN[]
  5. vgl. BGH, GRUR 2003, 545 Hotel­fo­to[]
  6. vgl. zur Aus­le­gung von Pro­zess­erklä­run­gen BGH, Urteil vom 01.08.2013 – VII ZR 268/​11, NJW 2014, 155 Rn. 30[]