Schutz von Daten­ban­ken

Ein Daten­bank­her­stel­ler kann es drit­ten Per­so­nen ver­bie­ten, Ände­run­gen sei­ner Daten­bank in einem Daten­ab­gleich zu erfas­sen und für ein Wett­be­werbs­pro­dukt zu nut­zen.

Schutz von Daten­ban­ken

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­treibt die Klä­ge­rin den elek­tro­ni­schen Zoll­ta­rif (EZT), der auf der Grund­la­ge der Daten­bank TARIC der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on die für die elek­tro­ni­sche Zollan­mel­dung in der EU erfor­der­li­chen Tari­fe und Daten ent­hält. Die Klä­ge­rin bie­tet den EZT online und – in abge­wan­del­ter Dar­stel­lung – auf der CD-ROM „Tari­fe“ an. Die Beklag­ten ver­trei­ben eben­falls eine Zusam­men­stel­lung der für die elek­tro­ni­sche Zollan­mel­dung erfor­der­li­chen Tari­fe und Daten. In den Jah­ren 2001 und 2002 nahm die Klä­ge­rin bewusst unrich­ti­ge Daten in ihre CD-ROM „Tari­fe“ auf, die sich – eben­so wie eini­ge Pfle­ge­feh­ler – danach auch im Pro­dukt der Beklag­ten fan­den. Die Klä­ge­rin sieht in der Über­nah­me der Daten eine Ver­let­zung ihrer Daten­bank­her­stel­ler­rech­te an den Daten­ban­ken EZT und „Tari­fe“. Sie will den Beklag­ten ver­bie­ten las­sen, ohne ihre Zustim­mung die jeweils aktu­el­le Fas­sung ihrer Daten­ban­ken aus­zu­le­sen, um mit­tels eines Daten­ab­gleichs ein Kon­kur­renz­pro­dukt zu aktua­li­sie­ren. Wäh­rend das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Köln die Kla­ge abge­wie­sen hat, hat ihr das Ober­lan­des­ge­richt Köln in der Beru­fungs­in­stanz hin­sicht­lich der Daten­bank „Tari­fe“ statt­ge­ge­ben.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts jetzt bestä­tigt. Der Klä­ge­rin stün­den Daten­bank­her­stel­ler­rech­te an der Daten­bank „Tari­fe“ zu, da sie nicht als amt­li­ches Werk gemein­frei sei und mit erheb­li­chen Inves­ti­tio­nen stän­dig von der Klä­ge­rin aktua­li­siert wer­de. Das Daten­bank­her­stel­ler­recht hät­ten die Beklag­ten zwar nicht schon ver­letzt, indem sie die CD-ROM „Tari­fe“ auf der Fest­plat­te eines Com­pu­ters spei­cher­ten. Denn dies sei von einer Ein­wil­li­gung der Klä­ge­rin gedeckt, weil es zur bestim­mungs­ge­mä­ßen Nut­zung der CD-ROM erfor­der­lich sei. Eine Schutz­rechts­ver­let­zung der Klä­ge­rin lie­ge aber vor, weil die Beklag­ten per Daten­ab­gleich der CD-ROM „Tari­fe“ Ände­rungs­da­ten ent­nom­men und zur Aktua­li­sie­rung ihres Wett­be­werbs­pro­dukts ver­wen­det hät­ten. Die vom Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­te Über­nah­me ein­zel­ner Daten aus der CD-ROM der Klä­ge­rin in das Pro­dukt der Beklag­ten set­ze not­wen­dig einen umfas­sen­den Daten­ab­gleich vor­aus. Schon die ein­ma­li­ge Ent­nah­me aller geän­der­ten Daten aus einer bestimm­ten Ver­si­on der CD-ROM – durch Erstel­lung einer (ggfls. nur zwi­schen­ge­spei­cher­ten) Ände­rungs­lis­te oder unmit­tel­ba­re Über­nah­me – bezie­he sich auf einen qua­li­ta­tiv wesent­li­chen Teil der Daten­bank. Des­halb ste­he dem Anspruch der Klä­ge­rin nicht ent­ge­gen, dass der recht­mä­ßi­ge Benut­zer qua­li­ta­tiv oder quan­ti­ta­tiv unwe­sent­li­che Tei­le einer öffent­lich zugäng­li­chen Daten­bank zu belie­bi­gen Zwe­cken ent­neh­men kön­ne.

Hin­sicht­lich der Daten­bank EZT hat der Bun­des­ge­richts­hof die Abwei­sung der Kla­ge bestä­tigt, weil nicht fest­ge­stellt war, dass die Beklag­ten die­se Daten­bank für einen Daten­ab­gleich ver­wen­det hat­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. April 2009 – I ZR 191/​05 (Elek­tro­ni­scher Zoll­ta­rif)