Schlank im Schlaf durch Brot

Wirbt ein Bäcker auf Falt­blät­tern mit dem Slo­gan "Schlank im Schlaf" für ein Brot, ver­stößt die­se Wer­bung gegen ver­brau­cher­schüt­zen­de Vor­schrif­ten und ist wett­be­werbs­wid­rig.

Schlank im Schlaf durch Brot

So hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Bäcke­rei­un­ter­neh­mens ent­schie­den, das mit dem Spruch "Schlank im Schlaf" für ein Brot mit einem hohen Eiweiß­ge­halt Ende 2011 in sei­nen 200 Bäcke­rei­ver­kaufs­fi­lia­len gewor­ben hat­te. Der Slo­gan ist zugleich Titel eines Buches, das ein Abnehm­kon­zept nach der soge­nann­ten Insu­lin-Trenn­kost­me­tho­de vor­stellt, bei der mor­gens Koh­len­hy­dra­te ohne Eiweiß, mit­tags bei­des zusam­men und abends nur Eiweiß ver­zehrt wer­den sol­len. Auf dem Fly­er befand sich ein Hin­weis auf das Abnehm­kon­zept und eine Abbil­dung des Buches. Ein Ver­band aus Ber­lin klag­te auf Unter­las­sung der Wer­bung.

Nach Auf­fas­sung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt ver­stößt die Wer­bung gegen ver­brau­cher­schüt­zen­de Vor­schrif­ten und ist irre­füh­rend, so dass sie eine unzu­läs­si­ge geschäft­li­che Hand­lung nach dem Gesetz gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (UWG) dar­stellt.

Bei Wer­bung, die die Gesund­heit betrifft, gel­ten beson­ders stren­ge Anfor­de­run­gen an die Wahr­haf­tig­keit. Das Brot als sol­ches hat kei­ne schlank machen­de Wir­kung. Der auf der Außen­sei­te des Falt­blatts abge­druck­te Wer­be­spruch "Schlank im Schlaf" erweckt jedoch den Ein­druck, dass der Ver­zehr des Bro­tes selbst schlank mache. Die­ser Ein­druck wird dadurch ver­stärkt, dass das als Blick­fang auf dem Fly­er abge­bil­de­te Brot eine Ban­de­ro­le mit dem deut­lich les­ba­ren Wer­be­spruch trägt. Der Hin­weis auf dem Falt­blatt "ent­spricht dem Abnehm­kon­zept nach Dr. P." besei­tigt die­sen Irr­tum nicht, weil nicht klar ist, in wel­chem Zusam­men­hang Wer­be­spruch und Abnehm­kon­zept ste­hen.

Der Zusam­men­hang zwi­schen Wer­be­spruch und Abnehm­kon­zept wird erst auf den Innen­sei­ten des Falt­blat­tes her­ge­stellt, jedoch nimmt nicht jeder Kun­de sich die Zeit, das Falt­blatt in die Hand zu neh­men und zu lesen. Zudem geht aus der Wer­bung nicht her­vor, dass zum Abneh­men nicht nur eine Ernäh­rung nach dem vor­ge­stell­ten Abnehm­kon­zept genügt, son­dern auch ein die Ener­gie­auf­nah­me über­stei­gen­der Ener­gie­ver­brauch not­wen­dig ist, der nahe­lie­gen­der Wei­se durch kör­per­li­che Tätig­keit erfolgt. Das Abnehm­kon­zept ist über­dies wis­sen­schaft­lich umstrit­ten, wor­auf eben­falls unmiss­ver­ständ­lich hät­te hin­ge­wie­sen wer­den müs­sen.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 21. Juni 2012 – 6 W 1/​12